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20.07.2009

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ANALYSE: Tanz mit Teheran

Israel überhöht die Bedrohung durch den Iran aus strategischem Interesse

Als israelische Kampfflugzeuge 1981 einen irakischen Kernreaktor bombardierten, gab es keine Warnung, keine endlosen Gespräche darüber, wie gefährlich Saddam Hussein für den jüdischen Staat war und warum er gestoppt werden musste. Es war ein Überraschungsangriff, und das trug gewiss dazu bei, dass die Aktion erfolgreich war.

Als israelische Kampfflugzeuge 2007 Syriens vermeintlichen Atomreaktor zerstörten, gab es wieder keine Warnung. Abermals kam der Angriff wie ein Blitz aus heiterem Himmel, und abermals spielte das eine entscheidende Rolle für den Erfolg.

In Bezug auf den Iran stellen sich die Dinge völlig anders dar. Seit 1991 haben die Israelis jedem, der bereit war zuzuhören – und auch den vielen, die es nicht waren –, erzählt, dass das iranische Atomprogramm eine Gefahr sowohl für Israel als auch für den Rest der Welt darstelle. Der Iran, so behaupteten sie, hasse Israel und warte nur auf eine Gelegenheit, der Existenz Israels ein Ende zu setzen. Es sei auch ein radikal islamischer Staat, dessen Führer nichts anderes wollten, als einen Atomkrieg zu provozieren, um so schnell wie möglich an die Jungfrauen im Himmel zu kommen.

Stets behaupteten die sogenannten „Experten“, dass der Iran nur noch drei bis fünf Jahre für die Entwicklung einer Atombombe brauche. Diese Zeitspanne wurde 1991 genannt, als das iranische Atomprogramm zum ersten Mal Thema wurde. Und heute, 18 Jahre später, ist die Bombe nach Auskunft des Mossad-Chefs noch immer fünf Jahre entfernt. Wäre das Thema nicht so ernst, könnte man das witzig finden. Noch seltsamer ist die Bereitwilligkeit zahlloser Kommentatoren, diesen Nonsens ernst zu nehmen und sich ernsthaft damit zu beschäftigen, wann Israel den Iran bombardieren wird (in der Vergangenheit wurden dafür diverse Zeitpunkte vorgeschlagen, aber es passierte nichts), welche Waffen Israel benutzen würde, ob der Angriff erfolgreich sein könnte, was mit dem Angriff zu erreichen sei, was die Ergebnisse wären und so weiter.

Vorauszusagen, ob Israel den Iran am Ende tatsächlich angreifen wird, ist sehr schwierig – handelnde Personen und Umstände wechseln manchmal sehr rasch. Auf der anderen Seite ist es sehr einfach zu verstehen, warum Israel sich so alarmistisch verhält. Insbesondere zwei Gründe liegen nahe:

Erstens: Der Iran ist der Feind der USA und die USA sind der Feind des Iran. Israel braucht die Unterstützung der USA – militärisch, politisch und auch sonst. Auf der Seite der USA zu stehen, ist also strategisch vernünftig aus israelischer Sicht, zumal es wenig kostet.

Zweitens: Zunächst die Zionisten und dann die Israelis haben eine lange Geschichte des Alarmschlagens. Da dem so ist, präsentieren sie sich immer als klein, schwach und im Begriff, angegriffen zu werden. Im Gegensatz dazu werden ihre Feinde – zunächst die arabischen Palästinenser, dann Ägypten, dann der Irak und nun der Iran – immer als groß, stark, gefährlich und vor allem durch und durch böse dargestellt. Über die Jahrzehnte hat diese Taktik geholfen, Hunderte Billionen Dollar an militärischer und anderer Hilfe an sich zu ziehen. Der Mann, der Weltmeister in diesem Spiel war, ist Shimon Peres, der israelische Präsident. Gibt es irgendeinen Grund, warum er diese Taktik ändern sollte?

In Bezug auf all das macht es keinen großen Unterschied, was die Iraner tun oder sagen. Bereits vor den jüngsten Wahlen im Iran erzählten israelische Sprecher der Welt, dass sich die Bedrohung durch den Iran nicht ändern werde, wer auch immer gewinnt. Jetzt, nachdem die Wahlen stattgefunden haben, behaupten sie noch immer, dass die Bedrohung nicht geringer geworden ist.

In der Tat ist es schwer zu sagen, was Ahmadinedschad und Co. machen könnten, um die israelischen Ängste zu mindern – ihr Atomprogramm abbauen, etwa ihre Nuklearwissenschaftler töten, ihre Liebe zum Zionismus verkünden, zum Judentum konvertieren?

Um es noch einmal zu betonen, ob Israel den Iran am Ende angreifen wird oder nicht, ist schwer zu sagen. Dass die politische Linie, die Israel in den letzten achtzehn Jahren verfolgt hat, keinen Sinn macht – außer den oben dargestellten, eher zynischen – ist leicht zu erkennen. Es bleibt zu hoffen, dass die Führer des Landes eine ausreichende Distanz zu der von ihnen selbst ausgerufenen Strategie halten, um keine überstürzten Entscheidungen zu treffen. Ansonsten wären die Ergebnisse – nämlich ein Angriff, der erfolgreich sein kann oder nicht, der in einen dritten Weltkrieg ausarten kann oder nicht – für alle Betroffenen katastrophal. (Von Martin van Creveld)

Martin van Creveld ist Experte für militärische Geschichte und Strategie und hat an der Hebräischen Universität in Jerusalem gelehrt. Er wurde in den Niederlanden geboren und lebt seit 1950 in Israel. Derzeit besucht er Potsdam.


