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04.07.2009

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Schulen: Zwei lernen aus einem Buch

Drewitzer Kinder lösten Matheaufgaben in D-Mark / Landesetat zu knapp

POTSDAM / DREWITZ - Im Sachkundeunterricht kommt Sofia ihrer Banknachbarin besonders nahe. Die zehnjährige Schülerin der Grundschule „Am Priesterweg“ muss sich beim Unterricht das Lehrbuch „Entdecken, Erleben, Handeln“ mit der Mitschülerin teilen. Zehn Jahre ist der Band schon alt. Doch hat die Schule nur einen Klassensatz von zwölf Büchern für 24 Kinder. „Eigentlich geht es“, sagt Sofia: „Aber fürs Lernen ist es nicht so gut.“ Denn mit nach Hause nehmen können die Kinder die Bücher nicht. Auch im Unterricht kann es schwierig werden. „Manchmal ist es blöd, wenn der eine mit dem Finger liest und der andere dann nicht sieht, was da steht“, sagt Sofia.

Seit fünf Jahren hat die Schule Probleme mit Lernmitteln. „Es sind immer mehr Hartz-IV-Empfänger hergezogen, die sich die Schulmaterialien nicht leisten können“, sagt Schulleiterin Elvira Eichelbaum. Die Schulleiterin schätzt, dass von den 300 Kindern der Schule 200 aus bedürftigen Familien kommen.

Normalerweise zahlt der Schulträger – die Stadt Potsdam – bis zur vierten Klasse 18 Euro Büchergeld pro Schüler; Eltern müssen zwölf Euro pro Schüler zuzahlen. Da sich viele Eltern der Priesterweg-Schule die Zuzahlung nicht leisten können, muss das Land einspringen. Allerdings, so Eichelbaum, habe der Schulträger bislang nicht die volle Erstattung für ausfallende Elternbeiträge weitergereicht. Und selbst wenn: „30 Euro reichen nichtmal für zwei Bücher.“

Das Problem verschärfe sich in den höheren Klassen. Schüler der 5. Klasse brauchen acht Bücher. Das billigste, ein Wirtschaftsbuch, kostet 12,50 Euro, das teuerste, ein Geschichtsbuch, 20,95 Euro. Das Land sieht ab Klasse 5 nur 62 Euro Büchergeld pro Schüler vor.

Wegen der Sparzwänge lernten die Schüler nicht nur oft zu zweit aus einem Buch, sondern bis zum Jahr 2008 etwa mit Mathebüchern, die noch die D-Mark als Währung führten. Die Stadt Potsdam teilt mit, die Schule habe für das Jahr 2009 insgesamt 13 000 Euro, die auch zum Kauf von Büchern verwendet werden. „Wenn wir das täten, müssten wir auf alles andere verzichten“, kontert die Schulleiterin. So müsse man neue Verbandskästen besorgen. Außerdem habe sie sonderpädagogische Ausgaben, Hilfsmittel für Seh- und Lernbehinderte müssten beschafft werden.

Für Mathe- und Sachkundelehrerin Christina Adler ist der gesetzliche Rahmen des Landes zu eng und entspricht der Buchpreisentwicklung nicht: „Das Land müsste den Rahmen erweitern und schauen, wie teuer die Bücher inzwischen sind.“

Das Bildungsministerium sagt, das System der Kostenerstattung sei erst 2007 erneuert worden. „Ich zweifle, dass es jetzt wieder Handlungsbedarf gibt“, meint Sprecher Stephan Breiding. Die Wünsche der Kommunen seien bekannt, aber das Land könne nicht alles abdecken. (Von Rüdiger Braun)


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