BEELITZ - Am 9. November fiel nicht nur die Mauer. In Deutschland brannten in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 jüdische Synagogen. Geschäfte und Wohnungen jüdischer Bürger wurden zertrümmert, mehr als 1300 Menschen ermordet. Auch der Lehrer und Leiter der 1908 in Beelitz gegründeten israelitischen Erziehungseinrichtung für geistig behinderte Kinder fiel dem nationalsozialistischen Regime zum Opfer. Personal und Schulkinder wurden 1942 nach Auschwitz verschleppt. Ihre Spur ist verloren. Auf Initiative von Wolfgang Stamnitz wurde das Beelitzer Gymnasium im September 1997 nach dem Lehrer Sally Bein benannt. Seit Jahren finden Sally Bein und seinen Schulkindern zu Ehren Gedenkveranstaltungen statt. Vormals auf dem Jüdischen Friedhof, seit 5 Jahren auf dem Gelände der Schule.
Das gestrige Programm wurde – wie in den Jahren zuvor – wesentlich durch Schülerbeiträge geprägt. Für eine besinnliche Atmosphäre sorgte ein mehrstimmiger Chor, ein Gedicht sowie ein Kurzreferat über die Chronologie historischer Ereignisse.
Dem Augenschein nach versammelten sich in erster Linie Lehrer und Schüler um das Denkmal Sally Beins. Nur wenige Bürger fanden den Weg zur knapp 15-minütigen Gedenkzeremonie, findet auch Wolfgang Stamnitz, der Pfarrer im Ruhestand.
In seiner Ansprache blickte Wolfgang Stamnitz nicht nur zurück. „Es ist noch lange nicht die Zeit, die Hände in den Schoß zu legen. Es muss weitergearbeitet werden.“ Einen Beitrag zum Verständnis der Historie liefert der Band „Jüdisches Brandenburg. Geschichte und Gegenwart“, in dem auch der Stadt Beelitz ein Kapitel gewidmet wurde. Verfasst hat es Wolfgang Stamnitz, der gestern neben der Aufarbeitung der Geschichte und der Aufklärung der Unwissenden anregte, das Verhältnis zur Partnerschule in Israel zu intensivieren.
Bürgermeister Thomas Wardin (SPD) sowie zwei Schüler legten Gedenksträuße vor dem Denkmal Sally Beins nieder. (Von Marie-Luise Gehrman)