POTSDAM / INNENSTADT - Das Urteil von Jochen Kranert war eindeutig. „Ich empfinde es als Kulturbarbarei, in den Magazinbestand einzugreifen“, sagte der Vorsitzende des Potsdamer Bibliotheksvereins am Donnerstag im Kulturausschuss: „Der Eingriff von Nichtfachleuten in die Bibliothek ist nicht zu verdauen.“ Damit bezog sich Kranert auf den Plan, den Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price-Waterhouse-Coopers zur Kosteneinsparung bei der Sanierung des Gebäudes gemacht hatten. Sie hatten vorgeschlagen, veraltete wissenschaftliche Buchbestände – insgesamt 160 000 Stück – auszusortieren und das Magazin mit Platz sparenden Rollregalen auszustatten. Das Ziel: Eine Etage soll eingespart und vermietet werden. Die Mieteinnahmen sollen beitragen, eine Deckungslücke bei der Sanierung in Höhe von 2,5 Millionen Euro zu schließen. „2,5 Millionen Euro sind eigentlich nicht viel, doch dafür wird das Magazin geopfert“, sagte Kranert.
Die Mitglieder des Ausschusses folgten seiner Ansicht überwiegend nicht. „Hier ist mit Augenmaß vorgegangen worden“, sagte Saskia Hüneke (Grüne). Sie wollte allerdings Details zur Finanzplanung erfahren. „Es dürfte kein Problem sein, an diesem Standort geeignete Mieter zu finden“, sagte Bernd Richter vom Kommunalen Immobilien-Service (KIS): „Eine genaue Prognose kann ich momentan aber nicht abgeben.“ Peter Schultheiß (CDU) bewertete die Vorschläge ebenfalls positiv und verwies auf den durch die „Freiland“-Jugendkulturplanungen angespannten Kulturhaushalt.
Die Ausschussvorsitzende Karin Schröter (Linke) sagte, genauere Aussagen zu Einsparmöglichkeiten bei der Sanierung könne man erst treffen, wenn die Revision der Bestände sowie konkretere Planungen des Kis vorlägen. Deshalb forderte der Ausschuss bis zum Oktober einen Zwischenstandsbericht. (Von Tim Tolsdorff)