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17.03.2009

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VERKAUFSVERBOTE: Schießen als Geschäft

Mit Waffen lässt sich real und virtuell viel Geld verdienen

Gewaltspiele für den Computer verkaufen sich gut. Nach dem Amoklauf wird wieder über Verbote geredet

POTSDAM - „Far Cry 2“ heißt das Spiel, das Tim K., der Amokläufer von Winnenden, noch am Vorabend der Tat gespielt haben soll. Das Spiel ist ein sogenannter Ego-Shooter, bei dem der Spieler in die Rolle eines schwerbewaffneten Kämpfers schlüpft. „Stürze dich mit deiner MG kopfüber in den Kampf, schlage mit der Machete eine Schneise der Verwüstung, töte lautlos mit dem Scharfschützengewehr“, heißt es in einer Werbung des Herstellers Ubisoft.

Während Politiker wie CSU-Chef Horst Seehofer ein Verbot von sogenannten „Killerspielen“ fordern, wehrt sich die Branche gegen die Vorwürfe. „Ein Verbot wäre unsinnig. Das verhindert keinen einzigen Amoklauf“, sagt Stephan Reichart, Geschäftsführer des Bundesverbands Games. Gewalt habe Jugendliche schon immer fasziniert. „Das ist ähnlich wie damals mit den Rambo-Filmen“, erklärt er. Sicher würden Killerspiele wie „Far Cry 2“ gut verkauft, räumt er ein. Rund 100 000 legalen Verkäufen stünden zudem noch eine etwa dreifache Zahl von illegalen Kopien gegenüber. Aber hier sei die Umwelt der Jugendlichen gefordert, insbesondere die Eltern. So sei „Far Cry 2“ wie viele andere dieser Spiele erst ab 18 Jahren freigegeben, der Täter von Winnenden hätte das Spiel gar nicht auf seinem PC haben dürfen.

Die Masse der Computerspieler mache aber ohnehin einen Bogen um Killerspiele, so Reichart. Das betont auch der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware. 2008 wurden dem Verband zufolge rund 56 Millionen Computerspiele verkauft, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Davon waren aber 53 Prozent ohne jede Altersbeschränkung, nur neun Prozent waren nur für Erwachsene zugelassen. Der Umsatz mit Computerspielen stieg um 14 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Computerspiele seien längst ein fester Bestandteil der Jugendkultur, freut sich der Verband, der Wachstumstrend halte schon seit fünf Jahren an. Einer Jugendstudie zufolge verbringen Neuntklässler etwa 140 Minuten täglich mit Computerspielen.

„Far Cry 2“-Hersteller Ubisoft wollte sich auf MAZ-Anfrage übrigens nicht äußern. (Von Ulrich Nettelstroth)


Waffenproduzenten sorgen sich kaum vor schärferen Gesetzen, denn die meiste Ware geht in den Export

POTSDAM - Auf der Nürnberger Waffenmesse IWA, die zu den weltweit führenden Messen für Schusswaffen gehört, war der Amoklauf von Winnenden am Wochenende kaum ein Thema. Eine weitere Verschärfung der Waffengesetze könnte für die Hersteller allenfalls zu leichten Einbußen führen, berichtet Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbands der Hersteller von Jagd-, Sportwaffen und Munition. Als 2003 der Besitz von Gas- und Signalwaffen erschwert wurde, habe es in diesem Segment einen Rückgang gegeben.
Die deutschen Waffenhersteller produzieren jedoch vor allem für den Weltmarkt. 2008 wurden in Deutschland Jagd- und Sportwaffen für 275 Millionen Euro gefertigt. Von ihnen wurden 235 Millionen Euro im Ausland erlöst. Die Produktion stieg um 2,5 Prozent, der Export sogar um 9,4 Prozent. Insgesamt wurden 2007 359000 Pistolen und 60000 Gewehre produziert.

Die Folgen der Finanzkrise ließen sich derzeit noch nicht abschätzen, so Gotzen. Absehbar sei bisher nur, dass es auf den osteuropäischen Märkten, die in den vergangenen Jahren stark zugelegt hätten, zu einem deutlichen Rückgang kommen werde. Weil die Landeswährungen gegenüber dem Euro stark an Wert verloren hätten, seien die deutschen Produkte dort nun zu teuer geworden.

Die großen Waffenproduzenten sitzen im Westen Deutschlands, wie etwa der Branchenführer Heckler & Koch, der auch die Standardwaffen für Militär und Polizei produziert. Das Unternehmen wollte sich auf MAZ-Anfrage nicht äußern.

Siegmund Mittag aus Luckenwalde (Teltow-Fläming), einer der letzten verbliebenen handwerklichen Büchsenmacher in Deutschland, befürchtet durch schärfere Waffengesetze kaum einen Rückgang bei den Aufträgen. „Meine Kunden sind überwiegend Jäger", sagt er.

Meist repariert Mittag beschädigte Jagdflinten. Gelegentlich fertigt er aber auch Einzelstücke auf Bestellung. Während eine gebrauchte Flinte zum Entenschießen schon für 300 Euro über den Ladentisch gehen kann, verlangt der Büchsenmacher für eine neue bis zu 6000 Euro. (Von Ulrich Nettelstroth)



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