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24.05.2007

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Balance statt Barrieren

Hartmut Dorgerloh im Gespräch

FRANK KALLENSEE

Sanssouci soll anders bleiben. Ein Ort, der "auch in 20, 30 Jahren noch eine Idee davon vermitteln kann, was Geschichte ist". Zu tun, was dafür nötig ist, beschreibt Hartmut Dorgerloh als seinen Job. Deshalb klagt der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg nun ein 285 Millionen Euro teures und über zehn Jahre gesplittetes "Sonderinvestitionsprogramm" für die Rettung der Hohenzollern-Immobilien ein. Deshalb setzt er jetzt eine Parkordnung mit Bußgeldern durch. Deshalb, bestätigte er gestern bei einem MAZ-Redaktionsbesuch, sehe er auch keine andere Alternative, als konsequent zu sein.

Will heißen: Potsdams Arkadien wird von Velotaxis ebenso frei gehalten wie von Straßenmusikanten, Pommesbudenbesitzern, Rodlern oder Langhalmwiesenliegern. Jedenfalls dort, wo es verboten ist. Aber Dorgerloh kann eben auch, wie er sagt, auf "erhebliche Zugeständnisse" verweisen: Auf erstmals in der Stiftungsgeschichte freigegebene "Transitstrecken" für Radfahrer zum Beispiel oder auf das Ufergelände des Babelsberger Parks, wo das Baden geduldet wird. Dass der Transit zuweilen in als "Fahrradschiebestrecken" ausgeschilderten Sackgassen mündet, erkennt er als Problem, das zu lösen und nach der diesjährigen Testphase einer Evaluierung anheimzustellen sei. Dass die Nutzungswünsche der Bürgerinitiative Babelsberger Park verhandlungstauglich sind, räumt er gleichfalls ein.

Barrieren vor die Tore zu stellen – das sei "eigentlich nicht die Art der Stiftung". Er hoffe vielmehr auf eine Umkehrung der Verhältnisse, sprich: auf die Vernunft der Bürger. "Dann könnten die Schranken wieder abgebaut werden." Stellt sich trotzdem die Frage nach dem Erfolg einer Erziehung durch Strafzettel? "Die Addition der verschiedenen Freizeitbedürfnisse", kontert Dorgerloh, erfordere dies. Wenn "Erhaltung und Erschließung", Denkmalpflege also und Besucherservice, in der Balance bleiben sollen, müsse man hier einfach steuern. "Der Kaiser hatte 120 Gärtner in Babelsberg, um kaputte Wege wiederherzustellen, wir müssen mit weniger als zehn Prozent dieser Personalstärke auskommen."

Dieser Notstand wiegt umso schwerer, als Dorgerloh Schloss und Park Babelsberg zum "touristischen Entwicklungspotenzial" der Stiftung erklärt. Das ist in dieser Deutlichkeit noch nicht zu hören gewesen. Rückblickend gerät damit zwar die von ihm im vergangenen Jahrfünft zweimal angekündigte und dann doch wieder ausgesetzte Sanierung des Schinkel-Persius-Strack-Palastes in ein etwas diffuses Licht, aber de facto fehlte der Stiftung das Geld, vor allem aber fehlten die Haushaltsunterlagen. Letztere wurden bis 2006 erarbeitet respektive komplettiert und sind heute die Grundlage des von der Stiftung für die kommenden 25 Jahre aufgelegten Strategiepapiers: Mit 730 Millionen Euro ist hier der Bedarf für den Erhalt der Schlösser und Gärten beziffert. Aufzubringen von den drei Zuwendungsgebern Bund, Brandenburg und Berlin. "Beim Bund und in Berlin stehen die Ampeln auf Grün, in Brandenburg ist es schwierig." Investive Mittel seien aus dem Kulturetat nicht zu erwarten. Möglich wären aber Förderungen aus dem EU-Topf und der Gemeinschaftsaufgabe Ost. "Ich bin Realist. Ich erwarte keine 730 Millionen und keine 285 Millionen Euro auf einen Schlag. Aber mit zusätzlichen zehn bis zwölf Millionen rechne ich von 2008 an durchaus." Mit diesen Summen könnten die Restaurierung des Neuen Palais und die Maßnahmen in Babelsberg und im Berliner Ableger Charlottenburg beginnen.

Realist ist Dorgerloh auch, was die mögliche Kommerzialisierung der Stiftung zwecks Erhöhung der Eigeneinnahmen betrifft. "Bei Vermietungen bremst die Politik." Sie beharre auf ihrem Exklusivrecht für protokollarische Zwecke. Er selbst könne sich ohne Zweifel "mehr vorstellen", aber auch die Firmen seien inzwischen eher sparsam geworden. Ergo: Wie man das Für und Wider momentan auch dreht und wendet, zunächst ist jetzt mal die Politik am Zug.

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