Die Piraten werden immer mehr. Mitte Oktober soll ein eigner Kreisverband der Piratenpartei gegründet werden – der vierte im Land. „Noch sind wir eine lose Ansammlung von Piraten“, sagt Tobias Kriesel, der als erster Brandenburger der Partei beitrat. Inzwischen wächst die Mitgliederzahl fast jede Woche. Auch auf der Straße ist die Piratenpartei inzwischen präsent. Auf Plakaten werden die Wähler aufgefordert, ihren „Änderhaken“ einzusetzen.
„Wir sind eine Protestpartei mit vernünftigen Zielen“, sagt Kriesel. Neben enttäuschten Wählern etablierter Parteien ziele man daher auch auf diejenigen, die gar nicht mehr wählen wollen. Den anderen Parteien bereiten die Stimmenräuber durchaus Kopfzerbrechen. „Vielleicht nehmen wir denen die entscheidenden Prozentpunkte ab“, hofft Kriesel, der daran glaubt, dass die Piraten bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde überspringen können.
Zur Landtagswahl treten die Piraten nicht an, weil es Formfehler bei der Anmeldung gab. Klassischen Wahlkampf betreibt die 2006 gegründete Partei nicht. Ihre Themen verbreiten und diskutieren die Anhänger vor allem im Internet, dem Medium, für dessen Freiheit sie kämpfen. Dabei geht es nicht nur um ungehinderten Zugang zu Informationen oder die Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung und Telefonüberwachung. „Unsere Themen leiten sich aus den Grundrechten ab, dazu gehört auch das Recht auf kostenlose Bildung“, sagt Pirat Michael Hensel. Transparente Politik, Bürgerhaushalte und Bürgerbeteiligung sind weitere Themen. Die Ziele bei den etablierten Parteien durchzusetzen, darauf haben die Piraten keine Lust, weil sie deren „verkrustete Strukturen“ ablehnen. Deshalb machen sie ihr „eigenes Ding“. Dabei sind die jungen Politaktivisten, der Altersdurchschnitt liegt bei unter 30 Jahren, durchaus umgarnt. Kriesel ist aber schon zufrieden, wenn andere Parteien Piratenpolitik übernehmen. „Am besten wäre, wenn es die Piraten gar nicht bräuchte, sagt der 27-jährige Schiffsbaustudent. (kd)