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16.11.2009

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VOCALISE: Eine wahre Herkulesaufgabe

Oratorium in der Friedenskirche

POTSDAM / SANSSOUCI - Die Friedenskirche zu Sanssouci befand sich am Samstagabend komplett in einem Zustand des Mendelssohn-Bartholdy-Fiebers. Im Programm der Vocalise 2009 – und gleichsam im Jahr des 200. Geburtstages Felix Mendelssohn-Bartholdys – kam dessen gewaltiges zweiteiliges Oratorium „Paulus“ mit Oratorienchor, Neuem Kammerorchester Potsdam sowie Solisten unter der Gesamtleitung von Matthias Jacob zur Aufführung. Und diese zwei Teile hatten es in sich.

In dem Werk stellt Mendelssohn-Bartholdy mit theologischer Unterstützung von Julius Schubring Schriftstellen aus dem Neuen und dem Alten Testament zusammen, die sich auf die Person des Apostel Paulus direkt beziehen, so etwa Apostelgeschichte, Evangelisten oder die Briefe an die neuen christlichen Gemeinden. Ebenso interpretiert er musikalisch Passagen der Heiligen Schrift, die sich auf das Leben und Wirken von Paulus übertragen lassen – etwa in den prophetischen Aussagen von Jesaja und Jeremia sowie in den Psalmen. Die Blutzeugenschaft von Stephanus und der Wandel des die Christen verfolgenden Saulus hin zum Christen Paulus bilden den ersten Teil des Werkes; Die beginnende Apostelmission mit allen Erfolgen und Rückschlägen wird in Teil II behandelt.

Dem Chor kommt in diesem Oratorium eine zentrale Rolle zu. Ganz in Bachscher Tradition, oft mit fugierten Teilen und einem Cantus firmus über dem polyphonen Gebilde, hatten die Sänger des Oratorienchores eine wahre Herkulesaufgabe zu bewältigen. Eine Herausforderung, die sie sowohl in Kondition und stimmlicher Wirkung als auch in der ungebrochenen Konzentration selbst noch im Schluss-chor beispielhaft meisterten.

Von den Gesangssolisten war der Sopran die beste Wahl. Mit ihrer Klarheit und dynamischen Abstufungsfähigkeit zog Ute Selbig die Zuhörer augenblicklich in ihren Bann. Alt, Tenor und Bass waren stimmlich ebenfalls gut disponiert, kamen aber an diesem Abend an die Leistung der Sopranistin nicht heran.

Das Publikum in der restlos ausverkauften Friedenskirche bekam das komplexe Werk eines damals 25-Jährigen zu hören, der von Robert Schumann zu recht als „der Mozart des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet wurde. Höchste Anerkennung gilt Matthias Jacob, der sich diesem riesigen Werk stellte und die Akteure vom ersten Ton der Ouvertüre bis zum Schlussakkord hervorragend leitete. (Von Matthias Müller)


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