POTSDAM / INNENSTADT - Der Umbau der Stadt- und Landesbibliothek ist um mehr als ein Jahr aufgeschoben. Das gab Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) im jüngsten Kulturausschuss bekannt. Die bisherige Bauplanung müsse im ersten Quartal 2010 überarbeitet werden. Ein Baubeginn sei dann noch 2010 möglich. Insgesamt habe man damit „ein Jahr verloren“, so Magdowski. Sie versicherte im Ausschuss, dass die bereits bewilligten rund zehn Millionen Euro für den Ausbau des Bibliotheksbereiches und der Volkshochschule, die ebenfalls einziehen soll, auch weiterhin sicher seien.
Als Grund für die Verzögerung nannte Magdowski aus der Zeit vor ihrem Amtsantritt im Sommer 2009 herrührende Planungsfehler und Zeitverzug. So sei um 2005 eine erste Kostenplanung für den Umbau der Stadt- und Landesbibliothek aufgestellt, dann aber nicht fortgeschrieben worden. Eine von der Kämmerei in Auftrag gegebene Prüfung des Bauvorhabens durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC) ergab schließlich im Frühjahr dieses Jahres einen Fehlbetrag von 2,5 Millionen Euro, der laut Magdowski hauptsächlich durch die jahrelang ausgeblendete Kostenentwicklung am Bau verursacht wurde. Wie berichtet, mündete das PWC-Gutachten in die Empfehlung, den Magazinbestand der Bibliothek zu reduzieren, um eine Etage für Fremdvermietungen frei zu bekommen.
Eine von Magdowski als erste Amtshandlung nach ihrem Antritt als Dezernentin in Potsdam einberufene Expertenkommission kam hingegen zu dem Ergebnis, dass die Magazinbestände weitestgehend erhaltenswert seien. Sie empfahl jedoch, einen Teil des Bestandes mit selten benötigten Medien in einem kostengünstigeren Speicher in Stadtrandlage unterzubringen. Wissenschaftliche Spezialsammlungen sollten möglichst zusammengehalten werden, allerdings hatte das Wissenschaftsministerium eine Vermittlung zu den Hochschulbibliotheken im Land zwecks teilweiser Übernahme und Auslagerung angeboten. Nach Angaben von Bibliotheksdirektorin Marion Mattekat hat es aber noch keine Übernahmeofferten gegeben.
Magdowski bekräftigte, dass die Bibliothek nicht bei laufendem Betrieb saniert werden soll, wie ursprünglich geplant. Stattdessen soll der Ausleihbetrieb in den zwei Jahren Bauzeit an einem Ersatzstandort in der Innenstadt abgesichert werden.
Auf Nachfrage von Kulturausschusschefin Karin Schröter (Linke) wiederholte Magdowski, dass sie mit ihrem Kultur-Fachbereich gern selbst in die zusätzlich zur Verfügung stehende Etage in der umgebauten Bibliothek ziehen würde. Wie berichtet, hatte Magdowski in einem Pressegespräch den Vorschlag unterbreitet, dass man die bislang vom Kulturbereich genutzte Villa in der Hegelallee 9 nach dem Umzug verkaufen und den Erlös zur Finanzierung des Biblio-
theksumbaus nutzen könnte. (Von Volker Oelschläger)