

Stau der Empörung. Der Wachschutz droht mit Anzeigen, falls man weitergeht. Auch die Polizei rät Passanten davon ab. Foto: Volkmar Klein
VOLKMAR KLEIN
BABELSBERG Der Uferweg am Griebnitzsee ist seit gestern unbenutzbar. Villenbesitzer ließen ihn am Morgen an sechs Stellen sperren. Anders als vor zwei Jahren, als die Stadt die Barrikaden sofort abbaggerte, riet ihr Anwalt Uwe Graupeter empörten Passanten zur Umkehr. Hinter Flatterbändern hatten sich Wachschützer der Firma Seidel aufgebaut und drohten mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs, falls jemand die "Privatgrundstücke" betrete.
Auch die Polizei sah sich angesichts der unklaren Rechtslage außerstande, die gekaufte Garde zur Freigabe des Weges zu zwingen. "Wir sind hier zur Deeskalation", beschrieb Polizeihauptkommissar Thorsten Kollenrott seinen Auftrag. Er ermahnte Seidel-Einsatzleiter Bernd Müller, keine Gewalt gegen Bürger anzuwenden, und klärte ihn auf, dass sich die Sperrung als Nötigung erweisen könne. Dann beruhigte er zwei aufgebrachte Bürger und zog ab. "Die kuschen vor den Bonzen", rief eine Passantin. Zwei kämpferische Damen prallten an den schwarzen Sheriffs ab. Dagegen durchbrachen Lieselotte und Joachim N. samt Enkel Mark und dem Ruf "Scheiß Kapitalismus" zwei Sperren am Griebnitzsee-Hotel. Dort hatte die Sicherheitsfirma Jungs postiert, die sich sichtlich ihres Jobs schämten und sagten, sie hätten halt "diesen Auftrag vom gnädigen Herrn".
Oberbürgermeister Jann Jakobs sprach von einer "neuen Stufe der Eskalation". Per Ordnungsverfügung hat er den Wachschutz und dessen Auftraggeber gestern aufgefordert, bis heute, zwölf Uhr, den Weg freizugeben. Es könne nicht sein, dass Anrainer aus egoistischem Interesse schon im Vorfeld der für 2008 erwarteten Gerichtsentscheidungen zum Charakter des Uferweges den Status quo verändern wollten, sagte Jakobs. Der SPD-Stadtverordnete und Villenbesitzer Wolfhard Kirsch gehöre nicht zu dem Dutzend Auftraggeber der Sperrung, so Jakobs. Allerdings ist auch Kirschs Uferstück nicht mehr erreichbar. Wachschützer Müller nannte die Namen jener Kunden, denen er die Räumungsverfügung zustellt: Scholz, Jacobsen, Wolf, Gottschald, Erdem, Klotz und Marweld. Laut dem von der Stadt beauftragten Rechtsanwalt Graupeter klagen mehrere der Genannten gegen den öffentlichen Weg, sieben Kläger gebe es insgesamt, darunter Kirsch.
Wie weiter? Müller kündigte im Namen seiner Auftraggeber an, den Weg trotz Räumungsverfügung und einer Zwangsgeldandrohung von 20 000 Euro "24 Stunden am Tag" zu sperren. Wann und ob die Posten abziehen, hängt damit von einer Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts ab, die für morgen erwartet wird. Dem Gericht liegt schon ein Schriftsatz der Sperr-Initiatoren vor. In einer gestern vom Wachschutz verteilten Presseerklärung ohne Unterschrift heißt es: "Ein Zusammenschluss von Bürgern wehrt sich gegen die dauerhafte Begehbarkeit eines Uferweges." Jakobs betonte, nach Einigung mit mehreren Anrainern sei man weiter an Einvernehmen interessiert. Wo das nicht zustande komme, werde man den Weg durch Enteignung sichern. Die Stadt werde dann "selbstverständlich jene Entschädigungssummen zahlen, die von Sachverständigen ermittelt" würden.