Das Bild könnte gegensätzlicher nicht sein: Dort sommerlich-frohes Beach-Volleyball-Treiben und jenseits der Absperrungen das dumpfe Treffen einer kleinen Gruppe Rechtsextremer.
Bereits gegen 9 Uhr am gestrigen Sonntag waren Polizisten eingetroffen. Sie sperrten mit Gittern den Platz für die angemeldete DVU-Treffen ab. Pfarrer Michael Kiertscher von der Sankt-Katharinen-Kirche schaffte es noch, einen Durchlass für seine Gottesdienstbesucher bei den freundlichen Beamten zu erwirken. Gegen 10.30 Uhr ließen sich 50 Meter weiter die ersten Zuschauer für das „Turnier der Demokraten“ auf Liegestühlen nieder, Kleinkinder spielten im aufgefahrenen Sand des Turnierfelds.
Zu der Gegenveranstaltung zur DVU hatten das Präsidium der Stadtverordnetenversammlung (SVV) und des Stadtsportbundes aufgerufen. 60 Teilnehmer waren gefolgt, darunter viele Stadtverordnete aller Parteien, Mitglieder der Stadtverwaltung, aber auch Studenten der Fachhochschule und Lehrlinge. 15 Mannschaften traten an.
Im Publikum, das in bester Laune zusammen traf, saßen Landtagspräsident und Stadtverordneter Gunter Fritsch (SPD) und Bundestagsabgeordnete Margrit Spielmann (beide SPD): Sie schickte Mann und Enkelsohn ins Turnier: „Gerade Sport als verbindendes Element ist ein gutes Mittel gegen die DVU, Stärke zu zeigen“, sagt Margrit Spielmann. „Es ist schön, dass sich alle Demokraten zum Spiel zusammen finden“, sagte Gunter Fritsch.
„Ich bin einfach gekommen, ich weiß nicht wie die Regeln sind, einfach spielen“, lautete das Motto von Marco Gruschinksi (CDU). In der Berufsschule vor 20 Jahren habe er das letzte Mal einen Ball gepritscht. Da waren die Volleyball-Erfahrungen von Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) frischer: Vor sechs Jahren bei der Aktion „Schüttet das Loch auf dem Neustadt Markt zu“ baggerte sie das letzte Mal.
„Wir zeigen Flagge in der Art, die der Stadt eigen ist, mit dem Sport“, sagte Oberbürgermeisterin Tiemann zum Auftakt. „Wir zeigen, dass wir die nicht in der Stadt haben wollen, ich hoffe, dass die Stadt davon verschont bleibt, dass diese Kräfte hier Fuß fassen.“ Für das SVV-Präsidium sagte Horst Maiwald: Der Sport demonstriere Toleranz und Achtung.
Eine Stunde nach dem Turnierauftakt begannen die ersten DVU-Mitglieder ihren Auftritt vorzubereiten – für einen gerade mal anderthalbstündigen Auftritt, der bei Passanten kein Interesse fand.
Werner Jumpertz, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Brandenburg, freute sich, dass es den Rechten nicht gelungen war, einen Bus für die Anfahrt zu mieten. Auch sein Unternehmen sei von der DVU gefragt worden: „Wir stellen denen doch keinen Bus“, sagt Jumpertz. „Wir als Verkehrsbetriebe sind streng neutral, aber nicht wenn es um Rechte geht. Gegen die beziehen wir klar Position.“ Norbert Langerwisch (SPD) sagte zufrieden – mit dem Kopf in Richtung der knapp zwei Dutzend DVU-Vertreter weisend – „es ist doch gut, die kommen nicht durch“. 13.30 Uhr demontiert die Polizei, die Gitter wieder. Da war das Turnier noch im fröhlichen Gang. Es gewann „Pro Kirchmöser“ vor der FDP und der Linken-Jugendorganisation Solid.
Auch Vize-Polizeichef Andreas Backhoff zeigte sich zufrieden: „Es gab keine Störungen.“ 110 Einsatzkräfte der Polizei teils aus Potsdam, Havelland, Oberhavel und Barnim, zeigten Präsenz. In vier Autos zockelten die DVU-Leute wieder gen Heimat jenseits der Stadt Brandenburg.
„Es war eine gelungene Kiste“, frohlockte Herbert Nowotny (FDP) und packt seinen Silberpokal ein. (Von Marion von Imhoff)