Heute ist es endlich soweit: Eine Jury aus Politikern, Sachverständigen und Architekten wählt den Siegerentwurf für den Parlamentsneubau am Alten Markt. Die Germanistikstudentin Annalena hat sich ihr abschließendes Urteil bereits gebildet: „Einen steril und unerbittlich entfremdet wirkenden Neubau am Alten Markt hat Potsdam nicht verdient“ sagt sie.
Annalena liegt damit im Trend: Laut einer repräsentativen Umfrage von Infratest-Dimap, wünschen sich 68 Prozent der Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren, dass der Landtag als historisches Stadtschloss wiederhergestellt wird. Auch der Landschaftsarchitektur-Student Moritz wünscht sich, dass das historische Vorbild eins zu eins umgesetzt wird: „Mit pseudo-modernen Zutaten würde eine monströse Eintönigkeit geschaffen, die für uns und kommende Generationen unerträglich sein wird.“
Die Schülerin Lilija macht sich darüber hinaus Sorgen um die Innenarchitektur des neuen Landtags: „Das neue Stadtschloss wäre ein Monument der Ängstlichkeit, wenn man sich komplett von seiner prachtvollen Innenausstattung verabschiedet“, sagt sie. Ähnlich sieht es die Potsdamerin Anne: „All die herrlichen Feste und Konzerte werden in Potsdams einstigem schönsten Zimmer bestimmt keinen Platz mehr finden, wenn nur die historische Fassade originalgetreu rekonstruiert würde.“
Marie hofft indes, dass das Treppenhaus, mit „seinem wunderschönen Deckengemälde“ doch noch verwirklicht wird. „Damit hätte der Neubau wenigstens einen Raum, der die einstige Schönheit im Inneren erahnen lässt“, sagt die Grafikdesign-Studentin. Zudem seien ihrer Meinung nach die Fragmente so gut erhalten geblieben, dass sie leicht wieder rekonstruiert werden könnten. „Das Wichtigste für mich ist aber der originalgetreue Innenhof“, betont die Potsdamerin und fügt hinzu: „Schließlich gibt es sonst keinen Raum, der die Abgeordneten und die Bürger miteinander verbindet, wie es über Jahrhunderte hinweg im Innenhof möglich war.“
Marie, die Grafik-Designstudentin, zieht ein erstes Resümee: „Zu einem faulen Kompromiss darf es bei der heutigen Entscheidung um den Neubau des Landtags jedenfalls nicht kommen, sonst hätte das Stadtschloss seinen Namen nicht verdient“, sagt die Potsdamerin. Moritz sieht das ähnlich: „Das Schloss war in der Geschichte für jeden zugänglich. Das sollten die Bauherren berücksichtigen.“ (Von Jan Ludwig und Diana Teschler)