NIEMITZ/BARUTH/MARK - Rund 40 Bürger aus Baruth und seinen Ortsteilen nahmen gestern an der zweiten Erörterungsrunde zur geplanten Ferngasleitung mit Verdichterstation teil. Werner Molsner, Ortsvorsteher der von den Planungen am meisten betroffenen Siedlung Radeland und zugleich Mitglied der Baruther Stadtverordnetenversammlung, sprach von einer anfänglich gereizten Stimmung in dem Hotel in Niemitz bei Lübben. Erst mit der Zeit hätten sich die Emotionen gelegt.
Großen Beifall bei den etwa 60 anwesenden Bürgern habe es für den Anwalt von Groß Köris gegeben. Der Jurist habe das Projekt grundsätzlich in Frage gestellt, so Molsner. „Es gibt keinen Bedarf, weil es keine Abnehmer für das Gas gibt“, zitiert Werner Molsner, „die Behörden handeln in vorauseilendem Gehorsam.“ Tatsächlich, so Molsner, gäbe es für die Pipeline weder eine Zuleitung noch potenzielle Abnehmer, doch in den Ämtern werde bereits Baurecht geschaffen. Die Kosten dafür würden später auf die Kunden umgelegt. Sollten Opal-Gasleitung und -Verdichterstation kommen, sieht Molsner die energiepolitische Arbeit in Baruth der letzten zehn Jahre sowie die internationalen Klimaschutzziele konterkariert. Das Baruther Gewerbegebiet beziehe seine Energie vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen, etwa durch Kraft-Wärme-Kopplung, und gelte als Vorbild. Er und die Mitstreiter einer Bürgerinitiative rechnen mit rund 500 000 Tonnen Kohlendioxidausstoß durch die geplante Verdichterstation. Dabei gebe es Alternativen, etwa Elektroverdichter. Diese seien jedoch durch den Betreiber der geplanten Anlage, die Wingas AG, nie ernsthaft in Betracht gezogen worden. Wingas habe den Bau von zwei kleineren Elektroverdichtern gestern als zu teuer bezeichnet.
Die geplanten vier Flugzeugturbinen hätten eine Energieeffizienz von nur 30 Prozent. „Das bedeutet Unmengen an CO2“, so Molsner. Dazu käme der Lärm. Aus drei Schornsteinen kämen dann 500 Grad heiße Abgase, die uneffektiv in die Landschaft gepustet würden. Ein Elektroverdichter hätte hingegen einen Wirkungsgrad von 90 Prozent. Wingas hingegen müsse, um die Anlage zu betreiben, Kohlendioxidzertifikate kaufen. „Das zeigt, dass die Anlage unwirtschaftlich ist“, so Molsner.
Nicht eine der gestern geäußerten Einwendungen habe das Opal-Projekt befürwortet. Ein Bürger aus Radeland habe in der Anhörung gesagt: „Wenn man in der falschen Richtung unterwegs ist, soll man nicht noch die Geschwindigkeit erhöhen.“ (Von Christian Zielke)