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03.09.2009

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KONGRESS: Europas Sprachen bleiben wichtig

Übersetzer und Dolmetscher treffen sich an der Berliner FU / Der Präsident des Bundesverbands spricht über den Beruf

Johann J. Amkreutz ist Präsident des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer. Rüdiger Braun sprach mit ihm über die Zukunft des Berufs und den Sinn des großen Kongresses an der Berliner FU.

MAZ: Herr Amkreutz, wie viele Anmeldungen haben Sie schon für Ihren Kongress?

Johann J. Amkreutz: Es kommen mehr als 1550 Teilnehmer aus über 40 Ländern. Die Teilnehmer mit der weitesten Anfahrt kommen aus Neuseeland.

Ist ein Kongress dieses Umfangs die Regel?

Amkreutz: Nein, das ist nur die Regel, wenn die Fédération Internationale des Traducteurs, der internationale Dachverband der Übersetzer und Dolmetscher, zu einem Kongress lädt. Aber bei einem einzelnen Verband wie dem Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer ist es relativ selten, dass so viele Personen anreisen.

Ihr Kongress heißt „Übersetzen in die Zukunft“. Es geht da sicher um die zukünftige Rolle des Übersetzens.

Amkreutz: Der Titel ist doppeldeutig. Er spielt auf unsere Berufsbezeichnung an und fragt gleichzeitig: Wie wird der Übersetzer morgen übersetzen? Wie arbeitet er in Zukunft?

Geht es dabei um fremdsprachige Literatur?

Amkreutz: Nicht nur um Literatur. Es geht um Kollegen, die generell Fachtexte übersetzen. Wir haben zum Beispiel einen großen Bedarf in der Politik. Abgeordnete des Deutschen Bundestages verlangen zum Beispiel, dass ihnen die Vorlagen aus Brüssel auch in deutscher Sprache vorgelegt werden, selbst wenn sie die fremde Sprache beherrschen – und zwar zu recht, denn das verlangt auch das Gesetz.

Wird das auch in Zukunft so sein? Inzwischen lernt jeder in der Schule Englisch.

Amkreutz: Das ist schon richtig. Aber Englisch in diesem Sinne ist ein Kommunikationsmittel, das heißt, jeder muss so viel Englisch können, dass er sich mit einem anderen in Englisch verständigen kann. Aber es ist nicht die Sprache der Politik, der Wirtschaft und der Technik. Werden Maschinen nach Algerien geliefert, wird die Dokumentation nach wie vor auf Französisch verlangt, gehen sie nach Südamerika, wird sie – von Brasilien abgesehen – in Spanisch erforderlich sein.

Gibt es bestimmte Sprachen, die wichtiger sein werden als sie es in der Vergangenheit waren?

Amkreutz: Nein, die europäischen Verkehrssprachen bleiben die wichtigsten. Es sprechen zum Beispiel 300 Millionen Menschen auf der Welt Spanisch, obwohl natürlich in Spanien selbst keine 300 Millionen leben.

Was ist mit dem Chinesischen? China wird politisch immer wichtiger.

Amkreutz: Das ist richtig. Nur müssen wir China selbst betrachten. Vergangenes Jahr in Shanghai habe ich zu meinem Erstaunen erfahren, dass dieses Riesenreich intern bis zu 50 verschiedene Sprachen kennt. Das heißt, dort muss intern schon übersetzt werden. Hinzu kommt, dass dort Dolmetscher und Übersetzer für westliche Sprachen ausgebildet werden. Das heißt, China wird zum Beispiel für Produkte, die es nach Europa oder in die USA verkauft, die Bedienungsanleitung in der jeweiligen Landessprache liefern. Früher war das immer sehr holprig und falsch, inzwischen ist das erheblich verbessert worden.

Heißt das, wir als Europäer müssen überhaupt kein Chinesisch können, weil sich die Chinesen auf uns einstellen?

Amkreutz: Wenn jemand Begabung für Russisch oder Chinesisch hat, soll er oder sie das studieren. Andere werden weiterhin die europäischen Verkehrssprachen lernen.

Werden die Chinesischsprechenden nicht doch einen Marktvorteil haben?

Amkreutz: Das glaube ich nicht. Derzeit ist zum Beispiel auch der Bedarf an Übersetzern fürs Russische nicht sehr groß. Viele Kollegen aus Ostdeutschland, die zumeist Russisch studiert haben, haben Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden. Es studieren nämlich viele russische Kollegen westliche Sprachen und bieten ihre Dienste auch innerhalb der EU an.

Spielen solche Fragen auch auf der Konferenz eine Rolle?

Amkreutz: Sicherlich, so berichtet zum Beispiel eine Kollegin über Probleme von Chinesischübersetzern auf dem deutschen Markt. Aber hauptsächlich geht es darum, wie der Beruf des Übersetzers künftig aussieht. Als Übersetzer gehen wir alle mit modernen Instrumenten um, nämlich mit einer Software namens Computer Assisted Translation. Diese Hilfen sind insbesondere bei der technischen Dokumentation sehr nützlich wie zum Beispiel bei Bedienungsanleitungen oder Handbüchern. Dort gibt es viele Begriffs- und Satzwiederholungen.

Werden die Maschinen einst den menschlichen Übersetzer überflüssig machen?

Amkreutz: Nein, man wird den Humanübersetzer immer brauchen. Die Maschine ist nur so intelligent wie der Humanübersetzer, der mit ihr arbeitet und sie füttert. Gleichzeitig wird das Volumen an technischen und politischen Übersetzungen immer größer werden.

Es ist also durchaus ratsam, so ein Fach zu studieren?

Amkreutz: Ja, man sollte zwei Sprachen studieren und sich von Anfang an inhaltlich spezialisieren, zum Beispiel auf Technik, Medizin oder Jura.

Kann ich auch hier in der Region Übersetzen studieren?

Amkreutz: Da haben wir ein Problem. Bis vor Kurzem wurden auch an der Humboldt-Universität Dolmetscher und Übersetzer ausgebildet. Das wurde eingestellt.

Könnte der Kongress auch ein Zeichen für einen Übersetzerstandort Berlin sein?

Amkreutz: Auch! Wir wollen im Rahmen des Kongresses auf diese Problematik aufmerksam machen.Wir finden es unverständlich , wenn es in Berlin keine entsprechende Ausbildung gibt.


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