
MAZ: Lange nichts mehr von Ihnen gehört, Herr Raab! Macht der Komponist und Produzent Stefan Raab derzeit nur noch Fernsehen oder haben Sie sich mal wieder ein neues Pseudonym ausgedacht?
Stefan Raab: Ich arbeite ja auch inkognito – als „undercover Agent“ der Musikbranche, sozusagen. Für meine Sendung habe ich etliche Musiken geschrieben oder die Titelmusik zu „Schlag den Raab“. Auch für den letzten Film von Michael „Bully“ Herbig habe ich den Soundtrack gemacht. Aber etwas weniger ist es schon geworden, weil das Fernsehen tatsächlich viel Zeit braucht. Aber wenn ich eine gute Musik-Idee habe, mache ich auf jeden Fall was draus.
Wie darf man sich das vorstellen? Summen Sie zwischen Mittagssitzung und TV-Total-Aufzeichnung was ins Diktiergerät und lassen es dann zu Ende arrangieren?
Raab: Nein, ich gehöre sozusagen zu den all-inclusive-Komponisten. Ich schreibe die Songs, arrangiere, spiele sie mitunter auch noch allein ein und mische sie ab. Das einzige, was ich nicht mache, ist, die CDs in die Hüllen zu stecken und im Laden in die Regale zu legen. Meistens komme ich abends oder am Wochenende nach Hause und setze mich ins Studio. Nachts arbeitet es sich da übrigens am besten, da ruft keiner an oder nervt sonstwie rum.
Warum machen Sie alles alleine? Weil Sie gern alles in der Hand haben?
Raab: Erstens muss man dann mit niemandem diskutieren. Zweitens geht es schneller. Und drittens weiß ich am Ende ziemlich genau, wer Schuld ist, wenn es nicht so einschlägt. Und wenn es richtig gut ankommt, weiß ich auch, dass ich allein Schuld bin...
Ist Musikmachen für Sie Pflicht oder Vergnügen? Nach dem Motto: Stöhn, ich muss die Titelmusik noch fertigmachen....
Raab: Für mich ist das eindeutig Vergnügen. Und bei Sendungen, bei denen ich voll mit drin hänge, ist mir die Musik auch so wichtig, dass ich sie gern selbst mache.
Was genau geistert Ihnen da im Kopf rum, wenn Sie sich zum Komponieren hinsetzen?
Raab: Das ist schwer zu beschreiben. Manchmal summe ich mir eine Melodie aufs Diktiergerät, die ich dann später ausfeilen will. Bei anderen Songs kommen die Ideen einfach beim Machen. Da stelle ich mich mit der Gitarre oder mit dem Keyboard ins Studio und probiere, was mir so einfällt. Andere Instrumente spiele ich dann hinterher nach der gleichen Methode dazu. Im Kopf kann ich das zumindest nicht arrangieren. In der Musik unterscheidet sich die Theorie mitunter dramatisch von der Praxis. Da verlasse ich mich lieber auf meine Ohren. Aber ich setze mich auch so einfach mal hin und spiele irgendwas, was mir gerade einfällt. Musik ist so eine Art Sucht, von der man nicht loskommt und eine der wenigen Süchte, von denen man glücklicherweise auch gar nicht loskommen muss.
Deshalb machen Sie auch den Bundesvision Song Contest?
Raab: Ganz genau. Weil ich da eine Musikvielfalt präsentieren kann, wie sie sonst im deutschen Fernsehen einfach nicht vorkommt. Musik ist bei uns immer irgendwie vorsortiert: als Volksmusik oder nach irgendwelchen Chart-Kategorien. Beim Song Contest können die Bands von Punk bis Heavy Metal, von Soul bis Hiphop, von Elektro Pop bis regional gefärbten Liedermacher-Stücken alles machen. Das macht einen Heidenspaß!
Eine wunderbare Vielfalt, zugegeben. Aber ist es fair, Hardrocker mit Liedermachern um die Wette spielen zu lassen? Und dann auch noch musikalische Stars wie Peter Fox und Polarkreis 18 gegen absolute Beginner?
