POTSDAM / WALDSTADT - Ihre Freundinnen, mit denen sich Maria Stock einmal in der Woche zum Spielenachmittag trifft, sind in den Siebzigern, Achtzigern. „Überall, wo ich hinkomme, bin ich die Älteste“, lacht die fidele Dame, die am Sonnabend mit Verwandten ihren 100. Geburtstag gefeiert hat. Anders als viele Gleichaltrige wohnt Maria Stock nicht im Pflegeheim, sondern in den eigenen vier Wänden in der Waldstadt. Auch das tägliche Einkaufen und Kochen – „viel Gemüse, gern auch mal ein Kotelett“ – übernimmt die Rentnerin noch selbst. Essen vom Lieferdienst „würde ihr nicht schmecken“, erzählt ihr Sohn Peter Stock (64).
Die gebürtige Geltowerin bezeichnet sich selbst als „Arbeitstier“, das sie nach vielen, körperlich harten Jahren in der Landwirtschaft bis heute geblieben sei. Deshalb werde auch die Wohnungsreinigung am liebsten selbst erledigt. Die schweren Dinge wie Fensterputzen solle sie aber der Haushaltshilfe überlassen, mahnt der Sohn. Nein, das häufig nachgefragte Rezept zum Altwerden kennt Maria Stock nicht. „Ich bin viel an der frischen Luft und auch sonst immer in Bewegung“, sagt sie, die seit dem Tod ihres Mannes 1974 allein lebt.
Drei Enkel und fünf Urenkel gehören mittlerweile zur Familie. Bei der Feier fehlte jedoch Tochter Inge (78), die vor einem halben Jahrhundert der Liebe wegen von Westberlin in die USA ausgewandert war und im sonnigen Florida den Lebensabend verbringt. „Damit musste ich mich abfinden“, sagt Maria Stock. Mutter und Tochter sahen sich zuletzt vor sechs Jahren. Beide telefonieren aber regelmäßig. Als die Mauer noch stand, fanden die Treffen in Westberlin statt, weil der zweite Mann der Tochter Angst vor einer Reise in die DDR hatte. „Er dachte, als Amerikaner hier von den Russen erschossen zu werden“, erzählt Peter Stock. Der Kalte Krieg verfehlte seine Wirkung in den Köpfen nicht.
Den Mauerfall verfolgte Maria Stock am Fernseher. Obwohl sie als Rentnerin seit Jahren in den Westen fahren durfte, werde sie dieses Ereignis nie vergessen, sagte sie. (Von Ricarda Nowak)