POTSDAM/ BERLIN - Der Vereinsname klingt noch biederer als die Abkürzung HDJ: „Heimattreue Deutsche Jugend - Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat". Doch die Personen, die in der 2001 gegründeten, bundesweit agierenden HDJ aktiv sind, besitzen alles andere als eine biedere Biografie. Etliche HDJ-Aktivisten stehen der rechtsextremen NPD nahe oder gehören ihr an. Und manche hatten schon eine führende Rolle in der neonationalsozialistischen Vereinigung Wiking-Jugend bekleidet, die als Imitation der Hitlerjugend 1994 vom damaligen Bundesinnenminister verboten worden war.
Letzter Chef der Wiking-Jugend, der sich offiziell Bundesführer nannte, war der Berliner Rechtsanwalt Wolfram Narath, der inzwischen in Birkenwerder bei Oranienburg (Oberhavel) wohnt. Narath ist inzwischen Aktivist der HDJ.
In der ideologischen Tradition der Hitlerjugend sowie der Wiking-Jugend steht auch der bis gestern der HDJ vorstehende Bundesführer Sebastian Räbiger. Vor dem Verbot der Wiking-Jugend 1994 leitete der 1975 geborene Räbiger den „Gau Sachsen". Bei der Durchsuchung von Räbigers Wohnung in Reichenwalde bei Storkow (Oder-Spree) wurde gestern eine Vereinskasse sichergestellt. Ziel des Vereinsverbots war nach Auskunft des Bundesinnenministeriums auch, die HDJ finanziell zu schwächen.
Innerhalb der rechtsextremen Szene offenbart die HDJ eine Nähe zur NPD - bei Räbiger schon rein räumlich. Sicherheitsexperten halten es nicht für einen Zufall, dass nur 200 Meter von Räbiger entfernt der brandenburgische NPD-Landesvorsitzende Klaus Beier wohnt.
Eklatant wird die Verbindung zwischen dem Verein und der Partei bei Jörg Hähnel. Der ehemalige rechtsextreme Volksliedsänger aus Frankfurt (Oder) ist inzwischen zum Berliner NPD-Landeschef avanciert. Auf Grund seiner Verbindungen zur HDJ wurde gestern auch Hähnels Wohnung in der Gemeinde Am Mellensee (Teltow-Fläming) durchsucht.
Nach Erkenntnissen des brandenburgischen Verfassungsschutzes betreibt die HDJ gezielte Kinderagitation im nationalsozialistischen Sinne. Zu dem „Gemeinschaftserlebnissen", die der Verein anbietet, zählen Ferien-Zeltlager, Wanderungen, Sonnenwendfeiern, so genannte Heldengedenken, Singen, Volkstanz und Sportveranstaltungen. In ihrer Postille „Funkenflug" druckt die HDJ auch eine Art Comic, mit dem rechtsextreme Ideologie verbreitet werden soll.
„Das Aus für die HDJ macht Schluss mit dem organisierten Versuch, Kinder und Jugendliche unter kulturellem Deckmantel mit dem Gift des Nationalsozialismus zu infizieren. Damit trifft es Rechtsextremisten an einer besonders empfindlichen Stelle", lobte Innenminister Schönbohm die Aktion von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU).
Nach Einschätzung der Extremismus-Expertin Andrea Nienhuisen vom Mobilen Beratungsteam Brandenburg sind „Kinder, die eine Erziehung wie bei der HDJ durchlaufen, später für die Zivilgesellschaft nicht mehr erreichbar". Die HDJ baue eine abgeschirmte Parallelgesellschaft auf. (Von Frank Schauka)
Vereinsverbot der HDJ wurde 2008 vorbereitet