Raab: Das ist die Mischung, die das Ganze spannend macht und die den Künstlern auch hilft. Wenn wir nur Stars nehmen, ist es langweilig. Mit dieser Mischung werden die alten Hasen sozusagen zu Zugpferden für die jungen Hüpfer - ein Wortspiel, über das man mal in Ruhe nachdenken sollte... Fair ist im Leben sowieso nix. Ist es fair, dass Bayern München sich die ganzen teuren Spieler kaufen kann und Energie Cottbus nicht? Und in der Musik kann man sich auch kein Anrecht auf Erfolg durch besonders hartes Üben oder ähnliches erwerben. „Subway to Sally", die im letzten Jahr gewonnen und den Contest nach Potsdam geholt haben, sind ja auch keine Mainstream-Band. Ich glaube, das ist eine ganz furchtbar fruchtbare Mischung. Wir wollen einfach eine Alternative zu allem sein, was sonst so im Fernsehen läuft.
Die „Vorläufer"-Sendung zum Bundesvision Song Contest, der Eurovision Song Contest, geht ja noch einen Schritt weiter und sucht den europäischen Super-Song. Was bleibt eigentlich von Musik übrig, wenn man auf einen so breiten Massengeschmack hinarbeitet?
Raab: Ach, ich will das gar nicht abqualifizieren. Es gibt schon Musik, die von Wladiwostok bis Tunis funktioniert und gehört wird. Weichgespülter Pop - mit den Pet Shop Boys wird man die wenigsten Leute verprellen. Da schalte ich auch nicht weg, wenn die im Radio kommen. Es stört halt nicht.
Kein sehr schmeichelhafter Anspruch für einen Musiker, Musik zu machen, die möglichst wenig stört. Warum ist es so schwer, Interesse für außergewöhnliche Musik zu wecken?
Raab: Die meisten Verantwortlichen scheuen Extreme, weil sie Angst haben, dass ihnen die Zuschauer wegschalten. Da erlauben wir uns beim Song Contest einfach mal den Luxus, eine Sendung mit Überraschungen anzurichten. Wir wissen natürlich auch, dass die Leute bei Musik im Fernsehen wegschalten. Das ist tatsächlich so und lässt sich auch nachweisen. Interessanterweise schalten die Leute bei nahezu jeder Art von Musik weg, ganz egal, ob Robbie Williams oder die Kastelruter Spatzen. Ich will mich da aber nicht zum Sklaven der Quote machen und lasse bei TV Total auch mal Leute auftreten, die nur ich gut finde.
Gibt es Grenzen, jenseits derer Musik dann vielleicht doch nicht mehr in den Bundesvision Song Contest passt?
Raab: Grundsätzlich sind wir immer für alles offen. Wir hatten auch die Randfichten schon dabei. Ich selbst bin schon im Musikanten-Stadl aufgetreten. Ich habe da keine Berührungsängste. Ich sage mir immer: Leute, die Musik machen, schießen nicht. Soll heißen, es gibt wirklich Schlimmeres als Menschen, die es musikalisch gut gemeint haben und nicht besser können. Wir haben beim Song Contest jedenfalls den Mut, Vielfalt anzubieten und wurden dafür auch mit guten Quoten belohnt. Wenn man alles genauso macht wie die anderen, ist man ja völlig austauschbar.
Eine Regel beim Contest ist, dass die Songs zumindest teilweise auf deutsch sein sollen. Ist das der Versuch, in der Praxis das hinzukriegen, worüber der Kulturausschuss im Bundestag immer redet?
Raab: Also, von Reglementierungen halte ich gar nichts. Quoten für deutschsprachige Musik sind Unfug, weil die Leute eh das hören, wozu sie Lust haben. Wir wollten uns einfach nur unterscheiden vom Eurovision Song Contest und fanden es außerdem auch irgendwie logisch, dass ein Wettbewerb zwischen den Bundesländern auf deutsch ausgetragen wird.
Sie arbeiten viel mit dem Potsdamer Bürger Lars Dietrich zusammen, letztes Jahr hat Subway to Sally gewonnen, dieses Jahr ist der Contest in Potsdam: Warum machen Sie nicht einfach eine dauerhafte Institution daraus, den Contest in Potsdam stattfinden zu lassen?
Raab: (lacht) Schön ausgedacht! Das hättet ihr wohl gern! Wenn Sven van Thom in diesem Jahr gewinnt, stehen die Chancen gut, dass wir im nächsten Jahr wieder da sind. Ein bisschen was dafür tun müsst ihr schon...
Das Musiker-Leben des Stefan Raab
info Bundesvision Song Contest, Freitag, 13. Februar, 20.15 Uhr , live auf Pro Sieben
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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