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03.09.2009

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SICHERHEIT: Verbrecherjagd aus der Luft

Wasserschutzpolizei überflog gestern die Elbe mit dem Tragschrauber

PERLEBERG - Von Weitem wirkt er wie ein riesiges Insekt, das am Himmel schwebt. Die Rotorblätter sind aus der Entfernung nicht zu erkennen. Auch die Landung des Tragschraubers – auch Gyrocopter genannt – hat mit der eines klassischen Helikopters wenig gemein, wie Beamte der Wasserschutzpolizei Wittenberge und des Schutzbereichs Prignitz gestern feststellen konnten. Anstatt senkrecht aufzusetzen wie ein Hubschrauber, landete die Maschine nach langem Sinkflug zunächst auf den hinteren ihrer drei Stützräder auf dem Perleberger Flugplatz.

Olaf-Jens Draheim hatte das Fluggerät geordert, das 2007 in Brandenburg im Rahmen eines Pilotprojektes angeschafft wurde und seit dem Vorjahr auf seine Alltagstauglichkeit im Polizeidienst getestet wird. „Wir fliegen damit 72 Kilometer Elbe ab sowie Stepenitz, Löcknitz und Nausdorfer Moor“, erläuterte der Leiter der Wasserschutzpolizei auf MAZ-Nachfrage. Aus der Luft lasse sich etwa gestohlene Bootstechnik besser ausmachen. Auch sei es leichter, Fischwilderern auf die Spur zu kommen, da Netze und Reusen sowie verborgene Fußwege zum Ufer aus der Vogelperspektive leichter zu erkennen seien. Illegales Angeln und Fischen seien nicht selten in der Prignitz. Der Fischer vom Rudower See etwa habe zur Anzeige gebracht, dass er immer weniger Aale fange. Im Vorjahr habe die Wasserschutzpolizei deshalb begonnen, Schlauchboote zum Aufspüren der Übeltäter einzusetzen. Die Aufklärungsquote von Umweltstraftaten sei seitdem um 100 Prozent gestiegen. Mithilfe des Tragschraubers seien gewiss weitere Fahndungserfolge zu erwarten, meinte Draheim. Entdecke die Wasserschutzpolizei etwa illegale Zuflüsse von Abwasser, wilde Deponien mit Abfällen oder Altlasten wie Asbest, leite sie dies zudem an andere Ordnungsbehörden im Landkreis weiter.

Die Digitalkamera um den Hals nahm Draheim schließlich hinter Steffi Peters Platz. Die 22-Jährige ist Fluglehrerin und wurde von der brandenburgischen Polizei als Pilotin für den Tragschrauber angeheuert, der normalerweise in Saarmund stationiert ist. Sie chauffierte den Behördenleiter gestern sicher über die Wasserflächen der Elbtalaue, damit er etwaige Gesetzesverstöße aus der Luft dokumentieren konnte. Ob ihm dabei ein „dicker Fisch“ ins Netz ging, wird sich aber wohl erst nach eingehender Analyse des Fotomaterials erweisen.

Für den reibungslosen Ablauf sorgte gestern auch Polizeihauptmeister Sven Wagner, der das Pilot-Projekt von der ersten Stunde an betreut hat. „Im Land gibt es kontroverse Diskussionen, ob es sinnvoll ist, Tragschrauber im Polizeidienst einzusetzen“, sagte er. Ein schlagendes Argument dafür seien sicherlich die niedrigen Kosten. Während ein Helikoptereinsatz bis zu 3000 Euro pro Stunde koste, seien es beim Gyrocopter nur 150 Euro, da er nur 15 Liter Super bleifrei auf 100 Kilometern verbrauche. Zudem sei er sei in der Lage, vier Stunden am Stück zu fliegen und das in geringer Flughöhe. „Bei der Suche nach vermissten Personen würde man aber immer einen Helikopter einsetzen“, schränkte Wagner ein. Sie hätten mit Wärmebildkameras und anderem Zubehör die eindeutig bessere Technik an Bord. Insofern sei der Tragschrauber eine sinnvolle Ergänzung der polizeilichen Luftflotte. (Von Dorothea von Dahlen)


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