NAUEN - Dass sich ihre „Brutzelbude“ einmal so nahe an einem Kriegsschauplatz befinden würde, hätte sich Monika Hartmann niemals träumen lassen. Nachdem Handwerker und Filmcrews der Produktionsfirma Zehnte Babelsberg ihre Arbeit getan hatten, war Hartmanns Imbiss in der Nauener Innenstadt gestern eingekesselt. Unzählige Laster, Bauzäune und Hebebühnen standen ringsum bereit, damit Kultregisseur Quentin Tarantino am Abend mit den Dreharbeiten zu seinem Kriegsfilm „Inglourious Basterds“ beginnen konnte. Monika Hartmann nahm den Auflauf gelassen. „Meinem Umsatz schadet der Rummel ja nicht. Heute und in den vergangenen Tagen waren viele ältere Schaulustige da“, erzählte sie. „Ein paar Jungsche schauten aber auch vorbei, die haben immer nach Brad Pitt gefragt.“
In den Tagen zuvor hatten die Kulissenbildner ganze Arbeit geleistet. Einen Teil der Nauener Altstadt verwandelten sie in den Straßenzug eines französisches Dorf der vierziger Jahre. Das denkmalgeschützte Haus Nummer 29 war nicht wiederzuerkennen, fungierte jetzt als Kellerkneipe. In der „Auberge la Louisiane“ sollten sich laut Drehbuch die von Leutnant Aldo Raine alias Brad Pitt angeführten amerikanischen Soldaten mit einer deutschen Spionin treffen und später mit Widersachern von Wehrmacht und Gestapo eine wilde Schießerei liefern.
Von den Umbauarbeiten wollten sich auch Christine und Manfred Rau ein Bild machen. „Wir waren ja am Sonntag schon sehr überrascht, wie anders es in der Straße aussah“, sagte Christine Rau. „Hier ist ja schon öfter mal gedreht worden, aber Brad Pitt würde ich gerne mal sehen.“ Diesen Wunsch äußerte auch Ute Koth. Die Finanzmanagerin zeigte sich zuversichtlich, denn ihr Arbeitsplatz liegt günstig. „Die Fenster meines Büros zeigen zur Neuen Straße. Vielleicht bleibe ich heute etwas länger.“
Ab etwa 17 Uhr nahmen Betrieb und Hektik am Filmset zu. Oldtimer wurden von Transportern abgeladen, mehr und mehr Kleinbusse mit dunkel gefärbten Scheiben signalisierten den Fans, dass die Stars im Anmarsch sein mussten. Gereizter zeigten sich nun auch die Sicherheitsleute, Passanten mit umgehängten Kameras ernteten ernste Blicke.
Bevor Quentin Tarantino jedoch am Abend Feuer frei gegen konnte, musste die Filmcrew Flammen friedlicher Art den Vortritt lassen. Um 18 Uhr begann der traditionelle Laternenumzug in der Nauener Altstadt, passierte kurz darauf den Drehort. Zwar hatte sich die Potsdamer Produktionsfirma noch um eine Verlegung des Umzuges bemüht, war aber bei den Organisatoren auf Granit gestoßen. „Die Filmfirma hat angeboten, uns bei der Werbung für den Ausweichtermin zu unterstützen“, erklärte Organisator Frank Richter. „Aber wir hatten bereits den Fanfarenzug mit über 100 Personen gebucht. Eine Verlegung wäre nicht in Frage gekommen.“
Ein Erfolgserlebnis feierten vier Frauen gegen 20 Uhr. „Wir haben Til Schweiger beim Kaffetrinken entdeckt“, meinte Michaela Krüger. Ihre Mutter Sini ergänzte: „Den haben wir durch ein Schaufenster in einem Hinterhof erspäht.“ Tatsächlich gönnte sich der Schauspieler in glänzenden Lederstiefeln und Reiterhosen eine Kaffeepause an der frischen Luft. „Jetzt fehlen nur noch Tarantino und Brad Pitt. Mit denen würden wir gerne mal reden“, meinten Mutter und Tochter unisono.
Bis in die kommende Nacht sollen die Dreharbeiten in Nauen weitergehen. Wenn die Filmstars abgereist sind und der Trubel vorüber ist, steht für einige Handwerker eine undankbare Aufgabe an. Sie müssen das Haus in den Originalzustand zurückversetzen. „Die Produktionsgesellschaft hatte den Antrag zur Nutzung bei der Denkmalschutzbehörde am 10. September gestellt“, sagte Kreissprecherin Stephanie Reisinger. „Vereinbart wurde, dass Veränderungen am Gebäude erlaubt sind – wenn wieder zurückgebaut wird.“ Danach werden die Nauener wieder durch eine havelländische Gasse schlendern können. (Von Tim Tolsdorff)