BRANDENBURG/HAVEL - Ingo Schmidt ist sauer, stinksauer. „Der Mann ist ein Mörder, der verdient keine Sonderbehandlung.“ Aus der MAZ hat der 40-Jährige aus Rädel (Potsdam-Mittelmark) erfahren, dass sich der „Rosa Riese“ nun Beate nennen und auf Kosten der öffentlichen Hand vom Mann zur Frau entwickeln darf. Ingo Schmidt ist der kleine Bruder von Wolfgang Schmidt, jenem Mann, der von 1989 bis 1991 fünf Frauen ermordet und sich an den Leichen vergangen hat. Auf sein Konto geht auch die Tötung eines drei Monate alten Babys.
Er sei überzeugt, dass sich sein Bruder „hinter dieser Frauenrolle“ nur versteckt, sagte Ingo Schmidt im Gespräch mit der MAZ. Sein Bruder habe auch schon vor seinen Morden „von unserer Mutter Wäsche aus dem Schrank genommen“. Auch habe er auf Müllkippen Frauenkleidung gesucht und „bekackt“, wie der Bruder sagte. „Seltsam war er schon, aber davon, dass er weiblich sein wolle, ist nie die Rede gewesen.“ Er teile die Einschätzung von Wilfried Rasch, dem Nestor der forensischen Psychiatrie in Deutschland. Rasch hatte vor 13 Jahren erhebliche Zweifel, dass der „Rosa Riese“ tatsächlich transsexuell ist, wie er vorgab. Wolfgang Schmidt hatte erstmals Mitte der 90er Jahre beantragt, eine Geschlechtsumwandlung finanziert zu bekommen.
Für den Bruder steht fest: „Der macht das bloß, weil er nicht in das normale Gefängnis will.“ Häftlinge wie diese stünden in der Anstaltshierarchie an letzter Stelle. „Und wenn die anderen erfahren, dass er ein Baby brutal getötet hat, würden sie ihm die Hölle auf Erden bereiten.“ Mitte der 90er Jahre habe der Mörder in einer Zeitschrift den Wunsch geäußert, „eines Tages als Frau in Freiheit zu leben“. „Das darf nie im Leben passieren“, sagt Ingo Schmidt. Vielleicht, spekuliert er, „ist er darauf aus, in einem Frauen-Gefängnis zu landen“.
Die Taten des 1,90 Meter großen Hünen haben auch seinem Bruder geschadet. Als bekanntgeworden war, wer hinter den grausamen Morden steckt, „sind Leute in meine Wohnung gekommen und haben mich verprügelt“. Ein paar Einwohner aus Rädel seien es gewesen, „die mir eine Abreibung verpasst haben, damit ich nicht so werde wie mein Bruder“, berichtet Ingo Schmidt. Da auch vom kleinen Bruder Bilder in Boulevardblättern auftauchten, habe er über Jahre immer wieder Ärger mit Arbeitgebern bekommen. Drei Stellen habe er nacheinander verloren. „Bei einem Unternehmen, das mich als Fahrer angestellt hatte, will mich eine Kundin erkannt haben“, sagt er. „Die rief bei der Firma an und sagte, dass sie Angst vor mir habe. Schon war ich wieder draußen.“
Er selbst habe zu spüren bekommen, dass sein großer Bruder „Kraft wie ein Bär“ habe. Ingo Schmidt sei acht oder neun Jahre alt gewesen, als ihn sein Bruder einmal zusammengeschlagen habe. Überhaupt sei die Kindheit der Brüder in dem kleinen Dorf bei Lehnin von häuslicher Gewalt geprägt gewesen. Wolfgang Schmidt hatte in seinem Prozess als Motiv den Hass gegen seine Mutter genannt. „Den Groll gegen unsere Mutter kann ich verstehen“, sagt Ingo Schmidt. „Aber warum mussten deshalb fünf fremde Frauen und ein Baby sterben?“ (Von Heiko Hesse)
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