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Steffen | 20.04.2009, 10:16
Bei mir nicht.
Ich empfinde nämlich keinen "Volkszorn", wenn der auch "einhellig" sein soll. Und schon gar nicht auf den Kapitalismus, wenn ich mir auch kein Grundstück, und schon gar nicht mit Uferzugang, leisten kann.
Die Volkszornigen würden sich schön bedanken, wenn jeden Tag Hunderte fremder Leute über ihr Grundstück laufen und ihnen ins Wohnzimmer gaffen würden.
Ich empfinde eher Abneigung, wenn ich die leicht tendenziöse Überschrift der MAZ ("Villenbesitzer") lesen muss.
Und die SPD-Bürgermeister, die die Beschaffung von Grundstücken zur Freihaltung des Weges verschlafen haben und jetzt zumindestens kostenlos markige Worte ausstoßen, wurden auch von unseren Empörten gewählt.
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tvinnefossen | 20.04.2009, 12:59
dito
Auch ich, nicht Potsdamer und Woanders-Radfahrer, verstehe die Aufregung nicht. Entweder es gibt Eigentum oder es gibt kein Eigentum. Diesen Grundsatz muß ich auch gegen mich gelten lassen, wenn ich möchte, daß er im Bedarfsfalle für mich gilt. Natürlich ist es schade, daß nun ein beschrieben schönes Fleckchen Land nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Aber mehr als "Schade" ist es eben nicht. Vorkaufsrechte der Stadt gab es sicherlich auch und die wurden nicht genutzt. Gab es keine Vorkaufsrechte hätte es wie beschrieben andere Möglichleiten gegeben. Hier geht es nicht darum, ob ein Weg wieder zugänglich wird oder nicht, sondern darum wie eine Gesellschaft zu ihren eigenen Grundsätzen steht. Ein bißchen Eigentum gibt es in diesem Falle glücklicherweise nicht. Auch mein Grundstück, viel kleiner, viel weniger Wert und nicht am Wasser finde ich schön. Auch Gäste lade ich gern ein. Sicherlich würde es auch andere Menschen geben die mein Grundstück ansprechend finden, dennoch habe ich einen Zaun drum und gestatte nichtmal den Durchgang um den Weg irgendwohin abkürzen zu lassen. Für den einfachen Grundstücksbesitzer eine Selbstverständlichkeit - ebenso für die Passanten. Warum nur werden solche Selbstverständlichkeiten in Zweifel gezogen, wenn einer der Beteiligten ein Konto mit sieben Stellen vor dem Komma hat?
"Volkszorn", "Villenbesitzer" haben wir also wieder eine Zielgruppe gefunden, die für das Scheitern anderer herhalten darf.
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osalon | 20.04.2009, 14:51
Enteignung an der grünen Grenze
Zitat : --- Es gebe daher bislang „keine enteignungsrechtlichen Voraussetzungen“, sagt Partsch. Und 20 Jahre nach der Wende könne die Stadt „nicht ernsthaft erwarten“, dass die Anlieger eine Nutzung ihrer Grundstücke „ohne irgendeine rechtliche Grundlage dulden“.
Im Jahr 2002 hatte die Eigentümerinitiative „Historische Uferregion“ der Stadt noch anboten, den Weg zwischen niedrigen Hecken freizuhalten. Bis heute sind die meisten kompromissbereit. Doch die Enttäuschung sitzt tief, seit die Kommune aus Geldgründen ihre eigenen Prinzipien verriet: Vor zwei Jahren verkaufte sie selbst ein großes Areal am Griebnitzsee an Wohnungsbauinvestoren – samt Uferstreifen und ohne dort einen öffentlichen Weg grundbuchlich zu sichern. ---
" ... seit die Kommune aus Geldgründen ihre eigenen Prinzipien verriet ... "
Tja, pecunia non olet / Geld stinkt nicht, oder wie war das ?
Den "Selbstschuß" müßt Ihr entscheidungsbefugten POlitiker hinnehmen, ob Ihr entscheidungsbefugten POlitiker wollt, oder ob Ihr es nicht wollt.
Ich jedenfalls "glaube" nicht mehr daran, daß mit "gewollten" Enteignungen das DDR - Recht von frei zugänglichen Uferzonen in diesem Fall (diesen Fällen) restaurierbar ist.
Schlaft weiter, Ihr entscheidungsbefugten POlitiker !
PS: Gewählt werdet Ihr trotzdem, der Vergessenseffekt der Bürger ist sehr hoch.
