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16.07.2009

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PROJEKT: Auf Spurensuche

Die US-Botschaft in Berlin spürt dem Austausch zwischen der DDR und Amerika nach

POTSDAM - Peter R. Claussen erinnert sich genau: 5000 ostdeutsche Rockfans hatten sich im Juni 1988 Unter den Linden in Berlin versammelt, um dem Konzert von Pink Floyd am Reichstag – also hinter der Mauer – zu lauschen. „Still und andächtig standen sie da, um einige der Töne, die der Wind über die Mauer wehte, zu erhaschen“, erzählt Claussen.

Der heutige Kulturattaché der amerikanischen Botschaft in Berlin war von 1987 bis 1990 Diplomat der US-Botschaft im Ostteil der Stadt. „Auch während der Zeit des Kalten Krieges gab es einen Austausch zwischen DDR-Bürgern und den USA, es wurde über den Eisernen Vorhang geschaut und gelauscht“, erinnert sich der Amerikaner mit deutschen Wurzeln. Um dieser ostdeutsch-amerikanischen Beziehung nachzuspüren, haben Claussen und seine Mitarbeiterin Nancy Rajczak 20 Jahre nach der Wende ein Projekt ins Leben gerufen: Seit einigen Wochen zieht sich eine virtuelle Mauer über die Webseite der US-Botschaft. Auf ihr sollen Erinnerungen von DDR-Bürgern festgehalten werden, die mit den USA in Verbindung standen, sowie Eindrücke von Amerikanern, die in der DDR lebten oder sie besuchten.

„Gerade die persönlichen Erlebnisse interessieren uns“, sagt Claussen und denkt dabei an Besuche von Amerikanern bei ostdeutschen Verwandten oder amerikanische Studenten, die in der DDR studiert haben. „Wir haben die Geschichte von einem Amerikaner gehört, der zur Zeit des Mauerfalls an der Karl-Marx-Universität in Leipzig studiert hat. Nach der Wende hat er in Massachusetts ein Defa-Film-Archiv aufgebaut.“

Am Dienstagabend hat Claussen sein Zeitzeugenprojekt in der Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek vorgestellt und schon da war klar: Es gibt viele dieser kleinen, verborgenen Geschichten, die nur darauf warten, an die Oberfläche geholt zu werden. Claussen selbst hatte als Diplomat in Ostberlin vor allem eine Aufgabe: Kontakte zu DDR-Bürgern zu knüpfen. Das geschah beispielsweise auf der Leipziger Buchmesse: Dort hatte die Botschaft einen Stand und sammelte die Adressen jener DDR-Bürger ein, die sich für amerikanische Literatur interessierten.

Und das ostdeutsche Interesse an der Kultur der USA war groß, weiß Claussen: „Amerika war für die Bürger in der DDR ein Symbol der Freiheit.“ Lebhaft erinnert sich der Diplomat an einen Abend in der Botschaft, als er Studenten aus Potsdam eingeladen hatte, die „Rocky Horror Picture Show“ zu sehen.

Es sind diese Erinnerungen an Erlebnisse auf der jeweils anderen Seite des Eisernen Vorhangs, die heute – zwanzig Jahre nach dem Mauerfall – noch nachklingen und die Claussen mit seinem Projekt aufspüren will. Bis zum 3. Oktober 2010, dem 20. Jahrestag der deutschen Einheit, geht die Spurensuche des Diplomaten weiter. (Von Meike Jänike)


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