POTSDAM / INNENSTADT / TELTOWER VORSTADT - Während der Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag hat Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zu „neuen Formen“ des Gedenkens aufgerufen, um die „mahnende Erinnerung lebendig zu halten“. Es sei kaum möglich, heute noch „unmittelbaren Schmerz“ gegenüber den Opfern beider Weltkriege zu empfinden. In das Gedenken schloss Platzeck ausdrücklich Soldaten der Bundeswehr ein, die bei der „Verteidigung von Frieden und Freiheit“ in Afghanistan ums Leben kamen. Die „beispiellos friedliche“ Phase Europas in Zukunft zu bewahren, werde eine tägliche Aufgabe bleiben, so Platzeck gestern. Kritiker der SPD-Linke-Koalition erwarteten den Ministerpräsidenten an der Einfahrt zum Neuen Friedhof mit einer Mini-Mahnwache. Eine dreiköpfige Familie hatte Pappschilder aufgestellt: „Die Opfer mahnen – kein Rot-Rot“ und „Verräter Platzeck“ war zu lesen.
Unter den Gästen der Gedenkveranstaltung befanden sich der Botschaftsrat der Slowakischen Republik, Alexander Micovcin, Umweltministerin Anita Tack (Linke), Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), Sozialbeigeordnete Elona Müller, Landtagsabgeordnete und Vertreter der Stadtfraktionen Linke, SPD, CDU und Bürgerbündnis.
Auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof am Bassinplatz hatte Jakobs zuvor die Abrüstungspläne von US-Präsident Barack Obama gelobt. Das Stadtoberhaupt zeigte sich „dankbar“, dass die Abschaffung von Atomwaffen wieder „auf der Tagesordnung der politischen Weltgemeinschaft“ steht. Obamas Initiative könne dazu beitragen, die Welt friedlicher und sicherer zu machen.
In einer Schweigeminute gedachten die rund 70 Anwesenden, darunter französische, weißrussische und deutsche Teilnehmer einer Jugendbegegnung, den Opfern von Welt- und Bürgerkriegen, Terrorismus sowie rassistischer Verfolgung. Es wurden Kränze am Sowjetischen Ehrenmal sowie an der Kriegsgräberstätte auf dem Neuen Friedhof niedergelegt. (Von Ricarda Nowak)