POTSDAM - Die freundliche Tendenz auf dem Brandenburger Arbeitsmarkt hielt im März an. Arbeitslos gemeldet waren 193 000 Frauen und Männer, knapp 5000 weniger als im Februar und 24 000 weniger als vor einem Jahr. Das ist immerhin der niedrigste März-Wert seit zwölf Jahren. Die Arbeitslosenquote sank um 0,4 Prozentpunkte auf nunmehr 14,3 Prozent. Nur 32,5 Prozent der Arbeitslosen erhalten das beitragsfinanzierte Arbeitslosengeld I, der Rest bekommt Arbeitslosengeld II als Grundsicherung.
Erste Saisoneffekte machten sich in Gastronomie und Landwirtschaft bemerkbar, sagte Olaf Möller, Sprecher der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. Gleichermaßen sei die gute Konjunktur zu spüren. „Die positiven Effekte werden sich in den nächsten Monaten saisonal verstärken“, erwartet Möller. Bis zum Herbst sei daher mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit zu rechnen.
Daran würde sich selbst dann zunächst nichts ändern, wenn sich die Konjunktur in Deutschland aufgrund der Unsicherheiten auf dem Finanzmarkt eintrüben sollte. „Konjunkturveränderungen liest man erst mit einer Verzögerung von etwa sechs Monaten auf dem Arbeitsmarkt ab. Das gilt für positive wie negative Veränderungen“, erklärt Möller.
Brandenburgs Arbeitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) sieht die sinkenden Arbeitslosenzahlen als Beleg für eine positive Wirtschaftsentwicklung in Brandenburg. Benachteiligte Gruppen – wie etwa Behinderte – hätten jedoch weiterhin große Probleme, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Menschen mit Behinderungen profitieren offensichtlich nicht in dem Maße wie andere vom Aufschwung“, so Ziegler. Hier seien die Unternehmen gefordert. Erfreulich sei, dass wieder mehr Qualifizierungsangebote genutzt würden, so Ziegler. So hätten im März knapp 8500 Brandenburger an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen – das sind 1000 mehr als im Vormonat, allerdings 249 weniger als noch vor einem Jahr.
Insgesamt wurden im März knapp 45 000 Teilnehmer an Arbeitsmarktprogrammen gezählt – 1200 mehr als im Februar, aber fast 8000 weniger als im Vorjahr. Den größten Anteil hatten weiterhin die Ein-Euro-Jobs mit knapp 12 000 Teilnehmern. Noch rund 4000 Personen erhielten eine Förderung über das 2006 eingestellte Instrument der Ich-AG. Das Nachfolgemodell Gründungszuschuss wurde von knapp 5000 Menschen in Anspruch genommen, um so aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit zu starten.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Brandenburg ist gegenüber dem Vorjahr um knapp 10 000 auf 717 000 angestiegen. Das ist ein Zuwachs um 1,4 Prozent. Damit liegt Brandenburg allerdings um 0,9 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt. Aus Sicht des Arbeitsmarktexperten der Linksfraktion im Brandenburger Landtag, Christian Görke, ist dieser Rückstand Brandenburgs kritisch zu bewerten. Ein Indiz für die Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region sei auch, dass die Zahl der offenen Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt um 14,9 Prozent zurückgegangen sei, sagte Görke gegenüber der MAZ. (Von Ulrich Nettelstroth)