KRAMPFER - Über dem „Fürstentum Germania“ brauen sich dunkle Wolken zusammen. Seit der Gründung des skurrilen Phantasiestaats hatten sich rege Diskussionen in den öffentlichen Internetforen entsponnen. Darin wurden auch Stimmen laut, die sich kritisch mit den Ideen einiger Fürstentümler auseinander gesetzt haben. Jetzt gibt’s die erste Zensur.
In einem aktuellen Video auf der Homepage des Fürstentums erklärt „Informationsminister“ Jo Conrad, dass er und Jesse Marsson sich gezwungen sehen, härter durchzugreifen, weil kritische Diskussionen die gute Sache zu zerstören drohten. „Dies ist eine notwendige Entscheidung. Wir müssen die Not wenden, um zu schlichten.“ erklärt Conrad. Die negativen Kräfte, die am Werke seien, würden sich schon zu erkennen geben, fügt er salbungsvoll hinzu. Die unliebsamen Diskussionspartner schaltete Conrad letztlich aus, indem er die Links zu den Forenseiten kappte beziehungsweise sich davon distanzierte. Auf der Startseite heißt es. „Die drei Foren www.Forum.Fuerstentum-Germania.de, www.Milanstation.de/cgi-bin/yabb231/YaBB.pl und krampfer.nu-era.de (krampfer.yooco.de) sind keine amtlichen Foren des Fürstentums Germania.“
Gegenstand der mitunter heftig geführten Debatten war etwa die Germanische Neue Medizin, die von Anhängern des Fürstentums, insbesondere Volker Köhne propagiert wird (MAZ berichtete.) Ein Forenbesucher hatte etwa angeprangert, dass der Erfinder dieser Pseudomedizin krebskranke Menschen sterben ließ, weil er ihnen suggerierte, sie würden von allein gesund und bräuchten keine Chemotherapie. Desweiteren versuchte ein Jurist den „Bewohnern“ des Phantasiestaats genau auseinanderzulegen, weshalb ihre Theorie falsch sei, die Bundesrepublik gebe es aus rechtlichen Gründen gar nicht. Seine Exkurse in Sachen Staatsrecht fielen indes auf keinen fruchtbaren Boden. Nicht zuletzt spielte die Haltung der „Fürsten“ zum Holocaust eine Rolle. Dazu äußerte sich Jo Conrad: „Zum Thema Holocaust ist ja nur eine Ansicht erlaubt. Was soll ich dazu also sagen? Die Wahrheit einer Sache, die man nicht dem Zweifel aussetzen kann, ist nicht zu überprüfen. Ich weiß auch nicht, warum der Holocaust jetzt als Lackmustest dient. Ich finde alles durch Kriege, Vertreibung und Massenmorde verursachte Leid bedauerlich. Ist jetzt der Tod des Einen wichtiger als der Tod des Anderen?“ (dvd)