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14.02.2009

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KONJUNKTUR: Ein historischer Absturz

Deutschland steckt in der tiefsten Rezession seit 1949

POTSDAM - Seit gestern ist es amtlich: Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal um 2,1 Prozent geschrumpft und damit noch etwas stärker als die Statistiker vor einem Monat mit ihrer Schätzung von „minus 1,5 bis 2,0 Prozent“ erwartet hatten. „Das war der größte Rückgang gegenüber einem Vorquartal im wiedervereinigten Deutschland“, teilte das Statistische Bundesamt gestern in einer „Schnellmeldung“ mit. Die ausführlichen Ergebnisse sollen am 25. Februar bekanntgegeben werden.

Schon jetzt können die Statistiker aber sagen, dass vor allem die Investitionszurückhaltung von Unternehmen sowie der schwächelnde Export, der stärker zurückgegangen ist als die Einfuhren, zu dem schlechten Ergebnis beigetragen haben. Deutliches Zeichen für den Wirtschaftsabschwung ist der Hinweis, dass es „im vierten Quartal zu einer deutlichen Erhöhung der Lagerbestände“ kam. Überhaupt gab es nur von Januar bis März des Vorjahres überhaupt ein Wachstum. Seit dem zweiten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Wert aller im Land hergestellten Waren und Dienstleistungen, um satte 3,1 Prozent gesunken und damit „so stark wie in keiner Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik“, hat die Allianz-Gruppe ausgerechnet

Aber nicht nur Deutschland, ganz Europa steckt in der Krise. Andere große Volkswirtschaften wie Frankreich (minus 1,2 Prozent) und Italien (minus 1,8 Prozent) sind davon ebenso betroffen wie kleinere Länder wie Portugal (minus 2,0 Prozent) oder Estland (minus 9,4 Prozent). Die Euro-Zone verbucht ein Minus von 1,5 Prozent – an dem das Schwergewicht Deutschland aber großen Anteil hat.

Die führenden Ökonomen des Landes streiten, wann es wieder aufwärts geht. Der scheidende Chef des Sachverständigenrates, Bert Rürup, sagt, „wir werden frühestens im zweiten Halbjahr wieder Wachstums sehen“. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sieht „einen gewaltigen Berg“, den es zu überwinden gelte, um aus dem Rezessions-Tal herauszukommen. Aber auch er glaubt, zu Jahresmitte könnte der Tiefpunkt überwunden sein. Eine Meinung, die der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, nicht teilt: „ Die Leute, die sagen, im Sommer geht es wieder aufwärts, das ist Blödsinn.“

Vorhersage? Hoffnung? Unfug? Der Chef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Christoph Schmidt, weiß es auch nicht – und gibt das auch zu: „Die Rezession braucht ihre Zeit. Wir wissen nicht, wann der Aufschwung kommt“, sagt er lapidar.

Die Nachrichten von den großen deutschen Konzernen stimmen weiterhin alles andere als zuversichtlich. Siemens hat am Donnerstagabend 7400 Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt, darunter auch an Osram-Standorten, und schloss gestern weitere Sparmaßnahmen nicht aus. Die Lufthansa-Frachtsparte Cargo lässt 2600 Beschäftigte 20 Prozent weniger arbeiten. Und bei Thyssen-Krupp wird wegen eines Gewinneinbruchs zum Jahresende jetzt sogar über Entlassungen nachgedacht. Und beim Mittelstand sieht es kaum besser aus. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform sieht einer Umfrage zufolge die Stimmung dort so „pessimistisch wie seit fast Jahren nicht“ mehr.

Der Volkswirt Alexander Koch von Unicredit sagte der Nachrichtenagentur dpa, da kündige sich „bereits ein weiterer hässlicher BIP-Bericht für das erste Quartal an“. (Von Andreas Streim)


Arbeitslosigkeit steigt

  • Zur Bundestagswahl im September wird es nach Ansicht von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn 500.000 bis 700.000 Arbeitslose mehr geben als im Vorjahr.
  • Im Jahresdurchschnitt geht sein Kollege Christoph Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut von einem Anstieg um 600 000 aus.
  • Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet angesichts der Konjunkturkrise und steigender Kurzarbeit ein Defizit von 10,9 Milliarden Euro in diesem Jahr. Dieses werde aber aus den Rücklagen getragen, teilte die BA gestern mit. ast

 



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