FALKENHAGEN - Vor allem das Auslandsgeschäft habe der EOP rote Zahlen beschert, hieß es gestern in der Ad-Hoc-Meldung des börsennotierten Biodieselherstellers, deshalb rechne man mit einem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag. Dennoch sei das Unternehmen zahlungsfähig und verfüge über ausreichende liquide Mittel.
Der Gründer und Vorstandsvorsitzende Sven Schön hat sich zudem entschieden, seine Position niederzulegen. Der Aufsichtsrat hat gestern nunmehr Heinz-Dieter Sluma in das Amt berufen. Jörg Jacob (62) hat die Verantwortung als Finanzvorstand übernommen. Bengt Korupp (38) bleibt als Vorstandsmitglied weiterhin für für die Bereiche Einkauf und Vertrieb verantwortlich.
In erster Linie will der neue Vorstand der EOP nun mit den finanzierenden Banken ein Sicherungskonzept für die Zukunft erarbeiten. „Es gilt Altlasten zu beseitigen und die Bilanz entsprechend zu bereinigen“, sagte Sluma. Gleichzeitig wolle er für mehr Transparenz in den Geschäftsprozessen sorgen.
In den vergangenen Monaten hatte sich die Situation bei der EOP stetig zugespitzt. Zum einen hatte die Rücknahme der Steuervorteile für Biodiesel das Kundeninteresse am Biosprit schrumpfen lassen. Trotz Zwangsbeimischung gibt es zudem einen Biodiesel-Überschuss auf dem gesamtdeutschen Markt, der zu einem Preisverfall geführt hatte. Und im gleichen Zuge, in dem die EOP zwecks Rohstoffsicherung Raps zu verhältnismäßig hohen Preisen eingekauft hatte, fielen die Preise für Mineralöl-Diesel, an dessen Preisnentwicklung auch der Preis für Biodiesel gekoppelt ist.
Im schwierigen Marktumfeld von stark schwankenden Kraftstoffpreisen und den ebenfalls recht unberechenbaren Einkaufspreisen bei, Landwirtschaftsprodukt Raps will der neue Vorstandschef nun ein System finden, wie man sich an „die äußeren Parameter so anpassen kann, dass das Unternehmen bessere Reaktionsmöglichkeiten“ habe.
In welcher Form, ließ er zunächst offen: „Dafür eine Strategie zu entwickeln, wird Aufgabe der nächsten Wochen sein.“ Dazu gehöre zum einen die Sanierung der Finanzen, doch bedeute „Restrukturierung“ mehr als das, und betreffe ebenso die kompletten Geschäftsabläufe: „Hier muss mehr Transparenz rein.“
Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2008/ 2009 verzögere sich bis zum Jahresende, hieß es in der Meldung der EOP Biodiesel, auch die Jahreshauptversammlung, ursprünglich geplant für den 15. Dezember, werde daraufhin verschoben.
Die EOP–Aktie verlor an der Frankfurter Börse rund 16 Prozent ihres Wertes von morgens 78 Cent auf 65 Cent am Nachmittag, erholte sich aber von einem kurzfristigen Einbruch auf 55 Cent. (Von Claudia Bihler)