POTSDAM - Im Brandenburger Landtag gibt es offenbar einen neuen Stasi-Verdachtsfall. Nach einem Bericht des Magazins „Focus“ soll der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion, Gerd-Rüdiger Hoffmann, für die Staatssicherheit gearbeitet haben. Wie das Blatt schreibt, soll Hoffmann als Schüler und Angehöriger der DDR-Grenztruppen von 1970 bis 1975 für das MfS tätig gewesen sein. Anschließend sei er als Informant für die Abteilung IV der MfS-Hauptverwaltung Aufklärung vorgesehen gewesen, so das Magazin unter Berufung auf eine vorliegende Stasi-Akte zu Hoffmann.
Hoffmann widersprach dem Bericht. „Es stimmt nicht, dass ich IM Schwalbe war. Das ist mir überhaupt nicht bewusst“, sagte er am Samstag. Die ihm im „Focus“ zugeschriebene Aussage: „Ich kann nicht leugnen, dass ich für das MfS tätig war“, sei auch nicht richtig. „Der Satz, dass ich zugegeben habe, für das MfS gearbeitet zu haben, der stimmt so nicht.“ Er wolle jetzt erst einmal Einsicht in die Stasi-Akte nehmen, die anderen bereits vorliege, sagte er. „Ich kann jetzt nichts erklären auf der Grundlage von Sachen, die andere haben und ich nicht.“
Als das Thema vor einigen Tagen das erste Mal hochgekommen sei, habe er den Landtagspräsidenten informiert und gefragt, ob über ein beschleunigtes Verfahren Einsicht in seine Akte genommen werden könne. Dies sei aber nicht möglich. Als Beschuldigter könne er seine Akte nicht einsehen. Erst nach Kenntnis der Akte werde es ihm aber möglich sein, sich zur Sache zu äußern, so Hoffmann in einer am Samstag verbreiteten Erklärung.
Er verwies darauf, dass er Anfang der 1990er Jahre von der Ehrenkommission der Universität Leipzig überprüft worden sei und eine Empfehlung zur Weiterbeschäftigung erhalten habe. Wie Hoffmann sagte, wollte er zum Wachregiment des MfS, sei aber nicht genommen worden. Er sei dann zum Wehrdienst bei den Grenztruppen gewesen.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Christian Görke, sagte gestern der MAZ, er habe nach einem Gespräch mit Hoffmann und nach allem, was ihm über den Fall bekannt sei, keinen Grund, an dem Fraktionskollegen zu zweifeln. Görke verwies darauf, dass sich laut Landtagsbeschluss auch alle Abgeordneten der Linken auf eine mögliche Stasi-Mitarbeit überprüfen lassen wollen. Jeder eventuelle Fall werde dann unabhängig bewertet.
Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus warf Hoffmann Wählerbetrug vor. Der Politiker der Linken habe seine Stasi-Vergangenheit jahrelang verschwiegen und sich so „mehrfach ein Landtagsmandat erschlichen“, heißt es in einer Mitteilung. Hoffmann, der seit 2004 im Landtag sitzt, solle sein Mandat niederlegen. Ministerpräsident Matthias Plat-zeck (SPD) wollte sich während einer Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag gestern in Potsdam nicht zu dem Thema äußern.
CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski forderte Platzeck und die SPD auf, beim Koalitionspartner Linkspartei für Klarheit zu sorgen. Es könne nicht sein, dass Brandenburg im öffentlichen Ansehen noch mehr Schaden erleide, erklärte Dombrowski gestern. (V.Kr. (mit dpa))
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