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19.06.2009

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PROTEST: Jacke und Tee, aber kein Hineinkommen

Schüler und Studenten übten sich gestern in zivilem Ungehorsam / Tag fünf des Bildungsstreiks

POTSDAM / INNENSTADT / Teltower Vorstadt - In ihrer Not erinnerten sich die Mitarbeiter an Rapunzel: An Strippe ließen jene, die drin waren, denen, die draußen bleiben mussten, benötigte Materialien aus dem Fenster herunter. Denn etwa 100 Studenten hatten mit Sitzblockaden seit sechs Uhr alle Eingänge des Wissenschaftsministeriums dicht gemacht. Ministerin Johanna Wanka und ihrem Pressesprecher Holger Drews blieb nichts anderes, als die später Erschienenen gegen 8.45 Uhr nach Hause zu schicken. „Wir haben keine Veranlassung gesehen, das Haus von der Polizei räumen zu lassen, also war das ohne Alternative“, sagte Drews, der im Vorfeld von der morgendlichen Aktion erfahren hatte. „Ein Teil der Arbeit kann auch von zu Hause erledigt werden.“

Mit der Blockade wollten die Protestierer ihren Unmut gegen Entscheidungen des Ministeriums deutlich machen. Anderthalb Stunden lang diskutierten sie mit Wanka, prangerten die neuen Studienformen Bachelor und Master an, beklagten knappe Finanzen und mangelnde Mitbestimmung. Der Ton wurde kurzzeitig rauer, als Wanka darum bat, ihre Mitarbeiter hinein zu lassen: „Das sind schließlich die Steuergelder ihrer Eltern.“ Einer frierenden Ministeriumsmitarbeiterin boten die Protestierer eine dicke Jacke und warmen Tee an, hinein durfte auch sie nicht. An die immer größer werdende Menge der Mitarbeiter gewandt riet ein Student: „Gehen Sie nach Hause und tun Sie, was Sie schon immer tun wollten – Sie haben heute frei.“ Eine, die es mit Humor nahm, sagte: „Hätte ich ja länger schlafen können.“ Wankas Seite bot schließlich an, im Sommer eine Diskussion im Filmmuseum abzuhalten, Fernsehkameras inklusive.

Ein Teil der Studenten zog später zum Landtag, um mit Bildungsminister Holger Rupprecht zu sprechen. Er möge sich gegen die Sanktionen aussprechen, die manche Schulleiter tags zuvor gegen Schüler erlassen hatten, die zur Demonstration in der Innenstadt gegangen waren. „Das unentschuldigte Fehlen einzutragen, entspricht dem Recht“, sagte er. „Sechsen oder Verweise als Strafe akzeptiere ich aber nicht.“ Um diese Fälle wolle er sich kümmern. Betroffene können sich beim Streikkomitee melden. Behauptungen, Schüler seien von der Polizei am Demonstrieren gehindert worden, bezeichneten die Schulleitungen des Einstein- und des Helmholtzgymnasiums als unwahr. „Die Beamten haben niemandem am Verlassen der Gelände gehindert“, so eine Polizeisprecherin.

Als Panzerknacker verkleidet und mit Konfetti und Seifenblasen „bewaffnet“, verübten rund 30 Protestierer am Nachmittag einen „Banküberfall“. In die Commerzbank in der Lindenstraße kamen sie jedoch nicht hinein; die Polizei war schneller. In der Citibank schafften es die Demonstranten. Die Polizei verstand jedoch keinen Spaß: Zunächst musste ein Teil der Gruppe die gestürmte Filiale säubern. Dann wurden die Personalien aufgenommen.

Am frühen Abend saßen immer noch Unerschütterliche vor den Türen des Wanka-Ministeriums. (Von Sebastian Scholze)


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