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25.06.2009

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COMPUTER: Leben ohne Microsoft

Zu den gängigen Programmen des US-Softwareriesen gibt es kostenlose Alternativen – mit denen sich in der Region Geld verdienen lässt

POTSDAM - Wer einen neuen Computer kauft und nicht gerade zu einem Produkt von Apple greift, wird beim Einschalten in aller Regel mit dem Microsoft-Windows-Logo begrüßt. Wer einen Text schreibt, öffnet dazu Word – aus dem Hause Microsoft. Statt ins E-Mail-Programm schauen die meisten „schnell mal in Outlook“, auch von Microsoft programmiert. Und wer bunte Charts an die Wand des Konferenzraums wirft, der macht „eine Powerpoint-Präsentation“, nach dem gleichnamigen Programm. Von Microsoft. Die Produkte des von Bill Gates gegründeten Softwareriesen gehören zum Arbeiten am Computer dazu.

Dass es Alternativen gibt, ist vielen Nutzern gar nicht bewusst. Nur ein Beispiel: Wer keine 120 Euro und mehr für Microsoft Office inklusive Word ausgeben will, „der kann einfach zu Open Office greifen“, sagt Thomas Keup. Das Programm biete kostenlos praktisch alle Funktionen der teuren Konkurrenz, erklärt Keup, der Sprecher des Arbeitskreises „Open Source Software“ im Verband der Software-, Informations- und Kommunikations-Industrie in Berlin und Brandenburg (SIBB) ist. Denn genau zu solcher „Open Source Software“ gehört Open Office.

„Open Source“, übersetzt „freie Quelle“, bedeutet, dass zu dem Programm auch der sogenannte Quelltext veröffentlicht wird. Das heißt, jeder Programmierer kann genau sehen, wie die Software arbeitet – und sie auch erweitern oder verändern. Zudem darf Open-Source-Software weitergegeben werden, sowohl in der Original- als auch in veränderter Form. Das hat zur Folge, dass weltweit viele Menschen an der Erstellung von solchen Programmen wie Open Office mitarbeiten, neue Funktionen einbauen oder bekannte Fehler ausbessern.

Ein weiteres berühmtes Beispiel ist das Programm Firefox, mit dem Internet-Seiten angeschaut werden können, ein sogenannter Internetbrowser. Er ersetzt den in Microsoft Windows enthaltenen Internet Explorer.

Doch nicht nur einzelne Programme können ersetzt werden, wer will, kann Microsoft Windows komplett von seinem PC entfernen und ein anderes sogenanntes Betriebssystem auf Open-Source-Basis installieren: Linux. Genau wie die Anwendungen wird Linux von vielen verschiedenen Programmierern weltweit weiterentwickelt. War es vor einigen Jahren nur etwas für Computerspezialisten, die sich gerne mit kryptischen Befehlseingaben über die Tastatur herumschlagen, lässt es sich heute mindestens so einfach installieren wie Windows – und sieht auch auf den ersten Blick sehr ähnlich aus.

Dabei gibt es „das Linux“ für den Anwender gar nicht, sondern eine Vielzahl sogenannter Distributionen, etwa Ubuntu oder Open Suse. Darin ist dann nicht nur das Betriebssystem Linux enthalten, sondern auch eine Unmenge von Programmen – von E-Mail über Textverarbeitung und Musikwiedergabe bis hin zu Videoschnitt und Spielen. Alles fast ausschließlich Open Source und immer kostenlos.

Doch der Preis ist für Keup nicht der einzige Vorteil: „Open Source macht mich unabhängiger, weil ich nicht gezwungen werde, ein Programm wie den Internet Explorer zu nutzen, sondern ich kann Firefox nehmen – und wenn mir der nicht gefällt, dann greife ich eben zu Safari.“ Und weil die Software offen ist, wird sie auch erweitert, mit sogenannten Plugins und Add-Ons. „Das geht nur mit offenen Standards“, so Keup.

Dazu kommt eine höhere Sicherheit: Bösartige Programme wie Viren oder Trojaner sind darauf ausgerichtet, möglichst viel Schaden anzurichten und sich möglichst weit zu verbreiten. Deshalb greifen sie vor allem die Software des Marktführers Microsoft an – und lassen freie Alternativen wegen deren (noch) geringen Verbreitung außen vor.

