PETER HAHN
Gabriele Leech-Anspach lebt seit den zwanziger Jahren in Steinstücken. Den Anfang, als das nahe Dorf Stolpe 12,67 Hektar Land erwarb, auf dem sich 1817 eine Kolonie unter dem Namen Steinstücken ansiedelte, kennt sie aus den Geschichtsbüchern. Als sie geboren wurde, gehörte dieser Flecken schon zur Landgemeinde Wannsee und mit der Bildung von Groß-Berlin 1920 zum Bezirk Zehlendorf. Geblieben ist die "Insel vor der Insel", über deren Geschichte und Bewohner die Autorin Barbara Glaubitz einen aufschlussreichen Film gemacht hat.
Steinstücken gehört zu Berlin, liegt aber außerhalb des Stadtgebiets in der Mark Brandenburg. Bis 1945 gab es keine Probleme. Diese entstanden erst mit der Aufteilung des Berliner Stadtgebiets in vier Besatzungssektoren. Die Enklave lag in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ), seine 200 Einwohner wurden vom Bezirk Zehlendorf "verwaltet", der zum amerikanischen Sektor gehörte und somit dem Viermächtestatus unterlag.
Einige Jahre ging das einigermaßen gut, bis am 18. Oktober 1951 die Volkspolizei mit Billigung der "Sowjetischen Kontrollkommission" (SKK) Steinstücken besetzte und die DDR die Eingemeindung in das Stadtgebiet von Potsdam verkündete. Da dies letztendlich eine Okkupation bedeutete, protestierten die USA. Vier Tage später erfolgte Widerruf und Rückzug der Volkspolizei.
Von nun an lebten die Leute in Angst. Das Leben mit der Insel vor der Insel war zugleich belastend und entlastend. Die Leute hatten eine Umwallung, die nach innen zusammenhielt und nach außen abschirmte, sie hatten einen Ort, an dem sich die geplagte Gesellschaft zusammenraufte und sie hatten das gemeinsame Los, welches das Verbindende schaffte.