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26.02.2008

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Hollywood: Der Abend des alten Kontinents

Bei der 80. Oscarverleihung gingen die Preise an europäische Schauspieler

LOS ANGELES/POTSDAM - Roter kann kein Teppich sein als der von Hollywood. Schwärzer kann man keinen Kaffee kochen als diesen, der einen schlaflos durch die Sonntagnacht der Oscars bringen soll. „Der Oscar ist ein hohler Sieg“, hat Regisseur Mike Nichols gesagt, als er mit seiner „Reifeprüfung“ 1968 gewann, „um Mitternacht ist man wieder im Hotel und fühlt sich leer.“

Die Oscar-Nacht ist eine hohle Nacht, nach Mitternacht sitzt du allein vorm Fernseher und fühlst dich müde. Die Freundin ging ins Bett, sie hat gesagt, „viel Spaß“, doch klang da auch ein bisschen Mitleid durch? Okay, es gibt noch andere Frauen. Gerade kommen sie luftig angezogen mit festgeklebtem Ausschnitt und zementiertem Lächeln über den Laufsteg: Marion Cotillard (beste weibliche Hauptdarstellerin als Edith Piaf in „La Vie en Rose“, wie sich Stunden später zeigt) in weißem Schuppenkleid mit Schleppe, geschneidert von Jean Paul Gaultier. Tilda Swinton mit rotem Haar, grünen Augen, in schwarzem Kleid mit Rundausschnitt, das einen Ärmel hat, den zweiten aber einfach nicht (beste weibliche Nebendarstellerin als kalte Anwältin in „Michael Clayton“). Steven Gätjen, ein deutscher Springinsfeld, führt sinnentleerte Interviews in einem Höllentempo. Wonderful, amazing, exiting! Herrlich, erstaunlich, aufregend!

Halb drei. Noch immer keine Oscars. Der Kaffee wird kalt.

Mein Wunsch für diese Nacht: ein Sieg von Viggo Mortensen als bester männlicher Hauptdarsteller in „Eastern Promises“. Mortensen sagt, er sei ein „Freak“ in Hollywood, weil er kein Auto habe. Auch sonst lebt er eher ungewöhnlich. Ich weiß nichts über ihn, doch Freundinnen sagen: Der muss gewinnen! George Clooney ist ihnen zu geleckt. Ich sitze für die schlafenden Frauen vorm Fernseher und drücke Viggo die Daumen. Doch jetzt gibt’s erstmal Preise für Make-Up, dann fürs Kostümdesign (ausgerechnet diese Dame trägt einen gesprenkelten Bettvorleger).

Drei Tassen Kaffee später dann die ersten Emotionen, sie sind auch bitter nötig, denn Koffein allein hält nicht mehr wach. Oscar für Marion Cotillard. Französinnen und Englisch, das ist ja immer ein Ereignis. Aber was sie in ihrem weichgekauten Akzent erzählt! „Danke an die Liebe, danke an das Leben! Was habt ihr mit mir gemacht? You rock my Life (ju röcke maj löif)!“ Sie weint. Ach, die Französinnen. Sind immer so fantastisch gaga. Seit Sophia Loren anno 1962 hatte keine nicht-englischsprachige Schauspielerin mehr den Preis der besten Darstellerin gewonnen. Zum ersten Mal seit Simone Signoret 1960 erhielt eine Französin diesen Oscar, und die Cotillard bekommt ihn jetzt zum ersten Mal als eine Frau, die ihre Rolle französisch spricht.

Die Europäer: Sie holen alle Preise für Haupt- und Nebenrollen. Neben Cotillard und Tilda Swinton gewinnen Daniel Day-Lewis (als Hauptdarsteller in „There will be Blood“, jetzt mit wallendem Dandy-Haar und dicken Ohrringen) und Javier Bardem (als Nebendarsteller in „No Country for old Men“ – mit gegelter Frisur, nicht mehr mit diesem Psychopathenscheitel aus dem Film der Coen-Brüder).

Draußen zwitschern längst die Vögel, halb sechs, ehrliche Handwerker auf dem Weg zur Arbeit. Der beste Film am Ende: „No Country for old Men“ von Ethan und Joel Coen.

Mit den Coen-Brüdern habe ich meine Erfahrungen. Zweimal sind Freundinnen aus Coen-Filmen, die ich toll fand, nach einer Stunde rausgegangen: „Warum legen die alle zehn Minuten jemanden in schönstem Hochglanz um?“, schimpften sie.

Ihr Held, der smarte Viggo, ging leer aus. Und ich ging dann ins Bett. (Von Lars Grote)


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