Und obwohl auf den ersten Blick alles kostenlos ist, ist Open Source doch ein riesiger Markt. Denn auch wenn die Software selbst allenfalls geringe Lizenzgebühren für Unternehmen kostet, so bringen die Dienstleistungen rundrum durchaus etwas ein. Etwa der Netfox AG in Kleinmachnow (Teltow-Fläming), die ein Produkt mit dem Namen „Colan“ anbietet, das „auf Standard Open-Source-Programmen basiert“, wie Vorstand Ulrich Otto erklärt. Colan überwacht Netzwerke und schlägt Alarm, wenn es in der Verbindung zwischen den Computern Probleme gibt. Netfox bietet das Programm und die Dienstleistung Unternehmen an. Unter anderem wird die Verkehrsleittechnik der Berliner Autobahntunnel aus Kleinmachnow damit überwacht und der Frankiermaschinenhersteller Francotyp Postalia in Birkenwerder (Oberhavel) setzt ebenfalls auf diese märkische Technik.

Otto betont, „durch Open Source sind wir in der Lage, unseren Kunden sehr leistungsfähige Programme anzubieten“, die sonst allenfalls Großkonzerne selbst erstellen lassen könnten. Die spezielle Leistung von Netfox sei „das Know-how der Anpassung“, sagt Otto. Oder wie Keup es formuliert: „Open-Source-Software ist ein Rohdiamant.“ Man bezahle keine Lizenzgebühren, sondern für Einrichtung, Erweiterung sowie Wartung der Lösungen.

Wertvoll ist die Branche allemal. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) lobt, „Open Source erobert mittlerweile beachtliche Marktanteile und schafft Arbeitsplätze“. So würden in der Hauptstadt jährlich 150 Millionen Euro damit umgesetzt, die für 9700 Jobs in 600 Unternehmen sorgten. Im Potsdamer Wirtschaftsministerium ist man zurückhaltender. Open Source sei „eine von vielen Perspektiven für Firmen, wir beobachten das“, heißt es. „Brandenburg hat da noch Aufholpotenzial“ sagt Matthias Gehrmann vom Kompetenzzentrum Ecomm Brandenburg. In einem Flächenland sei es schwieriger, enge Netzwerke zu knüpfen.

Noch bis zum Sonnabend präsentiert sich die Branche in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm beim Linuxtag 2009. 134 Aussteller zeigen seit gestern ihre Lösungen, dazu kommen zahlreiche Vorträge und Workshops, etwa über die Konfiguration von Ubuntu oder die Nutzung von Open Office im Unternehmen. Man sei das „europaweit führende Branchentreffen“, so die Veranstalter.

Lohnt sich Open-Source-Software also für jeden? Über die Frage kann Experte Keup nur Lachen – denn es kommt schon heute praktisch niemand mehr daran vorbei. „Wer im Internet Google anklickt, der setzt Open-Source-Technologien ein“, so Keup. Die meisten Server im Netz würden mit Open-Source-Programmen betrieben. „Das Internet basiert auf Open Source“, meint Keup.

Welches Betriebssystem auf einem Computer installiert sei, verliere dabei zunehmend an Bedeutung. Mail, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Adressverwaltung und viele andere Standardaufgaben von Computerprogrammen würden zunehmend zu Webdiensten verlagert. In fünf Jahren, schätzt Keup, „spielt sich fast alles im Internetbrowser ab“. (Von Andreas Streim)

 

Freie Software zum freien Ausprobieren:
Open Office als Alternative zu Microsoft Office gibt es kostenlos für Windows, Linux und auch Mac im Internet unter www.openoffice.org .

Den Internetbrowser Firefox gibt es ebenfalls für Windows, Linux und Mac unter der Adresse www.mozilla-europe.org/de/firefox .

Wer Linux einmal ausprobieren möchte, der kann unter anderem zur Distribution Ubuntu greifen. Die komplette CD lässt sich im Internet unter www.ubuntu.com  herunterladen oder auf der deutschen Seite wiki.ubuntuusers.de/Download s.

Um Linux zu testen, kann man es auch nur von der CD starten statt es zu installieren. Dabei wird an dem bestehenden System - Windows, Programme, Daten - nichts verändert. Beim nächsten Start ohne CD ist dann alles wieder so wie zuvor.

Das umfangreiche Vortragsprogramm auf dem Linuxtag findet sich im Internet unter www.linuxtag.org . ast


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