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03.11.2009

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FILM: Ein Grab für Rammstein

In und um Schloss Marquardt entsteht ein Musikvideo der Band

MARQUARDT - Der morbide Charme von Schloss Marquardt ist die passende Kulisse für ein Video zum neuen Rammstein-Album „Liebe ist für alle da“. Mit dem frischen und gewohnt umstrittenen sechsten Studio-Silberling stürmten die Brachialmusikanten gerade an die Spitze der Charts. Jetzt soll die Menschen-Schnetzel-Ästhetik des aktuellen Booklets offenbar im Video weitergeführt werden.

Das Text-Foto-Faltblatt mit barock inszenierten Kannibalismus-Motiven ist jedenfalls nicht jugendfrei. Im Saal des gemieteten Schlosses sah es gestern ähnlich aus: ein Dutzend Darsteller, die Herren im Frack, die Damen in schönen Kleidern. Sie saßen um den großen Tisch. Wächserne Gesichter wie auf Schloss Dracula. Ein Leichenschmaus? Die Dame von der Produktion schweigt eisern. Außer, dass hier „vielleicht“ das Video zur neuen Platte entsteht, ist ihr nichts zu entlocken. Alles Top secret. Das Management der Kultrocker äußerte sich gestern nicht zu dem Dreh.

Draußen auf der Seeterrasse rollt inzwischen ein schwarzer Leichenwagen vor. Die Herren im düsteren Kleide stammen von einer Berliner Bestattungsfirma und sagen, sie seien für den Rammstein-Dreh engagiert. Ein Kampf beginnt, einer wird am Boden gehalten, ein anderer richtet die Pistole auf ihn. Das Grab neben dem düsteren Engel ist schon am Vortag geschaufelt worden. Der Sarg steht bereit.

Neben dem Menschenfressen gehört Nekrophilie zu den Themen, mit denen sich die Band neben ihrer weltweiten Fangemeinde seit 15 Jahren eine ebenso hartnäckige Verächter-Kommune sichert. Rammstein ist ohne das Spiel mit den Gebrechen der Welt, mit den Symbolen der Diktatur, mit Sadomasochismus oder Brandstiftung nicht zu denken.

Ortsvorsteher Wolfgang Grittner sieht die Sache gelassen. Die Stadt erteile Drehgenehmigungen nur, wenn nachts keine Schweinwerfer eingesetzt würden und Musik nicht zu laut spiele – Bedingungen, die für jede Geburtstags- oder Hochzeitsfeier gälten, die im Schloss stattfinde. Es sei ein beliebter Drehort. Szenen für den Effi-Briest-Film, der in diesem Jahr erschienen ist, seien auch hier gedreht worden, sagt Grittner. V.Kl./sy


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