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27.03.2009

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VERKEHR: Über sieben Routen sollst du roll’n

Auf dem Weg zum radfahrfreundlichen Klima / Stadt räumt Radlern Hindernisse aus dem Weg / Konzept vorgestellt

Radfahrer, die die Straße Am Neuen Garten passieren müssen, können aufatmen. Stadtverwaltung und Schlösserstiftung haben sich auf einen Kompromiss geeinigt, wie der für Radler kreuzgefährliche Abschnitt vom Treffpunkt Freizeit bis zur Alleestraße entschärft werden kann.

Demnach führt der Radweg von der Gotischen Bibliothek bis zum Treffpunkt auf städtischem Grund, dort schwenkt er dann auf das Gelände der Stiftung und wird jenseits der roten Ziegelmauer des Neuen Gartens bis zu dessen Haupteingang verlaufen. Im zweiten Halbjahr 2009 schreibe man den Bauauftrag aus, sagte Martina Woiwode vom Bereich Straßenplanung und Entwurf der Stadt am Mittwochabend vor Journalisten. Voraussichtlich im März 2010 könnte die Übergabe erfolgen. Zunächst sei das aber ein Provisorium; auf lange Sicht suchen Stiftung und Stadt nach einer Lösung, den Radweg sicher im Verkehrsraum zu führen – und zwar im kompletten Bereich von der Behlert- bis zur Alleestraße, beidseits. „Der gesamte Straßenzug wird verkehrsorganisatorisch untersucht“, so Woiwode. Dazu gebe es auch Gespräche mit Anwohnern und Anliegern. Als Lösungen wären Markierungen ebenso wie bauliche Veränderungen denkbar. So sei es beispielsweise nicht ausgeschlossen, dass angrenzende Grundstücksmauern weggenommen werden. „Die Mauer des Neuen Gartens wird aber ganz gewiss nicht abgerissen“, schränkte Woiwode ein.

Der Abschnitt von der Behlert- bis zur Alleestraße ist „eines der wichtigsten Projekte“ des Radverkehrskonzeptes, das die Verwaltung jetzt vorgelegt hat. Mit ihm verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz: Während im bereits vorliegenden Radwegekonzept erfasst ist, „wo ein Stück Radweg fehlt“, mache man sich jetzt grundsätzlich Gedanken, „was kann die Leute davon abhalten, mit dem Rad zu fahren?“, sagte Stadtplanungschef Andreas Goetzmann. So greift die Rad-Strategie den baulichen Zustand der Wege ebenso auf wie es ein neues Wegeleitsystem für Radler vorsieht, eine sinnvolle, sichere, staufreie Verkehrsführung zu gewährleisten oder Hindernisse der verschiedensten Art „wortwörtlich aus dem Weg zu räumen“, so Goetzmann. Es gehe um ein fahrradfreundliches Klima in der Stadt, wobei fahrradfreundlich nicht mit einem Freibrief zu verwechseln sei, sich als Radler über alle Verkehrsregeln hinwegsetzen zu können, schränkte Goetzmann ein. Müssen sich die Potsdamer innerhalb der Stadt für ein Verkehrsmittel entscheiden, so wählen sie in 20 Prozent der Fälle das Fahrrad. Im Vergleich mit anderen Kommunen ein beachtlicher Wert, sagte der Bereichsleiter Stadtentwicklung, Bernd Kahle. Der Schnitt in Brandenburg liegt bei 16, bundesweit sogar nur bei neun Prozent. Doch Potsdam will mehr: Bis 2012 sollen die Städter 27 Prozent ihrer Alltags-Wege mit dem Rad zurücklegen. Das entspräche dann dem Landesdurchschnitt der Niederlande, so Kahle. Genau darum gehe es bei der vorliegenden Rad-Strategie, so Goetzmann: Die Wege im Alltag – von der Wohnung zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen, ins Kino. Das Konzept beziehe sich nicht auf die touristische Radführung, sagte er.

