KARLSRUHE - Die Bundesanwaltschaft weist Vorwürfe zurück, sie habe in den 70er und 80er Jahren Beweise in RAF-Verfahren manipuliert. „Eine derartige Unterstellung trifft jeden Staatsanwalt ins Mark“, sagte gestern Rainer Griesbaum, Leiter der Terrorismusabteilung, auf der Jahrespressekonferenz der Behörde. „Wir sind darüber entsetzt, entrüstet und empört.“
Griesbaum bezog sich auf das jüngst veröffentlichte Buch „Der zweite Tod meines Vaters“ von Michael Buback. Der Autor – Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Chemieprofessor in Göttingen – ist davon überzeugt, dass das ehemalige RAF-Mitglied Verena Becker von den Ermittlungsbehörden gedeckt wurde, obwohl sie es gewesen sei, die seinen Vater erschossen hatte. Buback bezieht sich unter anderem auf Zeugen, die den Sozius auf dem Tatmotorrad als „zierliche Person“ beschrieben hatten. Anfänglich wurde wegen des Mordes auch nach Becker gefahndet, angeklagt wurden dann aber Christian Klar, Knut Folkerts und Günter Sonnenberg. Als Grund für die Deckung vermutet Buback, dass Becker damals mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet habe. Tatsächlich hat Becker ab 1981, also vier Jahre nach der Tat, zeitweise mit dem Verfassungsschutz kooperiert. In diesem Rahmen hat sie den Ex-RAFler Stefan Wiesniewski als Buback-Mörder angegeben. Die damaligen Aussagen Beckers hat Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) jedoch aus Gründen des Quellenschutzes für die gerichtliche Verwendung gesperrt.
Erstmals, so berichtete Griesbaum am Freitag, hat nun das Bundesamt für Verfassungsschutz offiziell erklärt, dass es bis 1981 keine Zusammenarbeit mit Becker gab. Der Verzicht auf eine Anklage wegen des Buback-Attentats könne also keine Gegenleistung für Spitzeldienste gewesen sein, folgerte der Bundesanwalt. Inzwischen, so berichtete er weiter, konnten zwei Bundesanwälte sogar die gesperrten Verfassungsschutz-Unterlagen einsehen und sich dabei überzeugen, dass sie keine zusätzlichen Erkenntnisse enthalten.
Das vor einigen Monaten eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen Becker wird aber noch nicht eingestellt. Die kriminaltechnischen Untersuchungen alter Spuren seien noch nicht abgeschlossen, sagte Griesbaum. Bisher sprachen jedoch alle Prüfungen gegen eine Anwesenheit Beckers am Tatort. (Von Christian Rath)

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