POTSDAM / GOLM - Zum Auftakt des bundesweiten Bildungsstreikes, der heute beginnt, haben sechs Kunststudenten das Atelier auf dem Campus Golm besetzt. Eine Woche lang wollen sie im Dachgeschoss der Mensa ausharren, um auf die Situation ihres Faches aufmerksam zu machen. Weil der Lehrstuhl für ästhetische Erziehung von Meike Aissen-Crewett durch die Universität in eine Professur für psychologische Grundschuldiagnostik umgewidmet werden soll, werden keine neue Studenten mehr aufgenommen. Zwar dürfen die 240 bereits Eingeschriebenen noch zu Ende studieren, doch über kurz oder lang wird es keine in Brandenburg ausgebildeten Kunstlehrer mehr geben. Die Universität Potsdam war die einzige Möglichkeit. Das letzte Wort hat jetzt zwar Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU), aber große Hoffnung gibt es nicht mehr. „Trotz der Besetzung ist natürlich jeder eingeladen, vorbeizuschauen“, sagte Sabine Finzelberg. Das besetzte Atelier soll als Streikzentrale dienen, um die Aktionen während der Protestwoche zu koordinieren. „Wir wollen in Erscheinung treten, in der Stadt sichtbar sein“, kündigte Katja Zschipke die Teilnahme an der Streikdemonstration an, die übermnorgen, 11 Uhr, am Bassinplatz beginnt.
Ärger seitens ihrer Lehrer erwarten die Besetzer nicht. „Die Dozenten, vor allem die aus der mittleren Ebene, unterstützen uns, weil sie genau wie wir Opfer der Unterfinanzierung der Hochschulen sind. Sie müssen jährlich zittern, ob ihre Verträge verlängert werden“, sagte Stefan Neumann. Wie die Leitung der Universität reagieren wird, ist noch nicht abzusehen. Die sechs Studenten rechnen damit, dass ihre Zahl bis Freitag wächst. (Von Sebastian Scholze)