Sieben solcher viel genutzter Alltags-Routen hat die Verwaltung nun zur Priorität 1 erklärt – allesamt zentrale Streckenführungen, radiale, die von den äußeren Stadtteilen durch die City führen, ebenso wie tangentiale, die um die Innenstadt einen Bogen schlagen und so Wohngebiete verbinden, erklärt Verkehrsplaner Axel Dörrie. Ein Beispiel dafür wäre die Route 1, die im Zirkelschlag Forststraße – Am Neuen Palais – Amundsenstraße die B1 und B2 miteinander verbindet. Neben Routen der Prioritäten 1 und 2 hat die Verwaltung einen Katalog von 209 so genannten Sofortmaßnahmen zusammengestellt. Hierbei handelt es sich um Veränderungen, „die an sich eine Winzigkeit sind, die es dem Radfahrer aber spürbar leichter machen“, so Goetzmann. So habe man in der Friedrich-Ebert- direkt an der Einmündung der Mittelstraße einen jener Sperr-Poller entfernt, die Autos und vor allem Lkw davon abhalten sollen, in den verkehrsberuhigten Bereich am Nauener Tor einzufahren. Den Poller hat ein Straßenmeister demontiert; das hat die Stadt keinen Cent gekostet. Der Gewinn an Verkehrssicherheit für die Radler indes ist erheblich, so Goetzmann. Im Gewusel von Straßenbahnhaltestelle, Fußgängern und Autos laufen sie nun nicht mehr Gefahr, gegen die Absperrung zu knallen.

Auch der Rückschnitt von Ästen und sonstigem Grün, das auf Radwege ragt, sei eine Sofortmaßnahme, nennt Woiwode ein weiteres Beispiel. 103 davon will die Stadt in diesem Jahr in Angriff nehmen, acht sind in laufende Projekte integriert, drei – siehe Poller – schon erledigt. 95 Sofortmaßnahmen passen 2009 nicht mehr ins Budget, sie werden auf 2010 verschoben. Mehr als eine Million Euro nimmt die Verwaltung in diesem Jahr für die Förderung des Alltags-Radelns in die Hand, davon 75 000 für Sofortprojekte und 310 000 für bauliche Investitionen. Der Restbetrag ist in den Kosten größerer Projekte enthalten, die den Radverkehr mit berühren, so Goetzmann. (Von Carsten Böttcher)


Vorhaben aus dem Radverkehrskonzept der Stadt

  • Ein neues Wegeleitsystem speziell für Radler wird installiert. Die großen, etwa einen Meter breiten Hinweistafeln - weiß mit grüner Schrift - sollen die bekannten Vorwegweiser für Autos weithin sichtbar ergänzen. Die Schilder weisen auf Stadtteile und markante Gebäude hin, nicht auf touristische Routen; deren Piktogramme sind in die neuen Radwegweiser unten integriert.
  • Die Angebote für „Bike & Ride" werden erweitert, das heißt, es wird künftig mehr Möglichkeiten geben, mit dem Rad zu einem Bahnhof oder einer Haltestelle zu fahren und dort in Zug, Bus oder Bahn umzusteigen. Im zweiten Halbjahr erstellt die Stadt ein „Bike & Ride"-Konzept, das unter anderem erfasst, welche Punkte sich fürs Umsteigen eignen und welche Voraussetzungen - sichere, wettergeschützte Unterstellmöglichkeiten etwa - es dort noch braucht.
  • In diesem Zusammenhang wird auch über eine Art Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof und die Möglichkeiten, dieses mit einem Werkstatt-Service zu koppeln, nachgedacht.
  • „Mit dem Fahrrad in die Innenstadt" lautet der Titel einer neuen Serie von Faltblättern, auf denen die Stadt günstige Einfallrouten in Richtung City erläutert. Genannt werden zudem wichtige Einkaufsmöglichkeiten, Kultur- und Sportstätten, Bahnhöfe sowie Behörden, die an den Routen liegen. Gerade erschienen ist das Blatt „Aus dem Südosten" für Waldstadt, Stern, Drewitz, Kirchsteigfeld. Noch in diesem Jahr folgen die Informationen für den Norden und den Westen.
  • Die Stadt gibt zudem einen „Fahrradstadtplan Potsdam" heraus.
  • Eine „Fahrrad-Aktionswoche" veranstalten Stadt, ADFC und weitere Partner in der Zeit vom 19.bis zum 25. April.


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In diesem Forum gibt es 1 Eintrag

» Snowman | 27.03.2009, 09:02

Holländischer Straßenbelag  (0) 
Wenn hier schon Holland als Ziel für ein fahrradfreundliches Potsdam hernagezogen wird, dann sollte dabei nicht nur auf Quoten geachtet werden. Wer in Potsdam ist denn so verrückt und quält sich über das vermeintlich historische Kopfsteinpflaster?

Selbst stark gefederte Crossräder kommen hier kaum auf gerader Spur ans Ziel. Ein Poller weniger ist ja schön und gut. Doch viel wichtiger sind geteerte Streifen am Straßenrand (und nicht etwa auf dem Fußweg). Das muss oberstes Ziel für ein fahrradfreundliches Potsdam sein. Die 27 Prozent kommen dann sicher von ganz allein.

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