SEWEKOW - Heidi Schäfer vom Heimatverein Sewekow ist ganz aus dem Häuschen. „Es soll doch alles klappen“, sagt sie und dirigiert einen Kraftfahrer in die richtige Richtung. Er ist wie unzählige weitere Menschen aus nah und fern angereist. Sie alle hatten sich seit langer Zeit die 113. Protestwanderung gegen die militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide im Kalender eingetragen, die erstmals in Sewekow stattfinden sollte. Donnerstagmittag hatte der Bundesverteidigungsminister verkündet, dass der Bund auf den Schießplatz verzichtet. So wurde aus der Protestwanderung kurzerhand ein Freudenfest.
Noch am Morgen des 9. Juli hatte die Gemeinde das Protestschild am Ortsrand aufgestellt. Darauf ist wie an vielen anderen Ortseingängen zu lesen, dass sich „diese Gemeinde gegen den Bombenabwurfplatz wehrt“. „Nur wenige Stunden später, nach der Pressekonferenz des Verteidigungsministers, war das Schild dann eigentlich hinfällig“, erzählt Heidi Schäfer. Aber es kam gestern nochmal zu großen Ehren: Ministerpräsident Matthias Platzeck überklebt es, dicht umringt von unzähligen Journalisten. „Die Heide ist frei, 09.07.2009“ steht nun darauf.
Die Stimmung war anders als bei den 112 Wanderungen zuvor. Überall war die Freude über das Erreichte zu spüren, ständig fielen sich Menschen um den Hals, applaudierten überall. Selbst die Besinnung in der Sewekower Kirche wurde durch donnernden Applaus unterbrochen.
Freie-Heide-Sprecher Benedikt Schirge sprach vielen aus dem Herzen: „Es ist unglaublich, was wir in den vergangenen Tagen erlebt haben. Die Heide ist frei!“ Sogar aus Angola seien Grüße eingetroffen, wo sich der Bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei gerade aufhielt. Brandenburgs Staatssekretär Clemens Appel meldete sich aus Island.
Pfarrerin Bettina Dusdal erntete riesigen Beifall als sie reimte: „Lebe glücklich, lebe froh, wie man lebt in Sewekow“.
Wittstocks Ordnungamtsleiter Holger Schönberg aus Schweinrich verspürte „unglaubliche Freude“ über den Freie-Heide-Sieg. Es sei schwer zu realisieren, „dass nun alles vorbei ist.“ Er bedauerte, dass sein im Jahr 2004 verstorbener Vater dies nicht mehr erleben darf. Helmut Schönberg war als Schweinricher Bürgermeister Freie-Heide-Aktivist der ersten Stunde.
OPR-Landrat Christian Gilde dankte „allen, die mir die Kraft gaben. Sonst hätte ich nicht so standhaft sein können“, meinte er zu seinem Kampf gegen das Bombodrom.
Ortsvorsteher Dieter Funkel war euphorisch. Dass die Heide ohne Jagdflugzeuge bleibe, nutze nicht nur dem Tourismus in der Region. Für ihn als Geschäftsführer einer Bio-Landwirtschaft sei dies gar überlebensnotwendig.
Die Zeit der Oster- und Neujahrsmärsche sei sicher vorbei, sagte Benedikt Schirge. Was aus der Bürgerinitiative werde, wisse er noch nicht. (Von Dirk Klauke)