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03.05.2009/ 12:17

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Neue Grippe kommt näher

Verdacht auf Schweinegrippe in Brandenburg

Potsdam - In Brandenburg gibt es einen ersten Verdachtsfall für eine Erkrankung mit Schweinegrippe. Wie das Potsdamer Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte, könnte sich eine Frau aus dem Osten des Landes infiziert haben. Sie liege in einer Klinik in Frankfurt (Oder) und sei isoliert worden.

Sicherheitshalber wurde ihr Ehemann ebenfalls isoliert und behandelt. Beide waren nach Angaben des Ministeriums am 27. April in einem Flugzeug von Mexiko nach Düsseldorf geflogen. In der Maschine saß auch Frau aus Hamburg, die mittlerweile an der neuen Grippe erkrankt sei. "Bei der Brandenburgerin sind grippeähnliche Symptome aufgetreten", berichtet das Ministerium. Genauere Untersuchungsergebnisse sollen am Montag vorliegen.

In der Klinik seien alle notwendigen Maßnahmen ergriffen worden, um eine Ansteckung anderer Patienten und des Personals der Einrichtung zu verhindern. Gesundheitsstaatssekretär Winfrid Alber unterstrich am Samstag, dass kein Anlass zur Beunruhigung bestehe. Brandenburg sei mit seinem Pandemieplan gut vorbereitet. Dazu gehöre auch, dass das Land für 20 Prozent der Bevölkerung antivirale Arzneimittel bevorratet habe.

Insgesamt gab es am Samstag 30 weitere Verdachtsfälle in Deutschland.

Nach Erkenntnissen der US-Seuchenbehörde CDC ist die Schweinegrippe nicht so gefährlich wie frühere Grippe-Pandemien. Der Virustyp H1N1 habe anscheinend nicht die gleichen todbringenden Eigenschaften wie das Virus der katastrophalen Spanischen Grippe von 1918/19, sagte CDC-Direktorin Nancy Cox in Atlanta. An der spanischen Grippe waren vor 90 Jahren weltweit mehr als 25 Millionen Menschen gestorben.

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Virus vom Typus A/H1N1 kann nach Ansicht von US-Experten sechs oder sieben Monate dauern. Es dauere allein mindestens einen Monat, um den "Keim" für den Impfstoff zu entwickeln, sagte die Direktorin der Pan-Amerikanischen Gesundheitsorganisation, Mirta Roses-Periago, in Washington.

Die Bundesregierung hat unterdessen eine Verordnung erlassen, die Ärzte zur Meldung von Verdachtsfällen an die Gesundheitsbehörden zwingt. China hat Flüge nach Mexiko aus Furcht vor der Grippe gestrichen. In Hongkong, wo ein Mexikaner wegen Schweinegrippe behandelt wird, wurden Mitreisende und Gäste des Hotels des Mexikaners in Quarantäne genommen. Singapur erließ eine Visumpflicht für Mexikaner. In Mexiko selbst stand auch am Samstag das öffentliche Leben praktisch still.

Die bisher bundesweit nachgewiesenen sechs Fälle, darunter fünf in Bayern und einer in Hamburg, verliefen insgesamt milde, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker. "Die Patienten sind auf dem Weg der Besserung." Der Krankheitsverlauf sei bei den sechs Infizierten mit dem einer saisonalen Grippe zu vergleichen. Schwere Fälle der neuen Grippe seien bisher nur in Mexiko und den USA aufgetreten.

Trotz der steigenden Zahl der Erkrankungen warnte RKI-Chef Hacker vor "Aktionismus". Es bestehe "kein allgemeines Gefährdungspotenzial, aber das Ansteckungsrisiko darf auch nicht bagatellisiert werden", sagte Hacker. Hygieneregeln im Kontakt mit anderen Menschen sollten unbedingt eingehalten werden, um Ansteckungen vorzubeugen. Bei Influenza-Symptomen sei umgehend ein Arzt aufzusuchen.

Am RKI hat sich eine Influenza-Expertenkommission gebildet, die sich mit zukünftigen Maßnahmen zur Bekämpfung der neuen Grippe befasst. Sie sucht auch nach möglichen Impfstoffen, die im Falle einer weiteren Ausbreitung in Deutschland zum Einsatz kommen sollen.

Die meisten Deutschen sehen nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" die Ausbreitung der Schweinegrippe gelassen. Bei einer repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag der Zeitung äußerten 59 Prozent keine Angst vor der weltweiten Ausbreitung des Grippevirus vom Typ A/H1N1. Etwas Angst zeigten 36 Prozent und große Angst vier Prozent der Befragten. Besonders Männer äußerten sich mit 71 Prozent furchtlos, Frauen dagegen nur mit 49 Prozent. dpa


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