Radfahrer, die die Straße Am Neuen Garten passieren müssen, können aufatmen. Stadtverwaltung und Schlösserstiftung haben sich auf einen Kompromiss geeinigt, wie der für Radler kreuzgefährliche Abschnitt vom Treffpunkt Freizeit bis zur Alleestraße entschärft werden kann.
Demnach führt der Radweg von der Gotischen Bibliothek bis zum Treffpunkt auf städtischem Grund, dort schwenkt er dann auf das Gelände der Stiftung und wird jenseits der roten Ziegelmauer des Neuen Gartens bis zu dessen Haupteingang verlaufen. Im zweiten Halbjahr 2009 schreibe man den Bauauftrag aus, sagte Martina Woiwode vom Bereich Straßenplanung und Entwurf der Stadt am Mittwochabend vor Journalisten. Voraussichtlich im März 2010 könnte die Übergabe erfolgen. Zunächst sei das aber ein Provisorium; auf lange Sicht suchen Stiftung und Stadt nach einer Lösung, den Radweg sicher im Verkehrsraum zu führen – und zwar im kompletten Bereich von der Behlert- bis zur Alleestraße, beidseits. „Der gesamte Straßenzug wird verkehrsorganisatorisch untersucht“, so Woiwode. Dazu gebe es auch Gespräche mit Anwohnern und Anliegern. Als Lösungen wären Markierungen ebenso wie bauliche Veränderungen denkbar. So sei es beispielsweise nicht ausgeschlossen, dass angrenzende Grundstücksmauern weggenommen werden. „Die Mauer des Neuen Gartens wird aber ganz gewiss nicht abgerissen“, schränkte Woiwode ein.
Der Abschnitt von der Behlert- bis zur Alleestraße ist „eines der wichtigsten Projekte“ des Radverkehrskonzeptes, das die Verwaltung jetzt vorgelegt hat. Mit ihm verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz: Während im bereits vorliegenden Radwegekonzept erfasst ist, „wo ein Stück Radweg fehlt“, mache man sich jetzt grundsätzlich Gedanken, „was kann die Leute davon abhalten, mit dem Rad zu fahren?“, sagte Stadtplanungschef Andreas Goetzmann. So greift die Rad-Strategie den baulichen Zustand der Wege ebenso auf wie es ein neues Wegeleitsystem für Radler vorsieht, eine sinnvolle, sichere, staufreie Verkehrsführung zu gewährleisten oder Hindernisse der verschiedensten Art „wortwörtlich aus dem Weg zu räumen“, so Goetzmann. Es gehe um ein fahrradfreundliches Klima in der Stadt, wobei fahrradfreundlich nicht mit einem Freibrief zu verwechseln sei, sich als Radler über alle Verkehrsregeln hinwegsetzen zu können, schränkte Goetzmann ein. Müssen sich die Potsdamer innerhalb der Stadt für ein Verkehrsmittel entscheiden, so wählen sie in 20 Prozent der Fälle das Fahrrad. Im Vergleich mit anderen Kommunen ein beachtlicher Wert, sagte der Bereichsleiter Stadtentwicklung, Bernd Kahle. Der Schnitt in Brandenburg liegt bei 16, bundesweit sogar nur bei neun Prozent. Doch Potsdam will mehr: Bis 2012 sollen die Städter 27 Prozent ihrer Alltags-Wege mit dem Rad zurücklegen. Das entspräche dann dem Landesdurchschnitt der Niederlande, so Kahle. Genau darum gehe es bei der vorliegenden Rad-Strategie, so Goetzmann: Die Wege im Alltag – von der Wohnung zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen, ins Kino. Das Konzept beziehe sich nicht auf die touristische Radführung, sagte er.
Sieben solcher viel genutzter Alltags-Routen hat die Verwaltung nun zur Priorität 1 erklärt – allesamt zentrale Streckenführungen, radiale, die von den äußeren Stadtteilen durch die City führen, ebenso wie tangentiale, die um die Innenstadt einen Bogen schlagen und so Wohngebiete verbinden, erklärt Verkehrsplaner Axel Dörrie. Ein Beispiel dafür wäre die Route 1, die im Zirkelschlag Forststraße – Am Neuen Palais – Amundsenstraße die B1 und B2 miteinander verbindet. Neben Routen der Prioritäten 1 und 2 hat die Verwaltung einen Katalog von 209 so genannten Sofortmaßnahmen zusammengestellt. Hierbei handelt es sich um Veränderungen, „die an sich eine Winzigkeit sind, die es dem Radfahrer aber spürbar leichter machen“, so Goetzmann. So habe man in der Friedrich-Ebert- direkt an der Einmündung der Mittelstraße einen jener Sperr-Poller entfernt, die Autos und vor allem Lkw davon abhalten sollen, in den verkehrsberuhigten Bereich am Nauener Tor einzufahren. Den Poller hat ein Straßenmeister demontiert; das hat die Stadt keinen Cent gekostet. Der Gewinn an Verkehrssicherheit für die Radler indes ist erheblich, so Goetzmann. Im Gewusel von Straßenbahnhaltestelle, Fußgängern und Autos laufen sie nun nicht mehr Gefahr, gegen die Absperrung zu knallen.
Auch der Rückschnitt von Ästen und sonstigem Grün, das auf Radwege ragt, sei eine Sofortmaßnahme, nennt Woiwode ein weiteres Beispiel. 103 davon will die Stadt in diesem Jahr in Angriff nehmen, acht sind in laufende Projekte integriert, drei – siehe Poller – schon erledigt. 95 Sofortmaßnahmen passen 2009 nicht mehr ins Budget, sie werden auf 2010 verschoben. Mehr als eine Million Euro nimmt die Verwaltung in diesem Jahr für die Förderung des Alltags-Radelns in die Hand, davon 75 000 für Sofortprojekte und 310 000 für bauliche Investitionen. Der Restbetrag ist in den Kosten größerer Projekte enthalten, die den Radverkehr mit berühren, so Goetzmann. (Von Carsten Böttcher)
Vorhaben aus dem Radverkehrskonzept der Stadt