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Georgius | 20.04.2009, 15:50
Griebnitzsee
So ist das, wenn das Geld regiert und das Privateigentum oberste Priorität hat. Da müssen Demokratie und Allgemeinwohl zurückstehen. Als die Mauer fiel und die Bundesrepublik die DDR übernahm, wurde als erste das Volk enteignet. Nicht nur die Betriebe wurden verscherbelt und platt gemacht. Auch der volkseigene, d.h. der Allgemeinheit gehörende Grund und Boden wurde der Allgemeinheit entzogen: statt ihn den Kommunen zu übergeben, wurde und wird er an reiche Privateigentümer verhökert. Jetzt ist es an diesen Herrschaften, eine neue Mauer zu errichten und das Volk von den schönsten Stellen der Potsdamer Landschaft fernzuhalten. Vertreibung, Ausgrenzung, Strafandrohung - alles Vokabeln, die man der untergegangenen DDR anlastet, feiern am Griebnitzsee fröhliche Auferstehung. Da hilft nur eins: eine neue Revolution und die Expropriation der Expropriateure (Enteignung der Enteigner)!
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Steffen | 21.04.2009, 13:57
Ah, trés interessant, Ihre Ansichten, man mag gar nicht glauben, dass lebendige Menschen außerhalb von Staatsbürgerkundestunden solche innehaben. Und der Grund und Boden war schon seit Anbeginn der Welt "Volks"eigentum? Oder wurden nicht vielmehr die ehemaligen Eigentümer von den Zonenmachthabern enteignet? Dreschen Sie Ihre platten kommunistischen Parolen doch bitte woanders.
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waschi | 21.04.2009, 14:19
Uferweg
Es scheint ein Grundrecht darauf zu geben, überall unmittelbar am Wasser langgehen zu dürfen. Dieses rechtfertigt wohl jede Ausfälligkeit und Unverschämtheit gegen Grundstücksbesitzer, die in der Vergangenheit sehr wohl kompromissbereit waren. Wer die Angelegenheit über die Jahre verfolgt hat weiß, dass die Stadt Potsdam mit ihrer Haltung: "Es darf nicht sein, dass man da nicht langdarf! Koste es was es wolle!" nun auf den Bauch gefallen ist. Und siehe da, der "Volkszorn" entlädt sich gegen die Eigentümer!
Eine Frage noch an die Experten: Wann war eigentlich der Uferweg jemals frei zugänglich? Zu Zeiten des Volkseigentums sicher nicht. Also "Scheiß Kapitalismus?"
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Ariane | 21.04.2009, 19:43
Uferweg Griebnitzsee - Teil 1
Um es gleich vorweg zu sagen: auch ich zähle zu den zornigen. Als gebürtige Babelsbergerin gehört der Weg um den Griebnitzsee zu meinen Lieblingsspazier- und Fahrradwegen. Damit befinde ich mich in bester Gesellschaft mit vielen Tausend Potsdamern und Berlinern, die den Uferweg sommers wie winters als Naherholungszone nutzen.
Es widerspricht daher nicht nur meinem Gerechtigkeitsempfinden, sondern jeglichen Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit, wenn der Rechtsanspruch einer Handvoll Grundstückseigentümer über das Allgemeininteresse gestellt wird.
Bei allen Fehlern, die in den vielen vergangenen Jahren ganz offensichtlich von inkompetenten oder schlecht beratenen Politikern und öffentlichen Verwaltern gemacht wurden, bleibt festzuhalten, dass der Uferweg bereits existierte, als die heutigen Besitzer die Grundstücke in den 1990iger Jahren erworben haben. Das Absperren des Weges ist damit nicht nur in höchstem Maße egoistisch sondern auch und vor allem aus moralischer Sicht verwerflich.
Es geht ja nicht darum, dass plötzlich Hinz und Kunz durch irgend jemandes Privatgarten spazieren dürfen soll, sondern dass einige wenige Privateigentümer die Öffentlichkeit von einem viel genutzten Spazierweg aussperren wollen. Andere betroffene Grundeigentümer sahen sich durchaus in der Lage, sich mit der Stadt zu einigen und eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Dass von den Hardlinern unter den Eigentümern im Namen der Freiheit erneut Mauern an einer Stelle errichtet werden, wo Jahrzehntelang der Schießbefehl galt, ist in höchstem Maße zynisch. Dass dies mit unserem Rechtssystem vereinbar ist, unterstreicht nur die uralte Erkenntnis, dass Recht und Gerechtigkeit zwei grundverschiedene Dinge sind.
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Ariane | 21.04.2009, 19:44
Uferweg Griebnitzsee - Teil 2
Da bleibt nur der Appell an das Gewissen der Eigentümer und die Hoffnung, dass auch die, die es sich leisten können ihre Eigeninteressen gerichtlich durchzusetzen, irgendwann das Gemeinwohl und den sozialen Frieden über ihr Ego stellen. Das klingt jetzt zwar extrem altmodisch, aber wie wäre es mal mit ein wenig mit Demut und Dankbarkeit einem überaus gütigen Schicksal gegenüber, welches es den Betroffenen ermöglicht hat, in so traumhafter Lage wohnen zu dürfen. Eine gute und sinnvolle Möglichkeit dazu wäre, den Genuss dieser Schönheit den Spaziergängern wenigstens im Vorrübergehen zu gestatten.
