Seit dem Jahr 2000 dümpelt der Wohnungsbau in Potsdam auf unzureichendem Niveau. 1000 neue Wohnungen, die jährlich gebaut werden müssten, um dem Bevölkerungswachstum gerecht zu werden, gab es letztmalig 1999. Die Zahl der Haushalte stieg seitdem jeweils zwei bis dreimal schneller als die der Wohnungen. Das geht aus dem „Stadtentwicklungskonzept Wohnen“ hervor, das die Stadt vom Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik erarbeiten ließ.
Das Papier gilt als Argumentationshilfe für die Forderung an das Land nach spezifischen Förderprogrammen und als Hilfe für die Wohnungswirtschaft zur Festlegung ihrer Investitionsstrategien.
Die Analyse zeigt eine Reihe ungesunder Trends. Der Leerstand ist mit 1,3 Prozent so tief, dass die für Marktbewegungen notwendige Mobilitätsreserve fehlt. Die Mieten steigen in allen Segmenten, während die Zahl neu gebauter Quartiere sinkt. Besonders knapp ist das Angebot für Haushalte mit niedrigem Einkommen, junge Singles und Studenten. Für den Hartz–IV-Regelsatz von maximal 5,50 Euro je Quadratmeter Kaltmiete bekommt man fast nur noch Wohnungen in Häusern aus DDR-Zeit. In den unsanierten Drewitzer Plattenbauten gibt es noch Kaltmieten von 4,89 Euro.
Doch von Jahr zu Jahr finden sozial Schwache weniger erschwingliche Wohnungen. Laut Prognose verringert sich die Zahl mietpreisgebundener Quartiere von derzeit 11000 auf 630 im Jahr 2016. Die Bindungsfristen, die der Vermieter nach Inanspruchnahme von Fördermitteln einhalten muss, laufen aus. Auf neue Preisbindungen, die mit vorhandenen Modernisierungsförderprogrammen verknüpft sind, lassen sich Potsdamer Vermieter nicht mehr ein. „Wie denn auch, wenn sie jede Bruchbude und jede sanierte Wohnung sowieso zum geforderten Preis loswerden“, sagt Oberbürgermeister Jann Jakobs. Er will die Landesregierung überzeugen, für Potsdam und den Speckgürtel lukrativere Förderprogramme aufzulegen.
Überraschend an der Bevölkerungsprognose bis 2020 ist der Rückgang in der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen. Der Trend sei zuletzt anders gewesen, sagte Erik Wolfram vom Bereich Stadtentwicklung. Jakobs sieht Bedarf an Studentenwohnungen. „Die Filmhochschulstudenten wohnen in Berlin und denken, Babelsberg sei ein Stadtteil davon“, sagte er. Es sei auch eine „knallharte Wirtschaftsfrage“, ob es gelinge, „interessante Menschen“ und Fachkräfte in die Stadt zu locken und hier zu halten.
Generell, so Jakobs, müssten mehr kleine Wohnungen gebaut werden, wie derzeit im City-Quartier am Bahnhof. Die Planer reden von einem „Sickereffekt“, wenn sie darauf setzen, dass ältere Menschen irgendwann solche Wohnungen beziehen und ihre größeren Quartiere für Familien freimachen. (Von Volkmar Klein)