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30.01.2009

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UNTERNEHMER: „Mutmacher“ schließt Vorzeigefirma

Carport-Hersteller Dacapo ist verkauft, der Gründer abgetaucht

POTSDAM - Er war der Liebling der Wirtschaftsförderer. Mit ganzen 20 Jahren gründete Oliver Enderlein 2004 das Unternehmen Dacapo in Herzfelde (Märkisch-Oderland), das auf die Produktion von Unterständen für Autos, sogenannte Carports, nach Kundenwünschen spezialisiert war. Mit bis zu 65 Beschäftigten baute Enderlein, der als Schüler begonnen hatte, solche Carports zu zimmern, Dacapo zum nach eigenen Angaben größten deutschen Spezialisten aus. Das kam an – etliche Auszeichnungen und Preise heimste der Jungunternehmer ein, vom „Oskar für den Mittelstand“ über den „Mutmacher der Nation“ bis zum „Gründerchampion“. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) lobte im Februar 2007 beim Firmenbesuch, „von solchen Unternehmern könnten wir noch mehr im Land gebrauchen“.

Doch spätestens seit Beginn des Jahres scheint der Überflieger entzaubert. Dacapo ist dicht, die Beschäftigten wurden offenbar entlassen und die Firmenhülle an einen neuen Geschäftsführer übertragen. „Wir sind völlig verblüfft“, meint der Geschäftsführer der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB), Detlef Stronk. Das Unternehmen habe zu den „Hoffnungsträgern mit guten Marktaussichten“ gehört. „Das ist extrem schade, schon allein wegen der Arbeitsplätze“, so André Schaller (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Rüdersdorf, zu der Herzfelde zählt. „Sehr bedauerlich, wo das Unternehmen ein so hohes Ansehen hatte und auch ausgebildet hat“, findet die Fraktionschefin der Linken in Brandenburg, Kerstin Kaiser, zu deren Wahlkreis Herzfelde gehört.

Die Umstände des Endes von Dacapo sind merkwürdig. Bei Anrufen auf der Bestellhotline des Unternehmens wird man auf eine Adresse im österreichischen Klagenfurt verwiesen, wo es aber nur einen Briefkasten gibt. Enderlein selbst blieb für die MAZ auf zahlreichen früher verfügbaren Telefonnummern unerreichbar. Die Nummern wurden offenbar abgemeldet. Kunden, die vergeblich auf einen schon bezahlten Carport warten, haben sich bereits bei der Rüdersdorfer Stadtverwaltung gemeldet.

Mitte 2008 habe er mit Enderlein und einem anderen Partner ein Dreier-Unternehmen gründen wollen, erzählt der Gesellschafter der ebenfalls auf Carports spezialisierten Carport-Union in Strausberg (Märkisch-Oderland), Carsten Schütt, der früher Betriebsleiter bei Dacapo war. Dabei habe sich aber gezeigt, dass die Firma „vor der Zahlungsunfähigkeit stand“. Enderlein habe ihn später „vor die Tür gesetzt“, so Schütt.

Laut Gerüchten soll Enderlein Mitarbeiter mit weitgehenden Rechten ausgestattet haben, die dann Privatentnahmen aus dem Firmenvermögen getätigt hätten. Daraufhin hätten Banken die Kredite strichen. Das Potsdamer Wirtschaftsministerium verweist auf Nachfrage an die brandenburgische Investitionsbank, die der Sache nachgehe. (Von Gerald Dietz)

Zweimal flossen Fördergelder:
Nach Angaben der brandenburgischen Investitionsbank (ILB) sind für die Gründung und den Ausbau von Dacapo in Herzfelde (Märkisch-Oderland) auch Fördermittel geflossen. Die Rede ist von kleineren Beträgen im Rahmen von zwei Programmen. Nach MAZ-Informationen summieren sich die Gelder auf eine kleinere sechstellige Summe.

An den Hersteller von Auto-Unterständen flossen zum einen Gelder im Rahmen des Markterschließungsprogramms zur Produkteinführung. Für diese Gelder bestand laut ILB keine Arbeitsplatzbindung.

Darüber hinaus ging an Dacapo aber noch eine zweite Förderung, mit der die zugesicherte Schaffung von vier Arbeitsplätzen verbunden war. Für diese Jobs sind die Bindungsfristen laut ILB noch nicht abgelaufen. Über den Verkauf des Unternehmens sei man bislang auch nicht informiert worden. Die ILB will der Angelegenheit nun nachgehen.

Das technische Herzstück des Unternehmens, ein Industrieroboter, der die benötigten Holzteile individuell nach den Wünschen des Kunden und den Besonderheiten des Grundstücks zusägt, wurde nach MAZ-Informationen bereits verkauft. gd


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