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In diesem Forum gibt es 6 Einträge

» waschi | 13.07.2009, 09:13

Experte  (0) 
Die hämischen Kommentare über diesen Artikel zeigen, dass ihre Autoren van Creveld nicht verstanden haben und auch sein wissenschaftliches Renommee als weltweit anerkannter Militärhistoriker nicht kennen. Er kritisiert den israelischen Politikansatz und wiederholt keineswegs die iranische Propaganda. Er weiß nicht, was der Iran vorhat, hält jedoch die israelische Politik für falsch. Und das ist doch wohl erlaubt. Und vor allem stellt sich wirklich die Frage, warum Israel das iranische Atomwaffenprogramm nicht mit militärischen Mitteln stoppt. An fehlendem know-how oder technischen Unzulänglichkeiten liegt es sicher nicht.

» martin3000 | 11.07.2009, 20:27

Scherzkeks?  (0) 
Selten einen so vor Unkenntnis und Ignoranz strotzenden Artikel gelesen.

" ... die Zionisten und dann die Israelis haben eine lange Geschichte des Alarmschlagens."

Nicht nur angesichts des Holocausts, sondern auch angesichts der nun bereits sechzig Jahre andauernden Angriffe des arabischen Volkes auf das jüdische, kann man den Israelis wohl kaum unberechtigtes "Alarmschlagen" vorwerfen. Die Araber haben 1948 mit einem Angriffkrieg gegen die Staatsgründung Israels reagiert. Hamas, Hisbollah und Co. führen diesen Krieg bis heute.

» Mahmoud | 10.07.2009, 13:06

Tanz mit Teheran  (0) 
Martin van Creveld hat natürlich völlig Recht. Warum sollte der Iran nicht das gleiche Recht wie alle anderen Staaten haben und sein friedliches und militärisches atomares Potential genauso nutzen wie Israel. Im Gegenteil: es ist doch wohl der kapitalistische Westen und der internationalte Zionismus, die sich in die sich in unerträglicher Weise in die inneren Angelegenheiten eines souverären Staates einmischen. Genauso wie die westliche Propaganda von den angeblich gefälschten Wahlen nur der Versuch war, die dem Westen verhasste islmische Republik zu schwächen, zielen auch die seit Jahren geschürten Ängste auf nichts anderes, als auf kapitalistische Verwertungsinteressen - also auf die Ölfelder des Iran ab. Der sehr realen atomaren Bedrohung Irans durch israelische Aggression kann der Iran doch nur mit einer deutlichen Politik antworten, und darum ist der Iran ja geradezu gezwungen, den israelischen atomaren Drohungen mit einer eigenen souverären Atommacht zu antworten. Er schafft damit doch nur ein Gleichgewicht zu der bisherigen atomaren Bedrohung. Wer das legitime Recht eines souveränen Staates nicht anerkennt, ist entweder naiv, oder aber er dient sich der Propaganda der westlichen Ölimperialisten an.

» blockbuster | 10.07.2009, 11:42

Politische Satire?  (0) 
Eine Analyse setzt voraus, dass man bestrebt ist, eine Sachlage möglichst von allen Seiten zu betrachten. Ein Bericht ist ein Bericht, wenn er sachlich und ohne eigene Meinung dargestellt wird. Der Autor scheint mir irgendwie durchs Studium gerasselt zu sein. Aber vielleicht reichts ja für die Satire-Ecke...
Gute Analysen gibts hier: http://www.antiislamisten.de

» isegal | 10.07.2009, 11:26

Wie kommen Sie auf die Idee...  (0) 
...dass das Regime in Teheran überhaupt auch nur das geringste Interesse daran hat die Ihrer Meinung nach irrationalen Ängste in Jerusalem auszuräumen? Teheran führt den Westen an der Nase herum und der lässt es auch noch mit sich machen.

Israel hat in diesem Punkt ein sehr berechtigtes "strategische Interesse", nämlich nicht "von der Landkarte getilgt" zu werden.

Der gegenwärtige Iranische Präsident, der ja bekanntlich irre Endzeitphantasien hat (http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=47074020&top=SPIEGEL). Bei denen die "Ungläubigen" abgeschlachtet werden allen voran "natürlich" die Juden.

Und so ein Irrer soll Interesse daran haben Israel ihre Ängste zu nehmen? Höchstens um sie in Sicherheit zu wiegen und dann doch zuzuschlagen.

» bennsenson | 09.07.2009, 18:17

Unsinn  (0) 
Mit einer steilen These um Aufmerksamkeit bettelnd, lässt dieser "Experte" die gesamte Agitation der Regierung Ahmadinedschads gegen Israel, seine Vernichtungsandrohungen, seine Unterstützung der Hamas und der Hisbollah, seine antisemitischen Holocaustkonferenzen und seine skandalösen Auftritte bei UN-Veranstaltungen einfach weg. Kein Wort davon. Am Ende blamiert sich aber vor allem die Zeitung, die so etwas Hanebüchenes abdruckt. Daumem runter, Märkische.
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