Der in Potsdam lebende Bildhauer und Maler Alex Agwanjan hat eine fotografische Ikone der deutschen Teilungsgeschichte als Skulptur geschaffen. Das von Peter Leibing aufgenommene Bild des Volksarmisten Conrad Schumann, der im August 1961 über den Grenzstacheldraht sprang, ging um die Welt und ist bis heute ein Symbol der deutschen Teilung.
Der in Jerewan und Sankt Petersburg ausgebildete Agwanjan lebt seit 1987 in Potsdam, wo er einst als Soldat der sowjetischen Armee für hochrangige Generäle Auftragskunst schaffen musste. Die Zwänge der Militärdiszi-plin und des autoritären Regimes waren, wie er heute ironisch anmerkt, „kein günstiger Nährboden“ für die Entfaltung künstlerischer Visionen.
Nach der Wende sprang auch Agwanjan über diese Vergangenheit und widmete sich fortan jenen künstlerischen Themen, die ihm am Herzen liegen: dem alten Preußen und Potsdam zum Beispiel, die er in seinen Gemälden und Skulpturen wieder auferstehen lässt (MAZ berichtete). Ein weiteres Projekt ist ein Monumentaldenkmal für den russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch in Sankt Petersburg, das im September enthüllt wurde.
Da Agwanjan den Mauerfall unmittelbar miterlebt hatte, war es stets sein Wunsch, diesen Teil der Geschichte, der auch sein Leben so stark beeinflusst hatte, zu verewigen. Die Idee für die Skulptur „Der Mauerspringer von 1961“ entstand durch den Kontakt mit den Initiatoren einer provisorischen Figur, die zeitweise in der Bernauer Straße in Berlin stand. Die Brüder Florian und Michael Brauer hatten für die Vorstellung ihres Konzepts im Sommer öffentlich zwar Zuspruch erhalten, nicht jedoch von den zuständigen Berliner Stellen. Die Zusammenarbeit mit Agwanjan ist nun der Versuch, doch noch eine Großplastik aus Bronze zu schaffen, die dauerhaft an einem Ort mit Bezug zur Geschichte der deutschen Teilung ihren Platz findet. Als Glücksfall erwies sich dabei Agwanjans Zusammenarbeit mit dem Bildhauerkollegen Konstantin Garabach, der die ideale technische Lösung zur Fertigung dieser schwierigen Skulptur fand. Gegossen wurde die jetzige, rund 40 Zentimeter hohe Bronze-Skulptur in St. Petersburg. Das Problem sei der Stacheldraht, erläutert Agwanjan. Der liegt spiralförmig auf dem Boden, der Soldat berührt ihn nur mit einem Fuß. Keine leichte Sache, da Stabilität hineinzubekommen; zumal er auf Stifte zum Fixieren der Figur unbedingt verzichten wollte, so der Künstler.
Nachdem diese technische Frage geklärt ist, bereitet jetzt lediglich noch die Finanzierung Sorgen. Der Unternehmensberater Thomas Gebauer habe bereits für eine Anstoßfinanzierung des Vorhabens gesorgt, so der Künstler. Geplant sei nun, weitere private Sponsoren zu finden. In der Zwischenzeit möchte das Künstlerteam durch den Verkauf von kleinen Skulpturen Geld für die Produktion der Großplastik sammeln. Im kommenden Jahr wolle er den „Mauerspringer“ in einer Kleinserie fertigen, sagte der 51-Jährige der MAZ. Basismaterial wäre dann Polyester statt Bronze; die Größe ist die gleiche wie beim jetzigen Unikat. Bester Standort für die geplante Großplastik wäre aus Sicht des Künstlers der Bereich gegenüber der neuen Berliner Großarena, wo sich Ost und West treffen. Auch der Checkpoint Charly sei ein guter Platz.
Wer das Projekt unterstützen will, kann unter mit dem Künstler Kontakt aufnehmen. (Von Carsten Schmidt)