

Fritz Burgers Bildnis von Karl Ludwig Manzel aus dem Jahr 1912 ist im Besitz der Nationalgalerie. Repro: Peter Hahn
Er hatte die Nase allzeit vorn. 1898 fertigte er für die ostpreußische Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm II. in Cadinen ein kaiserliches Wappen. In den letzten Jahren der Weimarer Republik schuf er das Grabmal für den Filmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof. Als die Nazis die Macht übernommen hatten, präsentierte er nach Ansicht des Berliner Lokal-Anzeigers "eine ausgezeichnete Bronzemedaille von Dr. Goebbels".
Besonders verbunden war der Bildhauer Karl Ludwig Manzel dem Altkreis Teltow und seinem Landrat. Für das Teltower Kreishaus in der Berliner Viktoriastraße entstand eine Büste Stubenrauchs. Einige Zeit später ließ Teltow als Dank an das Haus Hohenzollern an der Havelchaussee zwischen Potsdam und Berlin einen Turm errichten: "König Wilhelm I. zum Gedächtnis. Der Kreis Teltow baute mich 1897". Inzwischen heißt das märkische Backsteinwerk weder "König-Wilhelm-Turm", was die Teltower wollten, noch "Kaiser-Wilhelm-Turm", wie ihn Wilhelm II. nannte, sondern Grunewaldturm. Geblieben ist in der Kuppelhalle ein überlebensgroßer Marmor des ersten deutschen Kaisers. Die Manzelsche Skulptur reiht sich nahtlos in das damals Übliche ein.
Manzel bevorzugte das Großformat. Das Überschreiten der menschlichen Proportionen wurde vielfach zum Maßstab. Damit setzte er höchst auffällige Zeichen, sowohl bei profanen Denkmalen als auch bei sakralen Bauten. Seine Arbeiten demonstrieren Macht und Überlegenheit. Dafür stehen die Wilhelm-Skulptur im Grunewald wie auch sein 1924 gefertigtes Monumentalrelief "Christus" auf dem Südwestkirchhof. Der aus dem 11. Matthäus-Kapitel entnommene Titel, "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken", stellt zumindest in diesem Zusammenhang eine fragwürdige Botschaft dar.