POTSDAM / BERLINER VORSTADT - Grün ist nicht gleich Grün. Noch immer sind die Stahlträger der Glienicker Brücke unterschiedlich gestrichen – ein sichtbarer Hinweis auf die jahrzehntelange Teilung. Weshalb ausgerechnet dieser Havelübergang bis zum Mauerfall „Brücke der Einheit hieß, hat sich mir nie erschlossen“, sagt Matthias Platzeck, der zu DDR-Zeiten ganz in der Nähe wohnte und zu gern gewusst hätte, wie es auf der Berliner Seite zugeht. Am 10. November 1989, am Tag nach dem Mauerfall, hob sich auch hier der Grenz-Schlagbaum, und Platzeck feierte „bis in den Morgen“ in Berlin-Wannsee. Gestern lud Brandenburgs Ministerpräsident gemeinsam mit Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) anlässlich der Öffnung eines legendären Symbols der deutschen Teilung vor 20 Jahren zu einem großen Bürgerfest ein.
Zum Auftakt des Spektakels spielen Marching-Bands aus den USA und Russland. In einer knapp einstündigen Video-Inszenierung auf zwei Großleinwänden verwandelt sich das 1907 dem Verkehr übergebenen Bauwerk in eine begehbare Bühne, auf der die wechselvolle Geschichte bis zur emotionalen Grenzöffnung 1989 erzählt wird – inklusive Illumination und Pyrotechnik. Künstler illustrieren die einzelnen Kapitel etwa durch Pantomine; es erklingt Musik der Gruppe „Grenzenlos“. Auch Zeitzeugen sollen zu Wort kommen. Die Akteure agieren auf einem 128 Meter langen Laufsteg, der die Brücke in zwei „Einbahnstraßen“ teilt, erklärte Roland Pohl von der Veranstaltungsagentur Artecom, die auch die Potsdamer Schlössernacht ausrichtet. Die Brücke sei in „gutem Zustand“ und werde die Besuchermassen aushalten, so Pohl, der über den Berliner Senat die Genehmigungen einholte. Zehntausende Menschen werden erwartet.
Einen Agentenaustausch, wie ihn Friedhelm Schatz, Chef des Filmparkes Babelsberg, gern nachstellen würde, gebe es wohl aber nicht, sagte Jann Jakobs. Er freue sich, dass das Fest mit der Eröffnung der dank Springer-Vorstand Matthias Döpfner sanierten Villa Schöningen als Museum mehr als ein „singuläres Ereignis“ sei. Geübt darin, Staus anzukündigen, appellierte Jakobs an die Festbesucher aus Berlin und Brandenburg, in Ermangelung ausreichender Parkplätze öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Das von der Stadt und dem Land initiierte Fest untersützen Sponsoren wie die Mittelbrandenburgische Sparkasse und Potsdams Stadtwerke. (Von Carola Hein)