
Welche Unterschrift auf dem Überweisungsträger steht, prüfen Banken offenbar nur in Ausnahmefällen. Foto: dpa
BERLIN - Bankkunden müssen ihre Kontoauszüge immer genauer prüfen. Nicht nur nach unberechtigten Lastschrifteinzügen, auch nach angeblich getätigten Überweisungen sollten sie dabei suchen. Denn die Kreditinstitute nehmen es offenbar zuweilen bei der Überprüfung der Unterschriften bei diesen Aufträgen nicht so genau. Selbst pure Schlangenlinien oder der Name „Pittiplatsch“ als Signatur gingen bei einem Test mit 100 eingeworfenen Überweisungen des MDR-Magazins „Umschau“ zumeist unbeanstandet durch. Insgesamt wurden 95 von 100 Aufträgen mit Beträgen bis zu 50 Euro ausgeführt, obwohl sie nicht die Unterschrift des Verfügungsberechtigten getragen haben.
„Teilweise wird erst ab bestimmten Beitragsgrenzen verdichtet geprüft“, während darunter Stichproben genommen würden, räumt der „Zentrale Kreditausschuss“ etwas gestelzt ein. In ihm sind die Spitzenverbände der deutschen Bankwirtschaft vereint. Im Massenzahlungsverkehr müssten Überweisungen „im Interesse der Kunden schnell und kostengünstig bearbeitet werden“, heißt es.
„Zahlungsverkehr ist auch eine Frage der Rationalität“, sagte der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Claus Friedrich Holtmann, gestern bei der Halbjahresbilanz in Berlin. Unter den vom MDR getesteten Kreditinstituten war auch die zum OSV zählende Sparkasse Leipzig. „Wenn wir alles prüfen, wird es für den Kunden wohl auch teurer werden“, so Holtmann. Wichtig sei, dass dem Kunden kein Schaden entstehe. Solche unberechtigten Überweisungen würden anstandslos zurückerstattet.
„Das ist eine Verletzung der Sorgfaltspflicht“, sagt dagegen der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Brandenburg, Erk Schaarschmidt. Er sieht bei Überweisungen „absolute Kontrollpflicht“. Zudem könne es nicht sein, dass der Kunde allen möglichen Sachen „hinterherrennen soll“.
Auch bezüglich der illegalen Lastschriften geraten die Kreditinstitute in die Kritik. „Die abbuchenden Banken müssen achtgeben, wer Lastschriften eingibt“, sagt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Wer als Firma selbst abbuchen will, müsse anfangs intensiver auf Seriosität hin überprüft werden. Bei länger bestehenden Abbuchungsaufträgen müsse es zumindest Stichproben geben, so Pauli.
Holtmann räumte eine „offene Flanke“ der betroffenen Banken ein. Holtmann: „Die Sicherheit besteht darin, dass der Kunde solche Beträge rückbuchen kann.“
Geschäfte der Sparkassen laufen gut
Die Finanzkrise hat nach Ansicht des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) bewiesen, dass das Geschäftsmodell der Sparkassen tragfähiger ist als das der Privatbanken. „Unsere Institute haben keine Geschäfte gemacht, die sie nicht überblicken konnten", so OSV-Präsident Claus Friedrich Holtmann gestern. Die Krise habe auch die „Wortführer der Sparkassen-Privatisierung eines Besseren belehrt".
Die Sparkassen sehen zwar laut OSV den Aufschwung nun auch bei den mittelständischen Unternehmen angekommen, „aber man weiß nicht, wie es nun nach vorne weitergeht", so Holtmann. Dass auch die Unternehmen in Brandenburg von der Konjunktur profitiert haben, zeigt die gestern vom OSV vorgestellte Halbjahresbilanz. Danach haben die elf märkischen Sparkassen allein in den ersten sechs Monaten 2008 mit 205 Millionen Euro 7,3 Prozent mehr Kredite an Firmen und Selbstständige ausgereicht als im Vorjahreszeitraum. Zusammen mit Privat- und Kommunalkunden wurde mit ausgereichten 518 Millionen Euro sogar ein Wachstum von 21,4 Prozent erreicht.
Auch der Bestand der Einlagen stieg im Zeitraum von Juni 2007 bis Juni 2008 um 2,2 Prozent auf 17,1 Milliarden Euro. Beliebt waren dabei besonders Termingelder und Investmentfonds. Gut laufen inzwischen die Riester-Rentenangebote. Im ersten Halbjahr 2008 wurden 3460 Neuverträge in Brandenburg abgeschlossen. Der Bestand stieg auf fast 40 000 Verträge.
(Von Gerald Dietz)