POTSDAM - Felix Wolf macht gerade Mittagspause. Die hat der Potsdamer nötig, denn er muss dieser Tage ganz schön hart ran. Zusammen mit seinem Trainer Jörg Hoffmann bereitet sich der 19-Jährige derzeit in den Höhen der spanischen Sierra Nevada auf die Schwimm-Weltmeisterschaften in Rom vor. Die Titelkämpfe beginnen am heutigen Freitag mit der ersten Entscheidung der Wasserspringer, die Schwimmer müssen erst in zehn Tagen ins Becken.
Felix Wolf freut sich riesig auf die WM, dabei ist er chancenlos. „Das ist egal, ich darf mit Größen wie Michael Phelps zusammen ins Becken, das ist doch was. Irgendwann werden sie mir nicht mehr so weit davonschwimmen, so ein Aufeinandertreffen wie jetzt ist der erste Schritt dazu“, erklärt der Potsdamer selbstbewusst.
Rückenschwimmer Felix Wolf sicherte sich bei den deutschen Meisterschaften Ende Juni in 1:58,03 Minuten über 200 Meter neben dem nationalen Titel auch die Berechtigung, in Rom dabeisein zu können. „Für deutsche Verhältnisse ist meine Bestleistung super. Nur Helge Meeuw aus Wiesbaden war schon mal schneller“, bewertet Felix Wolf seine Siegerzeit von Berlin, mit der er die deutsche Jahresbestenliste anführt. „Ich habe natürlich nachgeschaut und weiß, dass ich in der Welt damit nur auf Rang 42 stehe“, sagt Wolf und spekuliert dann weiter. Mit Blick auf seine Chancen von Rom werde die etwas bedrückende Platzierung günstiger, wenn man sie nach der WM-Startliste berechnet. „Insgesamt sind zum Beispiel sechs Amerikaner besser als ich, in Rom können aber nur zwei davon starten. Auf dieser Basis wäre ich derzeit 17.“, macht er sich Mut. Sein Ziel für die WM lautet nämlich, den Vorlauf am 29. Juli zu überstehen und damit ins Halbfinale einzuziehen. Das bedeutet, er müsste wenigstens 16. werden, was schon einer Steigerung entspräche.
Doch auch das wird sehr schwer. „So kurz nach der deutschen Meisterschaft schon wieder die Bestform zu erreichen, ist ein großes Problem. Die beiden Titelkämpfe liegen zu nah beieinander“, bemängelt Wolf die Planung des Deutschen Schwimmverbandes. Da die WM-Qualifikationsnormen so hart waren („Das finde ich aber richtig“), mussten sich die Schwimmer speziell auf Berlin vorbereiten. „Nach so einem Höhepunkt fällt man erst einmal in ein Loch, muss neu aufbauen. Dafür wären zwölf Wochen nötig“, erzählt der junge Mann vom Potsdamer SV im OSC, der in Rom auch noch für die Freistilstaffel vorgesehen ist. Weggelassen bei der Komprimierung des Programms werde das Landtraining, zum Beispiel Kraft. Dafür stehe erst die Ausdauer und dann die Schnelligkeit im Fokus der Übungen. „Ich hoffe, dass wir damit noch einmal an meine Bestform herankommen“, sagt Wolf.
Ex-Weltmeister Jörg Hoffmann, der in den spanischen Bergen im Auftrag von Bundestrainer Dirk Lange fünf WM-Starter betreut, kennt die Reserven seines Schützlings. „Ich brauche ab und an etwas Druck“, gesteht Felix Wolf. Einmal bekam er von seinem Trainer ein Buch, in dem das Trainingspensum aus Hoffmanns aktiver Zeit geschrieben stand. „Müsste ich das bewältigen, hätte ich schon mit dem Schwimmen aufgehört“, bestätigt Wolf das Anpacken seiner Ehre. Etwas bewirkt habe es dennoch. „Ich gebe mein Bestes“, verspricht Wolf für die WM-Vorbereitung und für den Weg bis Olympia 2012 in London. Doch erst nach der Mittagspause. (Von Horst Sperfeld)