Regelmäßig vor Wahlen tun sich schwarze Löcher auf. Bestimmte Dinge sagt, denkt, fühlt, weiß man nicht als getreuer Parteisoldat. Personalien und Posten gehören dazu und vor allem jegliche Szenarien eines ungünstigen Wahlausgangs. Ungesagt, ungeschehen ist der Hokuspokus-Aberglaube hinter diesem Ritual. Dagegen hat Peer Steinbrück verstoßen und sich die Frechheit herausgenommen, das Denkbare auch zu denken. Und zu sagen. Das ist durchaus erfrischend in diesem verschwiemelten Wahlkampf. Der realpolitische Hintergrund ist freilich für die SPD in der Tat nicht sonderlich amüsant. Wer, wie Steinbrück, eine Fortsetzung der Großen Koalition für möglich hält, spricht indirekt aus, dass SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier nach allem Augenschein der Umfragen kein Kanzler wird. Wer die Große Koalition im Munde führt, sagt auch: Jede Stimme für die SPD ist eine Stimme für den Stillstand. Es ändert sich nichts. Und er stukt die Wähler darauf, dass Veränderung in welche Richtung auch immer am sichersten mit einer Stimme zu erreichen ist, die man nicht der SPD gibt. Das hat Peer Steinbrück denn wohl doch nicht sagen wollen.