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08.01.2009

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NICHTRAUCHERSCHUTZ: Traurig sind die Tresenbrüder

Viele Wirte haben sich mit dem Rauchverbot arrangiert / Kleinen Kneipen half das Verfassungsgericht

HAVELLAND - Anfang 2008 trat in Brandenburg das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft. Seit dem 1. Juli müssen Wirte mit Strafen rechnen, wenn sie dagegen verstoßen. Die befürchtete Pleitewelle im Gaststättengewerbe blieb aus. Trotzdem ziehen die meisten Wirte im Havelland nach einem halben Jahr „rauchfrei“ eine durchwachsene Bilanz.

Christiane Gstaltmayr betreibt in Brieselang die Gaststätte „Erster Siedler“. „Bereits vor dem Rauchverbot hatten wir im Restaurant einen Nichtraucherbereich“, sagt sie. „Traurig sind aber die Tresenbrüder, die ihr Bier mit einer Zigarette genossen haben.“ Deren Wegbleiben habe Anfang des Jahres 2008 zu Einbußen geführt. Um der rauchenden Kundschaft etwas zu bieten, hat Gstaltmayr investiert – in ihre Terrasse. „Dort habe ich eine Markise und einen Windschutz angebracht, dazu gibt es neue Stühle, Decken und Kunstrasen“, sagt sie. Um dass Raucherparadies klimafreundlich zu gestalten, habe sie sogar einen Infrarot-Heizstrahler statt eines Gasschirms angeschafft. „In der Raucherterrasse steckt der Wert eines Neuwagens“, sagt Christiane Gstaltmayr.

Auch Nico Ringel zieht eine negative Bilanz des Rauchverbots. Zwar räumt der Inhaber des „Kastanienhofs“ in Elstal ein, dass es nicht so schlimm gekommen sei, wie er befürchtet habe. Aber: „Von denen, die ich als Raucher kenne, sind die meisten nicht mehr da“, sagt er. „Skat-Abende finden keine Resonanz mehr.“

Keine Probleme bereitet das Rauchverbot dagegen den Betreibern der Gaststätte „Am Markt“ in Ketzin. Hier stand bis Ende 2008 Dietmar Herzog hinter dem Tresen, zum neuen Jahr übergab er das Geschäft an seine Nichte. „Da wir unsere reinen Thekenkunden mit der Einführung des Euro bereits verloren haben, konnten wir uns voll und ganz als Speisegaststätte etablieren. Uns schadet das Rauchverbot nicht“, so Herzog. „Die Gäste freuen sich über die Atmosphäre.“

Zuständig für die Kontrolle der Gaststätten in Falkensee ist das Ordnungsamt. „Nur einmal mussten wir mit einer Imbissbetreiberin reden“, berichtet Cornelia Simon vom Ordnungsamt. „Ein Gast hatte Anzeige erstattet. Das regelten wir ohne Ordnungsgeld.“

Bei Cornelia Simon liegt auch die Liste der Kneipen in Falkensee, in denen seit August 2008 wieder geraucht werden darf. Das Bundesverfassungsgericht gestattete Glimmstengel in Einraumkneipen, die kleiner als 75 Quadratmetern sind und keine Speisen servieren. Eine solche Sondergenehmigung gilt für das Bistro Phönix am Bahnhof Falkensee. Laut Inhaber Andreas Karnowski hat das Urteil die Kneipe gerettet. „Zu mir kommen die Leute, um zu rauchen und zu trinken. Durch das Verbot verlor ich die Hälfte meiner Gäste“, sagt er. Die seien zwar wiedergekommen, aber das Verbot diskriminiere die Raucher. Kurios: Regelmäßig besuche ein Nichtraucher die Kneipe. „Der hat früher geraucht, will aber nicht wieder anfangen“, berichtet Karnowski. „Um wenigstens den Duft zu schnuppern, ist er regelmäßig hier.“ (Von Tim Tolsdorff)


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