Insofern würde ich meinen Vorrednern empfehlen, sich vor dem polemisieren zunächst gründlich zu informieren und vielleicht am Wochenende mal selbst mal raus zu fahren, an den Griebnitzsee und sich vor Ort ein Bild zu machen. Es lohnt sich.
Der Begriff „Villenbesitzer“ in der Artikel-Überschrift ist übrigens überhaupt nicht tendenziös. Schließlich heißt das Viertel am Griebnitzsee seit den 1870iger Jahren „Villenkolonie Neubabelsberg“. Ab dieser Zeit haben sich Industrielle, Bankiers, Künstler und Wissenschaftler standesgemäß und herrschaftlich in Seenähe niedergelassen. Mehr zu den auch historisch bedeutsamen Villen (u.a. residierten Truman, Stalin und Churchill während der Potsdamer Konferenz hier) kann zum Beispiel hier nachgelesen werden: http://www.ddahlke.de/reportagen/potsdam.html. Einige aktuelle Fotos finden sich hier: http://www.havelinfo.de/villa.htm.
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huebinger | 22.04.2009, 11:58
Im Interview spricht der OB von "Kaufangeboten".
"Den Eigentümern machen wir in dieser Woche Kaufangebote, lehnen sie ab, leiten wir Enteignungsverfahren ... ein" (http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11485197/60709/)
Verkaufen oder enteignet werden — das ist kein Angebot, sondern eine Drohung à la Totalstaat. Hat der OB wohl durcheinander gebracht angesichts seines traumatisierten AllgeMEINwohls — vielleicht hängt ja eine politische Karriere an diesem verflixten Uferweg?
Als Nutzer des Uferwegs war ich persönlich täglich dankbar für die Geduld der Grundstückseigentümer. Schade, dass es nun mit der Joggingstrecke Essig ist! Aber gleich den "sozialen Frieden" gefährdet sehen? Hält der OB seine Bürger für einen Haufen räuberischer Randalemacher, die ohne "ihren" Uferweg keinen Sinn mehr im Leben finden?
Lustig auch, dass die Kosten für ein Enteignungsverfahren mal so eben "in den Haushalt eingestellt" werden können (wer zahlt den Haushalt übrigens?), während die 115 Euro pro Meter Uferzone einfach nicht machbar waren. Armes Potsdam...
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Rainererich | 24.04.2009, 10:47
Uferweg am Griebnitzsee
Die Entscheidung ist gefallen, das OVG hat gesprochen. Die Anrainer sind mittlerweile im Recht. Daran wird auch eine TED-Umfrage nichts aendern. Der Schuldige an der entstandenen Situation sitzt im Rathaus. Zu hoffen bleibt, dass die Buerger sich auch noch am Wahltag daran erinnern. Das Motto lautet: Abwaehlen !
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pdm14480 | 24.04.2009, 17:54
Griebnitzsee für alle
Ich bin leidenschaftlicher Läufer und vermisse meine Lieblingslaufstrecke sehr!! Jeder Schritt auf diesem Weg war Erinnerung an eine (Mauer-)Zeit, die wirklich keiner mehr will. Ich möchte nicht darauf verzichten, denn die Karl-marx-Strasse ist doch wirklich keine Alternative! Ich bin der Meinung, dass die Anrainer mit Ihrem Villengrundstück bereits auf der Sonnenseite des Lebens stehen und einen kleinen Beitrag zum sozialen Frieden leisten sollten, indem sie den Weg wieder frei geben. In deren Lage versetzt, ich würde nicht mehr erhobenen Hauptes durch Potsdam laufen können. Einige wenige sperren übrigens nicht!!! Meine Hochachtung!!! Die neuen Helden von Potsdam gehören ins Goldene Buch!!
Viele Potsdamer haben in der Wendezeit demonstriert, ihre Ängste und Zweifel bekämpft, haben gegenüber Polizei und Stasi Mut gezeigt. Einige sind in den Stasiknast gewandert oder haben an der Mauer ihr Leben verloren. Nun steht eine neue "Mauer" an gleicher Stelle, nur um 90 Grad verdreht!!! Und das im 20. Jahr nach dem Mauerfall!!!
Ich weiss, das einige B- und C-Politiker sowie Verwaltungslaien ernsthafte Fehler gemacht haben. Auf die ist nicht mehr zu zählen. Die riesigen Summen für Enteignungen darf doch keiner zahlen, wenn anderseits aus Geldmangel Obachlose erfrieren, Schulen verrotten oder Menschen keine warme Mahlzeit bekommen.
Deswegen hoffe ich auf den Mut der Uferweg-Anrainer, über ihren eigenen Schatten zu springen und den Weg wieder für alle zu öffnen. "I have a dream ..." sagte einmal Martin Luther King, und hat mit der Geschichte recht bekommen.
Schwarz und Weiss lebt nun miteinander, also können dies auch Anrainer und Spaziergänger auf diesem Weg im Potsdam der heutigen Zeit!