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02.04.2009

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GESCHICHTE: Es sind noch viele Rosen zu ehren

DDR-Rockkonzert geht auf Tournee

POTSDAM - Wer weiß noch, dass die 70er Jahre in der DDR musikalisch manchmal denselben Horror kannten wie der Westen? Wer hat sie noch vor Augen, die Puhdys, wie sie in gelben Schlaghosen auf den X. Weltjugendfestspielen 1973 vor bunter Discokullisse röhren? Und wer erst erinnert sich der Anfänge der DDR-Rockmusik, als in den Fünzigern die noch nicht so ganz gefestigten Bürger des Arbeiter- und Bauernstaates im Park Sanssouci mit Swing von Glenn Miller bei Laune gehalten wurden?

Zwanzig Jahre nach der Wende dürften gerade junge Leute kaum eine Ahnung von den vielen Facetten der DDR-Rockmusik haben. Zeit also, für einen bildungspolitischen Rundumschlag. Birgit Jank, Professorin für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Universität Potsdam, ist nicht nur mit DDR-Rockmusik aufgewachsen, sie hat auch selbst Musik gemacht. Vor allem aber hat sie als Forscherin die DDR-Rockgeschichte aufgearbeitet und gebietet heute über ein Archiv mit Dissertationen, Zeitschriften und Tonbeispielen, von denen noch nicht einmal alle ausgewertet sind.

Was böte sich da im Jubiläumsjahr des Mauerfalls eher an, als die DDR-Geschichte am Leitfaden der Rockmusik aufzurollen und zugleich ein Stück deutsche Kultur zurück ins Bewusstsein zu bringen? Die Umsetzung fiel umso leichter, als Tochter Suse Jank, Jahrgang 1984, mit einer eigens zu diesem Zweck gegründeten Band die Klänge von damals neu arrangieren und überraschend frisch zu Gehör bringen konnte.

„Ehrt man die Rose noch?“ heißt der Crashkurs in Musik-, Kultur-, aber auch konfliktträchtiger Zeitgeschichte, der ab dem 8. April ausgehend von Potsdam in zehn deutschen Städten Station machen wird. Der Titel des „Lehrkonzerts“ spielt auf den Song „Wer die Rose ehrt“ der Klaus-Renft-Combo an und vermittelt ein wenig von dem zwiespältigen Gefühl, das DDR-Rock heute in uns weckt. War die zwischen Widerstand und Anpassung oszillierende Jugendmusik eine Schöpfung eigener Art oder nun der Abglanz eines durch Radio, Live-Auftritte und Schallplatten einsickernden westlichen Musiklebens?

Janks Collage aus Videos, Gesprächen und Livemusik funktioniert über weite Strecken nicht nur gut, sie unterstreicht auch den Eigensinn der ostdeutschen Musikgeschichte. Ostrocker waren weniger von der Aussicht auf kommerziellen Erfolg als vom Drang nach einem eigenen Ausdruck inmitten einer das Kollektiv anbetenden Gesellschaft befeuert.

„Gerade wenn man eine Decke hat, die keine Individualisierung will, wachsen unter dieser Decke mehr Individualitäten heran“, sagt Jank. Dass unter den bis zu 3000 Amateurbands und rund 200 Profis noch manche Rose zu entdecken sein wird, könnte womöglich ein Verdienst ihres Projekts werden. Schade nur, dass unter dem Wust historischer Belehrung „Suse Jank und Band“ fast untergehen. Dabei zeigt doch der zum Tango umgepeppte Song „Sagen ihre Tanten“ der Band Scirocco wie blutjung der Rock von einst klingt, wenn talentierte Leute ihn vortragen. (Von Rüdiger Braun)


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