Suche der Märkischen Allgemeinen:

Suchbegriff eingeben und abschicken
Auswahl der Suchkategorie

Wetter in Brandenburg:

-7ºC
Symbol: aktuelles Wetter in Brandenburg

Metamenu:


Sie befinden sich hier:

  1. » Märkische Allgemeine
  2. » Nachrichten
  3. » Buntes
  4. » Buntes aus der MAZ
03.06.2009

Beitragsfunktionen:

WISSENSCHAFT: Anton aus der Jungsteinzeit

Wie märkische Archäologen eine 7000 Jahre alte Kultfigur fanden

STAHNSDORF - Es war eine kleine Sensation. Vor zwei Wochen gaben die Archäologen vom Rheinischen Landesmuseum Bonn den Fund des Kopfes einer 7000 Jahre alten Steinskulptur bekannt, dem „ältesten Gesicht im Nordwesten Deutschlands“. Die Bonner Wissenschaftler standen in zahlreichen Zeitungen, auch in der MAZ. Und das, obwohl sie den Fund gar nicht selbst gemacht haben. Ausgegraben haben die Kultfigur aus der Jungsteinzeit Archäologen aus Brandenburg.

Es war ein Freitagnachmittag, erzählt Erwin Cziesla. Der Geschäftsführer der Martin Wurzel Archäologie und Umwelttechnik GmbH saß in seinem Büro in Stahnsdorf in der Mittelmark. „Gedanklich war ich schon fast im Feierabend“, sagt er. Dann erreichte Cziesla ein Anruf. Einer seiner Mitarbeiter war am Apparat. Bei ihren Ausgrabungen einer 7000 Jahre alten Siedlung bei Merzenich im Rheinland hätten sie etwas gefunden. Kurz darauf erreichten Cziesla die ersten Handybilder. „An einen bedeutsamen Fund wagte ich da noch nicht zu glauben“, sagt der 54-Jährige. Gespannt wartete er auf hochauflösende Aufnahmen – wegen des Wochenendes quälende drei Tage lang.

Es hat sich gelohnt: Auf den Bildern erkannte Cziesla die kleine Stupsnase, den kahlen Kopf und die Knopfaugen der Figur – er sah klar menschliche Züge, aber auch die eines Bären. „Vielleicht ein Mischwesen“, dachte er. Der Archäologe konnte es kaum glauben. Zwischen Ungarn und Ostfrankreich habe es nur sehr wenige vergleichbare Funde gegeben. „Das war eine völlige Überraschung.“

Natürlich haben sich die Brandenburger Forscher gleich einen Namen für ihren Fund ausgedacht: Anton. Für einen Adam wäre der Tonkopf nämlich trotz seiner stolzen 7000 Jahre ein bisschen zu jung gewesen.

Die Figur aus der Jungsteinzeit, der Epoche der „Bandkeramiker“, liefert den Wissenschaftlern tiefe Einblicke in das Leben in Europa vor 7000 Jahren. In seinen Händen habe Anton vermutlich eine Opferschale gehalten, sagt Cziesla. Er war vielleicht ein Schutzsymbol, aber nur für dieses eine Dorf. Die Bewohner hätten ihn womöglich zerbrochen, als sie ihre Siedlung verließen, um anderswo Ackerbau zu betreiben. Darum ist vom Rest der wohl 30 Zentimeter großen Figur neben dem Kopf nur ein Stück Arm geblieben.

Im Vergleich zu den anderen Fundstücken bei Merzenich gilt Anton als Sensation. Gefäßscherben oder Steinwerkzeuge der Bandkeramiker zeigten den Alltag der damaligen Menschen, Anton aber öffne „ein Fenster in die Gedankenwelt der ersten Bauern Mitteleuropas“, erklärt Ralf W. Schmitz vom Rheinischen Landesmuseum.

Der Wert des Fundstückes sei daher unschätzbar, sagt Cziesla. Da Anton im Rheinland gefunden wurde, steht er dem dort ansässigen Landesamt zu. „Schade für Brandenburg“, sagt Cziesla. Letztlich sei er aber auch ein bisschen froh gewesen, als er Anton der Institution in Bonn übergeben konnte. Schließlich fiel damit eine gewaltige Verantwortung von ihm ab. (Von Issio Ehrich)


Ihre Meinung ist gefragt!

Aktuelle Angebote aus Ihrer Region

Wechseln Sie bei Beitragserhöhung Ihre Krankenkasse?

Abstimmung


Stimme abschicken
» Zum Ergebnis
» Alle Abstimmungen