POTSDAM / SCHIFFBAUERGASSE - Ein bisschen kokett war der Prolog zum Auftritt, musikalisch im Stile des berühmtesten Geheimagenten der Welt untermalt, ja schon. Und zutreffend war die typisch opulent und bond-mäßig glamourös daherkommende Liedzeile „Er zählt Erfolg, doch nie Applaus“ eben nicht. Denn am Ende, nach mehr als zwei Stunden Programm in der fast voll besetzten Waschhaus-Arena, konnte sich Medienkritiker und Comedian Oliver Kalkofe natürlich über reichlich Beifall freuen.
Vorausgegangen war eine bunte Mischung: Standups zur neuen gelb-schwarzen Bundesregierung, Einspielerfilmchen aus Kalkofes mit dem Grimmepreis geehrter Sendung „Mattscheibe“, Medienkritik inklusive Schmähung der Bild-Zeitung. Wer zum in Hannover Geborenen kommt, darf nicht zimperlich sein oder gar auf Political Correctness hoffen. Viel mehr kommen die Zuschauer sogar, um das Gesicht der Kanzlerin mit dem eines „menstruierenden Mopses auf Migräne“ verglichen zu wissen. Das Antlitz ihres neuen Compagnons Guido habe am Wahlabend dem eines „Spanferkels, das gerade in der Zuckerrübenlotterie gewonnen hat“, geähnelt. Als Kalkofe merkwürdige Wahlplakate der letzten Jahrzehnte an die große Leinwand werfen lässt, darf das berüchtigte Dekolleté-Motiv, das CDU-Kandidatin Vera Lengsfeld mit Merkel zeigt, nicht fehlen. Humorist Kalkofe macht daraus eine an die 1970er erinnernde Sci-Fi-Mär: „Titty und Busella“. Und anhand der großzügigen Öffnungen im Material kann man eben auch Überhangmandate bestens erklären.
Nicht alles war neu. Den Tester, der im Fernsehen der DDR die Qualitäten des neuesten Trabant-Modells vorstellen musste, hat man schon häufig gesehen. Den Zuschauern war es egal – sie lachten über Kalkofes Wandlungsfähigkeit in den angenommen Rollen. Ohnehin lief der Comedian zur Hochform auf, als es um mediale Geschmacksverirrungen wie „Giulia in Love“ ging. Mit Ausschnitten aus der im Sommer leider ausgestrahlten Dokusoap, in der die Ex-Dschungelcamp-Bewohnerin Giulia Siegel den Mann fürs Leben suchte, bewies er, das die verwöhnte Produzenten-Tochter vor allem eines ist: „So feminin und charmant wie ein Einlauf mit einer Bazooka.“ (scho)